Kurt Schornsheim gilt als das lebende Gedächtnis Strausbergs. Es gibt einen Stadtteil Hegermühle und eine Hegermühlenstraße. Wer weiß, wo die Mühle einst stand? Kurt Schornsheim. Ganz am Ende der Hegermühlenstraße im Wiesengrund, dort wo links die Kleingartenanlage liegt, sieht man rechts im Wald noch Mauerreste vom Fundament.
Mit solchen Auskünften, vieles direkt aus dem Gedächtnis repetiert, ist Kurt Schornsheim für die Leiterin des Stadtmuseums, Christa Wunderlich, und für den Geschichtsverein Akanthus ein Schatz. Nicht sein Zeitzeugenwissen allein, auch seine Geschichtskenntnis und die der Kulturgeschichte, dazu seine umfassende Bildung und geistige Rastlosigkeit machen ihn für sie so wertvoll. Kurt Schornsheim spielt nicht nur leidenschaftlich Klavier, er ist auch in der Kirchenmusik wie in der Militärmusik zu Hause. Er spricht Latein, Englisch und Französisch. Schon deshalb tragen einige stadtgeschichtliche und aktuelle regionale Publikationen seine Handschrift. Für den Bildband von Andreas Prinz und Falko Micklich über Strausberg verfasste er die französischen Texte, ebenso für den Band über die 775-Jahr-Feier. Und als Rudolf Patzer das englische Buch „Erinnerungen an Prötzel, Wulkow und die Flucht 1934–1948. Eine Tochter der Familie Eckardstein erinnert sich“ herausbrachte, half Kurt Schornsheim übersetzen.
Kurt Schornsheim hat auch selbst mehrere regionalgeschichtliche Schriften verfasst. So steuerte er zur Reihe über die Garnisonstadtgeschichte Strausberg den Band „Die Füsiliere der Sechziger in Strausberg 1860–1868“ bei.  Auch wirkte er an der Reihe zur Geschichte der Strausberger Arbeiterbewegung mit. Er kann über die Geschichte des Strausberger Flugplatzes berichten und bekommt leuchtende Augen, wenn er sich an den ersten Zeppelin in Strausberg erinnert. Er entziffert historische Dokumente, weil keine noch so alte Fraktur oder Sütterlin-Handschrift ihm fremd sind.
Kurt Schornsheim ist aber nicht nur Chronist der Strausberger Stadtgeschichte. Mitunter hat er selbst eingegriffen. Mit seiner Frau Christa empörte er sich 1989 über den offensichtlichen Wahlbetrug und saß konsequenterweise am ersten Runden Tisch der Stadt, und fand sich schließlich in der Stadtverordnetenversammlung der 1990er-Jahre wieder. Mitunter erhob er mahnend seine Stimme. Er ist sowohl Gedächtnis der Stadt als auch  ein bisschen deren Gewissen. Auch wenn er ganz unpathetisch regelmäßig mit dem Fahrrad durch die Straßen fährt.  (js)