Als großen Erfolg bezeichnete Bürgermeisterin Elke Stadeler nach einem ausgiebigen Rundgang den 16. Ausbildungstag mit seinen umfassenden Angeboten zu Praktikumsmöglichkeiten, Ausbildung, Studium und Freiwilligenjahren.
Esther Kimani kommt aus Kenia. Sie ist nach einem Aupair-Jahr seit Oktober in einem Seniorenheim in einem Freiwilligen Sozialen Jahr. „Das ist es“, sagt sie und hofft danach auf einen Ausbildungsplatz. Sonja Misch hat die 22-Jährige betreut und ist ebenfalls optimistisch, dass das klappen wird. „Es sind diese Jahre, die für manchen Jugendlichen wichtig sind, sich zu finden und zu entdecken, was er wirklich möchte“, sagt sie.
Kein Problem, sich zu finden, hatten Kerstin Ruppenthal und Sarah Kohli. Sie haben sich einen Beruf in der Landwirtschaft gesucht. Während Kerstin einmal Ausbilderin werden möchte, strebt Sarah ein Studium als Veterinärassistentin an. „Viele Landwirtschaftsbetriebe kommen in die Jahre und brauchen demnächst qualifizierten Nachwuchs“, erklärt Ines Sennewald vom Bauernverband MOL.
Vor dem gleichen Dilemma stehen auch die Transportunternehmen.Das Durchschnittsalter der Berufskraftfahrer liegt zwischen 45 und 60 Jahren. Nach einer dreijährigen Ausbildung kann es in den Nah- oder Fernverkehr gehen, wirbt das Jobstarter Projekt Lenkrad.
An vielen Ständen haben vor allem die Auszubildenden das Wort. Sie erklären, zeigen und reden mit den Gleichaltrigen. Kaum braucht es Hilfe von anwesenden Lehrmeistern oder Ausbildungsbetreuern. Die Jugendlichen wissen, worauf es ankommt, und welche Hürden schwierig zu nehmen sind. Und darüber reden sie ganz offen. Benjamin Succo macht beim Christlichen Jugenddorf in Rüdersdorf eine Ausbildung zum Maler. Er zeigt, wie man aus ganz normalem Bier und Farbpulver eine Lasur herstellen kann. „Wir haben noch ganz altes Werkzeug, mit dem sich sehr gut die Holzmaserungen nachziehen lassen“, sagt er und streicht behutsam über die frische Farbe, die gleich darauf aussieht wie ein Brett mit knorrigen Astlöchern.
Ungerührt von allem Gedränge rollt derweil Robert Stieber, Azubi beim Bäcker- und Konditor-Meister Thürmann, die rote Marzipanmasse aus. Dann werden daraus Rosenblätter geformt, die aus gewöhnlichen Pfefferkuchen kleine Kunstwerke werden lassen. „Nicht schwer“, sagt er.
Zum ersten Mal seit sechs Jahren sucht auch das Finanzamt wieder nach ausbildungswilligem Nachwuchs. „Wir brauchen Realschulabsolventen und Abiturienten“, wirbt Manfred Ommer, Vorsteher des Finanzamtes, für den Ausbildungsjahrgang 2012. Manch ein Handwerksbetrieb, wie die Lindenoase aus Strausberg, sucht auf dieser Messe ganz gezielt nach einem Azubi. Beim Vermessungsingenieur Kalb drängen sich schon die jungen Leute.
Die Organisatoren des Ausbildungstags freuen sich über das rege Interesse. „Es fällt aber auch auf, dass viele junge Leute sehr unsicher sind, was sie eigentlich wollen und wohin sie ihr Berufsweg führen soll“, sagt der stellvertretende Schulleiter des Oberstufenzentrums, Peter Müller. Da ist so ein Angebot auf kleinem Raum eine gute Gelegenheit, viele Informationen zu sammeln. „Positiv ist daher, dass sich so viele Anbieter von Praktikumsplätzen für Schüler und Studenten eingefunden haben“, findet die Bürgermeisterin. Sienimmt sich vor, im Anschluss an den Ausbildungstag mit den Ausstellern das Gespräch zu suchen, um noch „mehr in die Offensive und auf die Jugendlichen zuzugehen und vor allem Brandenburg aus Ausbildungsstandort bekannt zu machen“, stellt sie sich vor. Der Ausbildungstag sei dafür nicht der richtige Ort, denn jetzt hätten die jungen Leute das Vorrecht, sich zu informieren.