Als Anfang eines regelmäßigen Dialogs mit den Gemeindevertretern will Gerhard Schöningh dieses Treffen verstanden wissen. Es gäbe keine fertigen Pläne, aber viele Ideen. Die Balance zu finden zwischen den wirtschaftlichen Interessen der Rennbahn und denen der Gemeinde, das solle Ziel sein, betonte auch Geschäftsführer Peter Hoeck-Domig. Die Rennbahn, die 2018 ihr 150. Jubiläum feiert, muss auf wirtschaftlich gesunde Füße gestellt werden, um fit zu sein für die kommenden zehn, 15 Jahre.
Einiges sei bereits seit 2008, als Schöningh die Rennbahn kaufte, erreicht worden. So gebe es statt der sieben nun elf Renntage, haben sich die Rennpreise von 400 000 auf 1,2 Millionen Euro erhöht. Gibt es statt einem - am Tag der Deutschen Einheit - vier international und sieben national bedeutsame Rennen und Preise. "Hoppegarten stand 2008 auf Platz acht in Deutschland. Wir haben erheblich Boden gut gemacht und sind jetzt die Nummer drei", sagte Schöningh.
Als der Enthusiast das Areal übernahm, hat er erst einmal 1,4 Millionen Euro investiert - u. a. in Toiletten und Haustechnik. "Wir hatten einen riesigen Investitionsstau", erinnert sich der Eigentümer. Ein Meilenstein war die Aufnahme der einzigartigen Galopprennbahn in das Förderprogramm der Denkmale mit nationaler Bedeutung. Seit 2013 wurden 3,3 Millionen Euro investiert, ein Drittel davon kommt aus Schöninghs Privat-Portmonee. Saniert wurden Zielrichterturm, Musikpavillon, die Tribüne II, die in einem extrem schlechten Zustand gewesen sei. An der Tribüne III wird derzeit gebaut. Um den denkmalgeschützten Bestand zu sanieren und zu erhalten, braucht Schöningh acht Millionen Euro, rechnete er vor. Er wolle weitere Fördermittel beantragen. Ob er die bekomme, sei offen. Er erinnerte auch daran, dass allein die Gebäudehülle förderfähig sei, alles im Inneren nicht.
Drei Ziele benannte Schöningh: Erstens: Wirtschaftliche Unabhängigkeit der Rennbahn - durch Optimierung der Renntage, Belegung der Trainingszentrale, Mieteinnahmen und Gast-Veranstaltungen. Zweitens: Erhalt der historischen Substanz und schließlich drittens: neue Nutzungskonzepte für Gebäudeteile und Areale. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, seien Gast-Veranstaltungen wie das Mittelalterspektakel oder der Schlagerhammer notwendig. "Ohne weitere Einnahmequellen können wir die Rennbahn nicht betreiben und instand halten. Allein die Unterhaltung der Gebäude verschlingt jährlich eine halbe Million Euro. Da hat noch kein Renntag stattgefunden", erklärte er.
Mehreinnahmen erhofft er sich bei der Nutzung der Trainierbahn . Da gäbe es ein großes, ausbaubares Potenzial. Er wolle die Mieteinnahmen steigern und suche deshalb dauerhafte Mieter. Dafür stünden zum Beispiel die riesigen Hallen unterhalb der Tribüne mit ihren bis zu sechs Meter hohen Räumen zur Verfügung. Möglich wären aber auch gastronomische Einrichtungen und Beherbergungsstätten.
Der Eigentümer möchte aber auch abreißen. Nämlich genau da, wo Gebäude nicht unter Denkmalschutz stehen, aber Firmen Interesse hätten, sich anzusiedeln. Als Beispiel nannte er den Betriebshof in der Nähe von Tribüne III.
Bei Gast-Veranstaltungen sei man seit vielen Jahren mit Agenturen im Gespräch. "Wir erwarten von solchen Veranstaltungen einen wesentlichen Beitrag für Investitionen auf der Rennbahn. Allein mit elf Renntagen geht das nicht", machte Schöningh sehr deutlich. Wenn es Veranstaltungen gibt, dann sollen die zur Rennbahn passen: "Lollapallooza war so eine Veranstaltung - hochwertig, familienfreundlich und nachhaltig." Schöningh räumte ein, dass es einige Probleme gab, aus denen alle aber gelernt hätten.
Er und seine Mitarbeiter haben sich zusammengesetzt und erste Ideen zusammengetragen, was auf dem Gelände möglich wäre. Und er benannte gleichzeitig die Probleme, die damit verbunden sind. Kommendes Jahr soll es Wochenenden mit zwei Renntagen geben. Dafür braucht es 130 Pferdeboxen. Die gibt es. Doch sie sind überall auf dem Gelände verteilt. "Unser Problem ist, dass sie dezentral gelegen und schlecht kontrollierbar sind. Letzteres ist aber sehr wichtig bei den teuren Rennpferden. Die müssen 24 Stunden bewacht werden", sagte Schöningh. Sinnvoll wäre, die Ställe in die Nähe des Führrings zu bringen. Der alte Gestütshof an der Goetheallee wäre so eine Variante. "Oder aber wir nutzen den Charme des Hofes und seine zentrale Lage, um dort Handwerk und Gewerbe, Gastronomen, Blumen-, Wein- und Fahrradhändler anzusiedeln. Auch ein Café wäre möglich oder eine Ergänzung zum nahe gelegenen Ärztehaus, ein Pflegezentrum etwa", zählte Schöningh auf. Linker Hand des Haupteingangs könnte sich Schöningh vorstellen, dass dort eine Gastronomie entsteht, die von Renntagen unabhängig arbeitet.
Die Gastboxen könnten natürlich auch in der Kompaktstallanlage ihren Platz finden. Da könnte auch zu günstigen Konditionen an Jungtrainer vermietet werden. "Oder wir entwickeln die Fläche zu einer gemischten Bebauung. Etwa auch mit einem Hotel, um Firmengäste unterzubringen. Hotels sind hier Mangelware. Auch Seniorenwohnen, Wohnen mit Pferd oder Ähnliches - alles ist denkbar", so Schöningh weiter. Völlig offen ist, was aus dem Maschinenhaus samt Dampfmaschine von 1890 wird. Eine Wohnbebauung wäre auf dem Dreieck östlich der Galopprennbahn denkbar.
"Mein Ziel ist es nicht, Bauland zu parzellieren. Mein Ziel ist, die Zukunft der Rennbahn zu sichern und eine gute Nutzung zu finden. Denn ich kann und möchte dies nicht aus eigener Tasche tun. Ich brauche dauerhafte Mieteinnahmen", betonte Schöningh. In bescheidenem Maße wolle er Flächen verkaufen, die nicht betriebsnotwendig seien. Er widersprach vehement Gerüchten, dass er erreichen will, dass das Areal aus naturschutzrechtlicher Obhut entlassen werden soll und das Innenoval bebaut werden kann. Sein Ziel sei, dass gemeinsam mit der Gemeinde ein Bebauungsplan erarbeitet wird, um jede einzelne Fläche entwickeln zu können. Angela Schnabel von der Verwaltung bestätigte, dass ein Bebauungsplan die mögliche Nutzung festlege.
Kay Juschka fragte nach, welches juristische Element es gebe, den Bebauungsplan an die Rennbahn/den Eigentümer zu binden. Er befürchtet, dass nach Aufstellung des Bebauungsplanes Teile verkauft und von anderen Investoren dann entwickelt werden, entgegengesetzt dem, was mit Schöningh besprochen werde.
Schöningh dazu: "Ich bin seit zehn Jahren dabei, mit einem hohen privaten finanziellen und nervlichen Aufwand. Von mir wird erwartet, dass ich das Erbe hochhalte. Messlatten werden immer ein bisschen höher angesetzt als bei anderen. Ich habe es nicht nötig, die Region zehn Jahre an der Nase herumzuführen." Peter Hoeck-Domig mahnte, den angestrebten Bebauungsplan nicht als Problem, sondern als Chance zu begreifen. Jetzt sei man an dem Punkt, gemeinsam zu gestalten und zu entwickeln.