Kurze Zeit später hatte sie einen Anruf der Strausberger Wohnungsbaugesellschaft (SWG), die ihr zusagte, 100 wieder verwendbare, waschbare Alltagsschutzmasken zu spenden. "Wir hatten vor einigen Tagen für unsere Mitarbeiter in der Stadtwerkegruppe solche Masken beim PEX Polstereibetrieb in der Walkmühlenstraße geordert. So lag es nahe, noch einmal 100 Masken nachzubestellen", sagte SWG-Geschäftsführer Markus Derling am Freitag nach der Übergabe an die Schule. Thilo Hellner-Ivers, der Inhaber der Firma, sei sofort bereit gewesen, innerhalb von 24 Stunden zu liefern, als er erfuhr, wofür die zusätzlichen Masken gedacht seien.
Doch die SWG blieb mit ihrer Spende nicht alleine. "Den gesamten Mittwochvormittag saß ich am Telefon und habe Hilfsangebote entgegengenommen", sagt Annegret Ortner. Ob der Jugendsozialverbund Strausberg, der schon Masken vorbeibrachte, Mütter, die jetzt für Schüler und Lehrer nähen, oder die Firma Holztechnik Pilz aus der Kastanienallee, die für jeden der 26 Lehrer Kunststoffvisiere anfertigte – die Solidarität sei überwältigend gewesen. "Und die Visiere sind toll, weil sie den Lehrern im Vergleich zur Maske das Sprechen erleichtern", sagt Annegret Ortner. Auch Angebote, Desinfektionsmittel und Handschuhe zu besorgen, habe es von Eltern gegeben. "Wenn wir mehr haben als wir brauchen, würden wir damit auch anderen Schulen helfen, sofern Bedarf besteht", sagt sie.
Am Montag nehmen zunächst für vier Stunden die Zehntklässler ihren regulären Unterricht wieder auf, ab 4. Mai dann auch die neunten Klassen, berichtet die Schulleiterin. Die Organisation sei eine Herausforderung. "Wir unterrichten die Zehntklässler in neun Gruppen mit je zehn Schülern. Jede Gruppe bleibt in ihrem Raum, damit nicht ständig gewechselt werden muss." Der Raumbedarf der sonst üblichen drei zehnten Klassen steigt damit um das Dreifache auf neun. Genauso ist es zwei Wochen später bei den 9. Klassen. Dann seien durch den Gruppenunterricht beider Klassenstufen bereits alle 18 Räume der Schule belegt, obwohl die Siebt- und Achtklässler noch zu  Hause lernen. "Wenn die neunten Klassen dazukommen, wird es Schichtunterricht geben. Die zehnten Klassen am Montag, Mittwoch und Freitag und am Dienstag und Donnerstag die anderen", sagt Annegret Ortner.

Großes Ziel ist die Prüfung

"Unser großes Ziel ist es, die Zehntklässler auf ihre Prüfung vorzubereiten, damit sie trotz aller Widrigkeiten die Möglichkeit haben, einen ihrer Leistung entsprechenden Schulabschluss zu erreichen", betont die Leiterin. Viele hätten schon Zusagen für einen Ausbildungsplatz. "Wir hoffen, dass bestehende Verträge Bestand haben." Die verloren gegangene Unterrichtszeit von dreieinhalb Wochen – gerechnet ohne Ferien – sei aufholbar. "Die Schüler haben fleißig gearbeitet und ihre Aufgaben abgeliefert, auch wenn die Voraussetzungen recht unterschiedlich waren." Nicht jeder Schüler habe die Möglichkeit, eine E-Mail zu schreiben. "Deswegen konnten sie uns die Aufgaben auch per Post schicken oder vorbeibringen."
Die Lehrer seien hochmotiviert, und bereit, im Bedarfsfall auch fachfremden Unterricht zu übernehmen, falls Personal ausfalle. "Unser Ziel ist aber, den fachgerechten Unterricht abzusichern, also so, dass der Mathelehrer auch tatsächlich Mathe gibt." Die Prüfungen der mittleren Reife starten am 13. Mai mit Deutsch.

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