Schon lange setzt sich Andreas Fuchs (CDU) dafür ein, die frühere Güterbahnstrecke der Strausberger Eisenbahn als Radweg zu etablieren. Nicht die bislang üblichen, sondern breiter, dass auch Schnellfahrer zum Zuge kommen können. "Ein Radweg kann nicht immer nur 2,50 Meter sein", sagte er. Abseits der verkehrs-, lärm- und abgasbelasteten Hauptstraßen könnte hier jeweils fünf Meter breite und voneinander getrennte Rad- und Fußgängerbereiche entstehen, dazu ein Grünstreifen. Wenn nicht überall ein 15-Meter-Streifen möglich wäre, breche das Vorhaben nicht zusammen. "Aber auf 7,60 Metern ist es nicht möglich", spielte Fuchs auf den kürzlich diskutierten Bebauungsplan für das Wohngebiet Fließstraße an.
Deshalb hatte der Ortsgruppenchef vom Naturschutzbund Handlungsbedarf gesehen und sich breite Unterstützung für seine Idee geholt. CDU, SPD und Linke präsentierten eine gemeinsame Vorlage, um jetzt Flächen für die Breite von 15 Metern "zu sichern" und Planungen entsprechend anzupassen. Man wolle "perspektivisch denken", erläuterte Bernd Sachse (Linke). Es gehe vorerst darum, dass nichts anderes auf den benötigten Flächen geplant werden solle. "Das kostet erst mal nichts. Wann gebaut wird, bleibt offen."
Vom Agenda-Beirat wurde der Vorstoß positiv bewertet. Er könne den Autoverkehr auf Thälmann- und Berliner Straße reduzieren, sei folglich im Sinne der Fortschreibung der Agenda, so Gerold Fierment aus dem Gremium. Für die Finanzierung brachte er Fördermittel des Bundes für Modelllösungen ins Gespräch.
Steffen Schuster (UfW) befand die "Vision" in Ordnung, denn es sei allgemein bekannt, dass es nicht gerade reichlich Radwege gebe in Strausberg. Er wollte aber nicht Hoffnungen in der Bevölkerung wecken, ehe die "Hausaufgaben" gemacht seien. Ihm fehlten zum Beispiel Kostenangaben und ein Meinungsbild der Flächeneigentümer. Deshalb plädierte er für einen Prüfauftrag an die Verwaltung.
Mit dem hätte sich auch Bürgermeisterin Elke Stadeler anfreunden können. Schließlich rede man über viel Geld, das bislang noch in keiner Haushaltsdiskussion aufgetaucht sei. Die Strausberger Eisenbahn, der fast drei Viertel der Flächen gehören, könne diese nicht günstig abgeben, sondern müsse den bilanzierten Preis verlangen. Und sie würde ungern die Privateigner mit einem Planfeststellungsbeschluss zu etwas drängen, weil sie womöglich über Beiträge zur Finanzierung herangezogen würden. Im Finanzausschuss sprach die Verwaltung allein von knapp 750 000 Euro für den Grunderwerb, eine Zahl, die allerdings von den Befürwortern der Vorlage angezweifelt wurde.
Derartige Zahlen würden nur die Diskussion "verkleistern", befand Ronny Kühn (Linke). Sibylle Bock (SPD) pflichtete ihm bei. Die Trasse dürfe nicht zu Lasten eines Kindergartens oder einer Schule gehen, steht für sie fest. Man müsse sehen, wo Geld herzubekommen sei. Allerdings sei die Idee angesichts des Radwege-Mankos vorausschauend, das Sichern der Flächen richtig.Matthias Michel (Grüne) hält das derzeitige Radwegenetz für "alles andere als optimal". Bisher habe die Stadt vorwiegend Gehwege, die von Radfahrern mit genutzt werden könnten. Gegen Flächensicherung hatte auch Robert Krause (FDP) nichts einzuwenden. Langfristig müsse man sich aber über Geldquellen Gedanken machen.
Andreas Fuchs jedenfalls hofft in der Frage, dass Bund und Land zu ihren Versprechen stehen, den nicht motorisierten Verkehr zu fördern. Die Verwaltung solle entsprechende Möglichkeiten prüfen. "Eigentlich hätte die Vorlage von dort kommen müssen. Sie ist sinnvoll, vernünftig und zukunftszugewandt", sagte er.