Regelmäßig ein paar Stunden an der frischen Luft und abends mit Taschen voller frischem Gemüse nach Hause fahren - so in etwa lässt sich die Idee zusammenfassen, mit der die beiden Nachwuchsbauern jetzt an die Öffentlichkeit gegangen sind. Der 28-jährige von Grafenstein hat wie sein zwei Jahre jüngerer Kollege Bauer in Witzenhausen bei Göttingen Ökologische Landwirtschaft studiert und dabei das aus Wien stammende Konzept kennen gelernt und auf hiesige Verhältnisse angepasst. "An unserem Studienort haben wir das Projekt im vorigen Jahr schon durchgezogen. In der 6000-Einwohner-Stadt kam es sehr gut an", berichtet er.
Deshalb ist ihm für den Einstieg in Ruhlsdorf nicht bange. In erster Linie ziele man auf Leute ab, die in Berlin arbeiten, sagt er. Sie sollen nur wenig Zeit aufwenden müssen, um zu einer reichen Ernte zu kommen. Etwa eine Stunde pro Woche sei ausreichend, so der junge Mann, dessen Eltern ebenfalls einen Landwirtschaftsbetrieb haben.
Den Ewaldhof in Ruhlsdorf hatten die beiden bei der gezielten Suche nach Biohöfen in der Region entdeckt. Auf dem Gelände zwischen Hof und See, wo jetzt noch Pferde auf der Koppel stehen, bereiten sie eine kreisrunde Fläche vor. In der Mitte wird sich später eine Kräuterspirale finden, nach außen sollen in Ringen etwa 25 verschiedene Gemüsesorten angepflanzt werden - von Bohnen über Erbsen, verschiedene Kohlsorten bis hin zu Möhren, Radieschen, Rote Beete und Zwiebeln. Wenn die 18 zunächst verfügbaren rund 45 Quadratmeter großen "Tortenstücke" im Mai an die Pächter übergeben werden, ist das Saatgut bereits im Boden, sind die Jungpflanzen gesteckt.
Übers Jahr kümmern sich die beiden jungen Leute vor allem um die Bewässerung, stellen Arbeitsgeräte, Kompost zum Düngen zur Verfügung und stehen bei Bedarf mit Rat und Tat zur Seite. Ende Oktober, wenn die letzten Möhren geerntet und die Kürbisse prall seien, werde die Saison mit einem kleinen Erntefest abgeschlossen. Die Jahrespacht solle bei etwa 300 Euro liegen, sagt von Grafenstein. Und auch wenn die Parzelle "kein Ersatz für einen Hausgarten" sei: "Das geerntete Gemüse wiegt die Kosten auf jeden Fall auf", ist er überzeugt.
Positiver Nebeneffekt: Landwirtschaft rücke wieder näher an eine größere Zahl von Menschen. Besonders für Kinder sei Gärtnern eine wichtige Erfahrung, um einen Bezug zu gesunden Lebensmitteln herstellen zu können. Die Bauerngärten könnten einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Selbstversorgung mit qualitativ hochwertigem Gemüse leisten. Und Verantwortung zur Erzeugung von Lebensmitteln gelange wieder mehr in die Hand des Einzelnen.
Die Einnahmen aus den dann drei "Bauerngärten" reichten für den Einstieg in die Selbstständigkeit aus, sagt der momentan in Berlin lebende junge Mann. Er ist ziemlich sicher, dass die Idee Schule macht und das Konzept auch in und um Berlin viele Anhänger findet. Schon werden Kontakte geknüpft, um weitere Standorte zu erschließen, zum Beispiel in der Hauptstadt oder in Neuenhagen/Hoppegarten.
Nun soll jedoch der Ruhlsdorfer Versuch erst einmal zum Laufen gebracht werden. Dazu gibt es morgen eine Informationsveranstaltung in Buckow und eine weitere am 9. April in Strausberg.
Mehr Infos: www.bauerngarten.net; Kontakt: info@bauerngarten.net; Infoveranstaltungen: 25. März, 18 Uhr, Buckow, Altes Warmbad; 9. April, 18 Uhr, Strausberg, Biorestaurant Pferdestall, Prötzeler Chaussee 7