Seit Einführung des 20-Minuten-Taktes der S-Bahn bis nach Strausberg-Nord senken sich im Durchschnitt die Schranken in der Stadt alle zehn Minuten, ob am S-Bahnhof Stadt oder im Wirtschaftsweg. Doch auch auf dem Bahnhof Strausberg, der am 1. Oktober seinen 150. Geburtstag feiert, geht der rot-weiße Balken in kurzer Folge hoch und runter. Genauer gesagt: Zwei kurze Balken. Denn um den neuen Bahnsteig für die Regionalbahn zu erreichen, läuft der Fahrgast eine Rampe hinab und wird dann, sofern sich eine S-Bahn nähert, durch eine rund drei Meter lange Schranke gebremst. Auf der anderen Seite geht er wieder eine Rampe hinauf zum Regionalbahnsteig.
Im sozialen Netzwerk Facebook wurde von Fahrgästen die Neuerung sofort diskutiert. Der bekennende Radfahrer und Radtourenleiter Thomas Deuse von der ADFC-Ortsgruppe Strausberg stieß die Debatte mit einem Foto und der Frage an: "Ein Bauwerk beschäftigt mich. Der neue Bahnübergang in Strausberg-Vorstadt. Neuenhagen hat einen Tunnel, Fredersdorf zwei Lifte. Strausbergs erster Bahnhof, von Berlin kommend, eine Rampe. Wie findet ihr dieses Bauwerk? War es wieder die preiswerteste Variante, ohne Chic und städtisches Flair?"
In der Tat ist das Bild einer solchen Schrankenanlage sehr ungewohnt. Ein User, der sich Bobby Bob nennt, merkt an: "Ich dachte immer, die Bahn vermeidet Fußgängerübergänge." Frank Thiedig schreibt: "Sieht nicht ungefährlich aus." Doch Sabi Horst entgegnet: "Wieso? Es sind Schranken da, und wenn jeder sich dort auch vernünftig bewegt, dürfte es keine Probleme geben. Früher waren an den Gleisen keine Schranken. Da ist man so rüber gegangen." Und später begründet sie ihre Haltung so: "Ich sehe die Dinge positiv: Kein lästiger Fahrstuhl, der kaputt ist. Man muss nicht den Kinderwagen die Treppe rauf oder runter schleppen." Und Norman Völkner weist darauf hin: "Es gibt auf beiden Seiten eine Schranke und Lichtzeichen. Man kann auch durch eine eingefahrene S-Bahn hindurch gehen, da diese ja am gleichen Bahnsteig hält." Die Frage ist, ob sich die Türen auf der anderen Seite ohne Weiteres öffnen lassen. Für Fahrgäste aus Nord, die von Vorstadt in Richtung Kostrzyn fahren wollen, wäre das dann eine Option. Für Benny Dornhauer steht fest: "Ist doch super gelöst. Wozu Tunnel graben, Brücken bauen, Fahrstühle ins Nichts errichten, wenn es nicht nötig ist ..."
Die vorhandene Brücke zu nutzen, war von vornherein keine Option für die Deutsche Bahn. Deren Sprecher Gisbert Gahler antwortete auf eine diesbezügliche MOZ-Nachfrage: "Zudem wäre für einen Zugang zu den Bahnsteigen eine kostenaufwendige Erweiterung der Brücke einschließlich der zwei Aufzüge für die Barrierefreiheit notwendig. Die Schrankenlösung gewährleistet den stufenlosen Zutritt zu den Bahnsteigen. Die Schrankenlösung entspricht dem geltenden Regelwerk und ist daher auch sicher."
In der wohltuend sachlich geführten Facebook-Debatte dominierte schließlich auch die Akzeptanz für die Anlage.