"Viele Menschen sind zu Hause und nutzen die Zeit, um ihre Grundstücke aufzuräumen und ihre Schuppen zu entrümpeln", sagt Angela Friesse, Werkleiterin des Entsorgungsbetriebs Märkisch-Oderland (EMO). "Da ist schon eine enorme Menge an Sperrmüll zusammengekommen." Aufgrund der vielen Anmeldungen könne der festgelegte Zeitraum zur Terminvergabe innerhalb von drei Wochen nach der Anmeldung nicht immer eingehalten werden. "Hier bitten wir um Verständnis", sagt Abfallberater Andreas Graepel.
Wie sich das erhöhte Müllaufkommen auf die Gebühren für die Verbraucher auswirke, lasse sich jetzt noch nicht absehen. "Wir betrachten immer das ganze Jahr. Vielleicht gibt es ja nach hinten raus weniger Müll, weil die Menschen ihre Entsorgungen vorgezogen haben", sagt Angela Friesse. Zugenommen haben auch die Bestellungen von Containern (um mehr als 80 Prozent) und das tägliche Aufkommen im Kleinanlieferbereich der Abfallumschlagstation in Rüdersdorf um etwa 20 Prozent. Der Kleinanlieferbereich war allerdings bis 21. April wegen der verhängten Kontaktsperre für etwa fünf Wochen geschlossen.
Inwieweit sich das Müllaufkommen durch Plastik- und Kunststoffverpackungen von Restaurant-Lieferdiensten und Mitnahme-Angeboten erhöht hat, lasse sich schlecht schätzen, sagt Friesse. Im Bereich Gelbe Tonnen/Säcke gebe es etwa zehn Prozent mehr Müll. "Das hat das Duale System ausgerechnet, das für Verpackungsabfälle zuständig ist." Hinzu komme noch das, was die Verbraucher beispielsweise in öffentlichen Behältern entsorgen.
Zufrieden ist Angela Friesse, dass es beim EMO trotz der erschwerten Umstände bis auf eine zweiwöchige Aussetzung des Schadstoffmobils  – die Termine werden derzeit nachgeholt – in den vergangenen Wochen "keine Probleme bei der Entsorgung gab". Ob Papier-, Restmüll oder Bioabfall, "wir haben unsere Tourenpläne trotz Corona eingehalten. Die Müllwerker haben ihren Job sehr gut gemacht", findet Angela Friesse.
Apropos Bioabfall: Die in Märkisch-Oderland erst im vergangenen Juni eingeführte Biotonne auf Freiwilligen-Basis bleibt weiterhin eine Erfolgsgeschichte. Inzwischen sind fast 17 000 Tonnen verteilt worden. "Und der Run hält weiter an", freut sich Angela Friesse. Um sie noch bekannter zu machen, beteiligt sich der EMO zusammen mit 146 weiteren Kommunen und Landkreisen an der bundesweiten Aktion Biotonne Deutschland (siehe Infokasten). "Wir wollen damit einen Beitrag zum Klima- und Umweltschutz leisten", sagt sie. Noch immer lande zu viel kompostierbarer Abfall in der Restmülltonne – Deutschlandweit seien es jährlich drei Millionen Tonnen.
Damit würden Rohstoffpotenziale förmlich verbrannt. Denn der nasse Bioabfall sorge beim Verbrennen des Restmülls dafür, dass der Heizwert niedriger ist, was sich negativ auf die freigesetzte Energie auswirke, sagt Friesse. Außerdem koste es die Bürger letztendlich mehr Gebühren, wenn Bioabfälle in der Restmülltonne landeten. "Dann ist das Müllaufkommen höher."
Um die Umwelt zu schonen, sei eine stoffliche Verwertung das Beste. "Aus Papier soll Papier gewonnen werden, aus Plastik Plastik und aus Bioabfall natürlicher Dünger für die Landwirtschaft." Letzteres erfolgt für den EMO in der Kompostieranlage Trappenfelde.
Friesse lobt in diesem Zusammenhang die Besitzer von Biotonnen im Landkreis. "Es gibt kaum Fehlwürfe, die Leute sammeln ziemlich sortenrein." Heißt: In die Tonne kommt in der Regel nur, was auch dort hineingehört: kompostierbare Küchen- und Gartenabfälle.

Aktion BiotonneDeutschland


Der Entsorgungsbetrieb Märkisch-Oderland ruft dazu auf, sich an der Aktion Biotonne Deutschland zu beteiligen. Auf der Internetseite www.aktion-biotonne-deutschland.de kann jeder das Versprechen abgeben, Bioabfälle in die Biotonne zu werfen und so etwas zum Ressourcen- und damit für den Klima- und Umweltschutz zu tun. Die Aktion wird unter anderem durch den Naturschutzbund Deutschland (Nabu), das Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt unterstützt. Es winken Gewinne. Informationen zur Biotonne und Getrenntsammlung sind hier zu finden: www.entsorgungsbetrieb-mol.de    mst