Hartmut Ehrlich hat die SWG geprägt wie kein anderer. Seit der Gründung der kommunalen Gesellschaft am 1. März 1991 stand er ihr als Geschäftsführer vor. Das nötige Rüstzeug erwarb sich der diplomierte Bauingenieur beim Wohnungsbaukombinat in Strausberg. Sein Studium schloss Ehrlich im Jahre 1979 ab. Drei Jahre zuvor hatte er einen anderen Abschnitt offiziell beendet, der ihn viele Jahre lang geprägt hatte - der Leistungssport. Hartmut Ehrlich war Bahnradsportler und als Sprinter zwar nicht bei Olympischen Spielen dabei gewesen, wie er schmunzelnd erklärt, um dann schon ernst zu ergänzen: "Aber zum DDR-Meister hat es schon gereicht."
Bei den ersten freien Kommunalwahlen in der DDR kandidierte Hartmut Ehrlich in seiner Heimatgemeinde Grunow/Ernsthof erfolgreich als Bürgermeister. Ein Jahr lang übte er die Funktion hauptberuflich aus, dann zwei Legislaturperioden noch ehrenamtlich. "Vom Arbeitsanfall war das durchaus machbar", sagt er rückblickend. Mehr Zeit und Kraft musste er ab 1991 als Geschäftsführer in die neu gegründete Strausberger Wohnungsbaugesellschaft investieren. Das war für ihn ebenso Neuland wie für seine damals 100 Mitarbeiter.
Anfangs sei es um die Schaffung zeitgemäßer Strukturen gegangen. Ab Mitte der 1990er-Jahre habe dann der Zukauf von 2500 NVA-Wohnungen vom Bund sowie deren Modernisierung Priorität gehabt. "Wir hatten kein eigenes Geld, mussten daher alles über Kredite finanzieren, und das bei den ungelösten Eigentumsfragen", sagt Ehrlich, der die damalige Verschuldung der kommunalen Gesellschaft durch die Zukäufe auf 50 Millionen D-Mark beziffert.
Bis zum Jahr 2000 waren die Zukäufe über den Tisch, es wurden eigene Projekte realisiert. Beispiele sind das Haus am See am Fichteplatz, der Umbau der ehemaligen Schiller-Realschule für altersgerechtes Wohnen und der alten Turnhalle neben der Hegermühlenschule zur Ton-Halle für die Kreismusikschule Märkisch-Oderland. Derzeit baut die SWG unweit der Garzauer Straße das neue Domizil der Kreis-Polizeiinspektion. Das Land wird sich dort einmieten. Hartmut Ehrlich betont bei allen neuen Bauprojekten stets die große Bedeutung der Bestandserhaltung der rund 5000 Wohnungen: "Davon leben wir."
Das sieht sein Nachfolger Mathias Wegner-Repke ähnlich. Der diplomierte Bauingenieur hat in Schweriner und Berliner Architektenbüros gearbeitet. Zuletzt war der 44-Jährige beim kommunalen Wohnungsunternehmen Gesobau in Berlin angestellt. Für Wegner-Repke ergeben sich mit dem bevorstehenden 20-Minuten-Takt der S-Bahn bis Strausberg-Nord auch für die SWG neue Perspektiven. Da sich nicht alle Wohneigentum am Berliner Rand leisten könnten und anderswo kaum Mietwohnungen verfügbar seien, werde das Interesse an SWG-Wohnungen wachsen. Darauf werde man sich in Zukunft einstellen, ebenso wie auf den demografischen Wandel.
Auch Hartmut Ehrlich weiß um die Herausforderungen. Er will sich aber mit Ratschlägen zurückhalten und seinem Hobby frönen - dem Flugmodellbau. Und dann sind da ja auch noch sechs Enkel.
Bürgermeisterin Elke Stadeler gönnt ihm den Ruhestand. Sie würdigt die "sehr gute Zusammenarbeit", die bis in ihre Zeit als Kämmerin zurückreiche, und sein "diplomatisches Geschick im Umgang mit Leuten".