Die Krankenhäuser in Rüdersdorf und Strausberg arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen. 16 Corona-Patienten liegen in Strausberg, vier auf der Intensivstation. In Rüdersdorf sind 13 auf Station, zwei werden beatmet. An zwei Tagen war die Strausberger Intensivstation in der vergangenen Woche ausgereizt. Der Landkreis kann beim Überschreiten des Limits noch Intensivpatienten ins Klinikum Markendorf nach Frankfurt (Oder), nach Eberswalde und Bad Saarow verlegen. „Wir haben zwar keinen exponentiellen Anstieg mehr, aber einen sehr starken Aufwuchs in den letzten zwei Wochen“, sagte Amtsarzt Steffen Hampel am Dienstagabend im Gesundheits- und Sozialausschuss des Kreistages.

Orientierung auf digitale Formate

Der fand als Videokonferenz statt und folgte damit bereits dem eingangs vom Ersten Beigeordneten des Landrats und Sozialamtsleiters Friedemann Hanke (CDU) an alle eindringlich gerichteten Appell, alle persönlichen Begegnungen herunterzufahren. Hanke sagte das ausdrücklich auch mit Blick auf Sitzungen kommunaler Gremien. Die Städte und Gemeinden sollten alle Möglichkeiten der digitalen Vernetzung nutzen und so, wie es von den Menschen auch im privaten Bereich gefordert ist, alle Kontakte vermeiden: „Wenn die Sieben-Tage-Inzidenz über 200 gehen sollte, werden wir nach Orten differenziert Kontakte einschränken müssen bis hin zu Ausgangssperren.“

Ausbrüche in Pflegeheimen

Steffen Hampel berichtete den Ausschussmitgliedern von dramatischen Lagen in Pflegeeinrichtungen in Strausberg, Eggersdorf, Vogelsdorf, Hönow und Rüdersdorf, wo sowohl Bewohner als auch Pflegekräfte in erheblichem Umfang positiv auf das Coronavirus getestet wurden: „Wir haben jetzt 456 Erkrankte, so viel hatten wir die letzten sieben Monate nicht. Und wir haben 28 Tote, das sind zum größten Teil Hochbetagte aus den stationären Einrichtungen.“
Auf Nachfrage der Zeitung gingen Friedemann Hanke und Steffen Hampel auf die teilweise gravierenden Differenzen in den Inzidenzzahlen des Landkreises, des Gesundheitsministeriums in Potsdam und des Robert-Koch-Instituts ein. Beim RKI seien der Hintergrund unterschiedliche Berechnungs- und Definitionsweisen bestimmter Zahlen, die für die Inzidenz herangezogen würden. Beim Landesministerium seien besonders in den vergangenen Tagen grobe Differenzen entstanden, weil das Gesundheitsamt eine neue Software eingeführt habe, die anfangs einige Fehler produziert habe. Inzwischen seien die Kinderkrankheiten beseitigt und die Vorteile kämen zum Tragen: „So werden die Schreiben an die Menschen in häuslicher Isolation jetzt direkt aus dem Programm generiert und müssen nicht eigens aufgesetzt werden“, sagte der Amtsarzt.
Das Gesundheitsamt werde bei der Nachverfolgung der Kontaktketten von vielen Mitarbeitern aus anderen Ämtern der Kreisverwaltung und von 15 Bundeswehrangehörigen unterstützt. Die wechselten jedoch gerade, Neue müssten eingearbeitet werden: „Die erfüllen ein breites Spektrum an Aufgaben, viel mehr, als ursprünglich angedacht war“, würdigte Steffen Hampel.

Lage an Schulen unübersichtlich

Ausschussmitglied Hannelore Kaul fragte nach der Lage an Schulen und Kitas. Die sei für das Gesundheitsamt manchmal unübersichtlich, antwortete der Amtsarzt: „Durch die dort eingesetzten Schnelltests haben die Eltern und Schulleiter die Befunde schneller, als wir davon erfahren, und haben dann auch schon reagiert.“ Es gebe aber an den Einrichtungen keine klassischen Ausbrüche und keine Weiterverbreitung, sondern eher Einzelerkrankungen. „Aber die Vorgaben des Robert-Koch-Instituts gelten. Schüler als Kontaktpersonen der Kategorie 1 dürfen bei negativem Schnelltest nach fünf Tagen zurück in die Schule. Wir brauchen nur mehr Schnelltests.“
Eine Nachfrage der Zeitung galt der Erstattung von Lohnkosten für in Quarantäne geschickte Arbeitnehmer. Mehrere Arbeitgeber hatten beklagt, seit dem Frühjahr auf diese Erstattungen zu warten. „Daran ist nicht die Kreisverwaltung schuld“, informierte Friedemann Hanke bereitwillig, „sondern das Landesamt für Arbeitsschutz, Verbraucherschutz und Gesundheit. Dort arbeiten nach unserer Kenntnis ganze zwei Kolleginnen die Antragsflut ab und sind entsprechend überfordert.“ Der neue Leiter des Fachbereichs Hygiene und Umweltmedizin, Steffen Kastner, der sich dem Ausschuss virtuell vorstellte, erneuerte den Appell zur Kontaktreduzierung: „Wir müssen alles tun, um nicht die Kontrolle über das Geschehen zu verlieren.“
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