Aus der winzigen Küche duftet es weihnachtlich. Hier, wo ansonsten lediglich Kaffee gekocht wird, stehen große Töpfe auf dem Herd. Kartoffeln und Klöße, Grünkohl und Rotkraut werden frisch gekocht beziehungsweise aufgewärmt. Dafür wurde die kleine Küche des Bürgerzentrums in der Brückenstraße extra aufgerüstet. Die Kochplatten und die großen Töpfe brachte Meinhard König von daheim mit. Auf einem Stövchen werden die Gänsekeulen, die zum Festmahl dazu- gehören, warm gehalten.
Meinhard König ist der Mittelpunkt des Geschehens und der Initiator. Seit zehn Jahren kümmert er sich als Streetworker um Menschen in schwierigen Lebenssituationen, komplizierten sozialen Verhältnissen oder um Leute, die alkohol- oder drogenabhängig sind. Sein Ziel ist es, mit solchen Leuten in Kontakt zu kommen, eine Beziehung aufzubauen und Vertrauen zu schaffen.
"Das gelingt ihm sehr gut", lobt Bürgermeister André Schaller und bekommt Zustimmung von Jörn Dahms, dem Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Rüdersdorf. Denn im Neubauviertel der Gemeinde liegt auch deren sozialer Brennpunkt, dort ist Meinhard König eine wichtige Person für Leute, die in Problemen stecken, die allein nicht weiterwissen. "Was Meinhard König für die Rüdersdorfer tut, ist aller Ehren wert", sagt Dahms. "Zu Meinhard kann man immer kommen, mit ihm redet es sich leichter als mit Schlipsträgern in den Büros. Meinhard weiß auch immer, was zu tun ist", sagt Robert Fehrmann. Der 26-Jährige ist einer "der Jungs", wie sie Meinhard König allesamt nennt.
Rund 30 Rüdersdorfer sind es, zu denen er Kontakte pflegt, denen er bei Behördengängen hilft, die ihn zu jeder Tages- und Nachtstunde erreichen können. Aber, es kommt auch was zurück. "Wenn kräftige Hände zum Zupacken gebraucht werden, kann ich mich auf die Jungs ebenso verlassen", sagt König und berichtet vom jüngsten Arbeitseinsatz nahe der Autobahn. Anwohner hatten sich über Dreck und Müll beschwert, der dort herumläge. "Zehn große Säcke voller Müll und sogar alte Möbel haben wir rausgeholt", sagt der 65-Jährige kopfschüttelnd. Auch greift die Wohnungsbaugesellschaft gern auf die Hilfsbereitschaft zurück, wenn dringend Wohnungen geräumt werden müssen. "Ich finde es schade, da ich von solchen Notfällen erst dann erfahre, wenn es zu spät ist", sagt Meinhard König. Die Ursachen dafür lägen im Datenschutz, sagt er. So käme manchmal eine Unterstützung für die Mieter einfach zu spät.
Eigentlich könnte er es seit einem Jahr als Rentner ruhiger angehen lassen. Aber das ist ihm wohl nicht gegeben. "So lange ich gebraucht werde und meine Knochen noch mitmachen, bin ich dabei", sagt er. Die größte Freude für den Alt-Rüdersdorfer ist, wenn mit seiner Hilfe Leute wieder in Arbeit kommen. Gerade habe er beim Jobcenter - wo man seinen Einsatz ebenfalls zu würdigen weiß - eine Maßnahme eingereicht. "Beim Sportplatz ist einer in Rente gegangen und einer krank. Da braucht es Leute, die mal Rasen mähen, mal was reparieren oder Umkleiden sauber machen", sagt König.
Darüber freuen sich nicht nur die Vertreter aus der Gemeindeverwaltung, die an diesem Nachmittag auch im Bürgerzentrum vorbeischauen, sondern auch die von der Sozialen Stadt. Während die Gänsekeulen von der Wohnungsbaugesellschaft gesponsert wurden, wurde von der WIBB, bei der König auf 450-Euro-Basis beschäftigt ist, und aus dem Aktionsfonds der Sozialen Stadt für Beilagen und kleine Geschenke gesorgt.
Derweil haben sich die Essensgäste eingefunden. Freundschaftliche Begrüßungen gibt es und ein frohes Lächeln, als sie die liebevoll gedeckten Tische sehen und daran Platz nehmen.