Deutschlandweit steigt die Zahl der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder an – kleine Ausläufer schwappen auch zum Krankenhaus Märkisch-Oderland in Strausberg über. Nach mehreren Wochen ohne Covid 19-Patienten habe es vor etwa 14 Tagen erstmals wieder drei bestätigte positive Fälle auf Station gegeben, sagt Geschäftsführerin Angela Krug. Sie kamen aus der Gemeinschaftsunterkunft in Neuhardenberg. „Alle hatten einen milden Verlauf und konnten inzwischen wieder entlassen werden.“ Derzeit gebe es im Klinikum einen positiv getesteten Patienten, ein weiterer Verdachtsfall habe sich nicht bestätigt.

Corona-Taskforce tagt einmal wöchentlich

Angela Krug hofft, dass sich Monate wie der April und Mai, in denen das Krankenhaus auf 40 Prozent des Regelbetriebes zurückgefahren war, nicht wiederholen. Bis 31. Mai hatte es dort 29 bestätigte sowie 29 Verdachtsfälle gegeben, die sich als negativ herausstellten. Um den Normalbetrieb, der seit Juni schrittweise wieder aufgenommen wurde, längstmöglich aufrechtzuerhalten, werde ständig alles auf den Prüfstand gestellt. Einmal pro Woche kommt dafür die am Anfang der Pandemie gegründete Taskforce mit Geschäftsführerin, Ärztlichem Direktor und Stellvertretung, der Pflegedienstleitung, der Leiterin der Zentralen Notaufnahme, Hygienefachkräften und, wenn die Lage akut wird, auch der Leitenden Ärztin der Intensivstation zusammen.

Checkliste überarbeitet

Als Reaktion auf die Zahlen hat die Taskforce beschlossen, dass es nun wieder einen Diensthabendenplan gibt. „Diensthabender ist immer ein Mitglied aus der Taskforce“, erklärt Angela Krug. Er oder sie werde angerufen, wenn akute Entscheidungen im Zusammenhang mit Corona gefällt werden müssten. Die Regelung sei im Sommer ausgesetzt gewesen, als es keine Fälle mehr gab. Die Taskforce überprüft auch regelmäßig die Corona-Diagnose- und -Behandlungsleitfäden für die Mediziner auf die neuesten Erkenntnisse und aktualisiert den Fragebogen, den nach wie vor alle Patienten bei Aufnahme ins Krankenhaus ausfüllen müssten – möglichst auch die akuten Fälle. In der kürzlich überarbeiteten Checkliste werden Symptome abgefragt, die auf Corona hindeuten, Kontaktpersonen und Aufenthalte in Risikogebieten.
Geändert wurde die seit Beginn des Regelbetriebes geltende Vorgabe, wonach bei allen Menschen ein Corona-Abstrich genommen wird, die wegen eines geplanten Eingriffs ins Krankenhaus Märkisch-Oderland kommen. „Wir haben das eine Zeit lang beobachtet und mit der Taskforce analysiert, dass die getesteten Patienten in der Regel negativ waren. Die Regelung gilt aber nach wie vor für Berliner oder Menschen, die dort arbeiten“, sagt Angela Krug. Die Ansteckungswahrscheinlichkeit in der Hauptstadt sei einfach höher.

Gefestigte Strukturen und Abläufe

Ihr Krankenhaus sieht die Geschäftsführerin für eine zweite Welle gut gerüstet. „Am Anfang der Pandemie mussten wir uns die Strukturen und Abläufe erst erarbeiten. Jetzt können wir sie im Bedarfsfall einfach wiederbeleben.“ Gab es vor der Krise in Strausberg fünf und am Standort Wriezen vier Intensivbetten mit Beatmungsgeräten, konnte jetzt auf zehn in Strausberg aufgerüstet werden. Die Maßgabe, Covid-Patienten ausschließlich dort und nicht in Wriezen zu behandeln, gelte weiterhin, um unter anderem die ärztliche und pflegerische Kompetenz an einem Standort zu bündeln. Ab fünf bis sechs positiv getesteten Patienten und einem regelmäßigen Zugang von Covid-Patienten würde in Strausberg wieder eine reine, von den anderen Krankenhausbereichen isolierte Covid-Station eingerichtet. „Das ist der Bereich, in dem bei uns die Lungenheilkunde praktiziert wird“, sagt Angela Krug. Die Station wäre laut Pflegeschlüssel mit einem Oberarzt, ein bis zwei Assistenzärzten und zwölf Pflegekräften besetzt, die sich in drei Schichten abwechseln.

Einbrüche bei Patientenzahl

Rückblickend ist Angela Krug froh, dass es vom Bund Ausgleichszahlungen für Betten gegeben hat, die für Corona-Patienten freigehalten wurden. „Das hat uns schon gerettet“, sagt sie. Die Rückgänge bei den Patientenzahlen zeigen sich schon jetzt. Bis Ende August 2020 wurden in Strausberg und Wriezen zusammen 7375 Patienten stationär behandelt – 1437 weniger als im Vorjahreszeitraum. Die ambulanten Behandlungsfälle gingen von 8930 auf 8465 zurück.