Gemeinsam mit dem Dorf
Äußerst angetan war die Besuchergruppe von dem, was sie an dieser Stelle von Vertretern der Trias-Stiftung, der Selbstbau e. G. und der Hofgemeinschaft (siehe Infokasten) präsentiert bekamen. Bei einem Rundgang über das Areal mit seinem etwa ein Dutzend einzelnen Gebäuden sowie einem ergänzenden Vortrag beim Abendessen ging es um Vorgeschichte, Entwicklungsperspektiven und konkrete Nutzungsoptionen. Aber ebenso um den besonderen gemeinschaftlichen Ansatz des Vorhabens, die Verzahnung der drei Akteure im Gesamtprojekt, basisdemokratische Entscheidungsprozesse und nicht zuletzt die Umsetzung der Pläne im engen Zusammenwirken der aus Berlin kommenden Neubürger mit der alteingesessenen Dorfbevölkerung, die seit Beginn mitgenommen wird, wie alle betonten.
"Wir wollen nicht, dass das hier ein Ufo ist, was im Dorf landet", fasste Thomas Dönnebrink beim Hofrundgang diesen Anspruch zusammen. Gerade deshalb hat das Teilprojekt Dorfscheune, das seine Kollegin Julia Paaß betreut und näher vorstellt, besondere Bedeutung. Die Gäste durften bereits einen Blick in das Gebäude direkt am Hofeingang werfen. Was dort einmal unterkommen soll mit Café, Co-Working, einem "öffentlichen Wohnzimmer" mit einigen kulturellen Angeboten sowie Vermarktung von Regionalprodukten, dazu ist die gemeinschaftliche Konzeption bereits weit gediehen. Julia Paaß führte aber auch aus, dass man sich als aktiver Teil des Netzwerks Zukunftsorte in Brandenburg begreife. Zehn Projekte sind darin derzeit versammelt, es gibt Vorbilder, Austausch, Bereicherung. Und gemeinsam wolle man eine Wissensplattform ebenso aufbauen wie Impulse für Reformen setzen. Das betreffe den Dialog mit Verwaltungen, Politik und anderen Partnern zu gesetzlichen Vorgaben wie auch zu finanziellen Aspekten, also Förderkriterien.
Deutlich gemacht wurde den europäischen Gästen, dass sich die Vertreter des Akteurs-Dreiklangs über die Dimensionen und Hürden des Hofprojektes als Ganzes durchaus im Klaren sind. Rolf Novy-Huy vom Trias-Vorstand hatte das teilweise schon in seiner Begrüßung angesprochen. Und auch Dönnebrink ging noch einmal auf die durchaus länger gestrickte Zeitschiene ein, die sich an finanziellen Rahmenbedingungen, aber auch den notwendigen Abstimmungen mit Behörden und einzuholenden Genehmigungen orientiert. Insgesamt werde der Hof für zehn bis 15 Jahre zur Baustelle. "Ziel ist aber, dass in etwa zweieinhalb Jahren die Ersten einziehen können", sagte Dönnebrink mit Blick auf den ehemaligen Pferdestall, der über der Tür noch sichtbar sein Baujahr 1892 zur Schau trägt. Auch das frühere Backhaus mit drei geplanten Wohnungen und das Schweizerhaus seien mit in Phase eins vorgesehen. Bei anderen Objekten wie der großen Scheune von 1877 werde es wohl länger dauern.
Wohnen und Arbeiten
45 Erwachsene sowie eine wachsende Zahl von Kindern umfasse die Gemeinschaft momentan, bis maximal 100 sei eine Erweiterung vorstellbar. Etwa 70 Prozent wollen auch an Ort und Stelle ihren Lebensunterhalt verdienen. Deshalb geht es um digitale Arbeitsplätze ebenso wie um Künstlerateliers und Werkstätten sowie ökologische Landwirtschaft, wurde teilweise schon mit konkreten Beispielen untersetzt. Und so, wie der Hof früher einen Wirtschaftskreislauf bildete, wolle man auch die Vernetzung der neuen Bereiche mit zahlreichen Synergieeffekten gestalten. "Ich bin vom Platz ebenso wie den Leuten sehr beeindruckt, da ist großes Engagement", sagte die Ungarin Andrea Tönkö. So wie ihr ging es auch den übrigen Gästen.

Dreierbund zur Hofentwicklung


Die Stiftung Trias hat im Jahr 2016 das ehemalige Gutshofareal erworben, ist der Eigentümer des gesamten Geländes. Für die Gebäude zeichnet die Selbst-Genossenschaft verantwortlich, die der Stiftung (was wiede-rum der Deckung des Kaufpreises diente) die Pacht für zehn Jahre im Voraus bezahlt hat. Unmittelbarer Träger des Entwicklungsprojekts mit den einzelnen Komponenten ist die Hof-Gemeinschaft – derzeit 45 erwachsene Mitglieder, die sich wohn- und arbeitsmäßig ansiedeln möchten. Trias ist für zwei Jahre Teil des EU-Forschungsprojekts "Open Heritage". bg