"Wenn ich einen Wunsch frei hätte?", denkt Ingrid Achsel laut nach. "Ja, dann wünsche ich mir, dass der Druck in mir bleibt. Dass ich nicht nachlasse und jedes Bild noch intensiver hinbekomme", sagt die Wahl-Waldesruherin. Dort lebt sie seit fünf Jahren mit ihrem Mann.
Schon immer, erzählt die 64-Jährige, hat sie mit ihren Händen gearbeitet, war kreativ tätig, hatte und hat guten Kontakt zu renommierten Künstlern wie Gisela Grade, einer freischaffenden Grafikerin und Textilgestalterin. Bei Maria Reder an der Malschule hat sie gelernt. Aber auch dem ukrainischen Maler Dimar, der ihr die Acrylmalerei nahebrachte und zeigte, wie verschieden Schatten sein kann, wie wichtig es ist, das Licht einzufangen, über die Schulter geschaut.
Als junge Frau wollte sie an der Kunst-Hochschule in Dresden studieren. Da hatte sie, neben ihrer Ausbildung zur Zahntechnikerin, abends in der Volkshochschule gerade das Abi nachgeholt, als der Ur-Fürstenwalderin klar wurde: "Ich will nicht weg aus Berlin." Es folgten zwei Semester Pädagogik-Studium und die Feststellung, dass dies nicht ihr Ding sei. "Deshalb bin ich in meinen erlernten Beruf zurück", erzählt die Frau, die heute zwischen ihrem Atelier in Waldesruh und der spanischen Finca pendelt. Und diese Arbeit als Zahntechnikerin ist kreativ, weiß sie am besten. Die Wendezeit brachte die Erkenntnis, sich selbstständig zu machen. Nachteil: "Mir blieb keine Zeit mehr für das Malen."
Doch dann, eines Tages, im Urlaub vor wenigen Jahren, packte sie wieder dieses Kribbeln, diese Lust, auf Papier zu bringen, was sie sah. Glücklicherweise möchte man ausrufen, denn das, was Ingrid Achsel derzeit ausstellt - es ist nur ein winziger Ausschnitt dessen, was sie bisher geschaffen hat -, ist so facettenreich, zieht in den Bann, dass es pure Freude ist, diese Bilder zu betrachten, zu entdecken.
Sanfte Hügel, wildes Meer, eine bizarre Wolke am Himmel sind zu sehen. Aber auch eine Hommage an ihr Fürstenwalde, wo sie aufwuchs als Tochter der Drogerie-Inhaber Kettner.
Für dieses, für ihr Fürstenwalde-Bild, hat sie die Acryllasurmalerei genutzt. Schicht für Schicht entsteht ein Bild, verändert sich, zeigt auf einmal den Schatten eines Mädchens - "das bin wohl ich als kleines Kind". Der Dom ist zu sehen, aber auch ein Rauener Stein, der Bullenturm, und die Katzentreppe hat sie einfach kombiniert. "Dieses Bild hat an die 80 Farbschichten. Und ich gebe es nur an einen Fürstenwalder weiter, der diese Arbeit, der Fürstenwalde so schätzen kann wie ich", sagt sie.
Ebenso faszinierend sind ihre Bilder wie das, von Paris. Oder Manhattan, das aussieht, wie durch ein Fischauge betrachtet. Ihr Venedig-Bild erinnert an die ganz großen alten Meister. Ganz anders sind die Stillleben wie das mit den Zitronen. Bei Flamencita, einer Flamenco-Tänzerin, glaubt man, das Kleid lodere wie Feuer. Stiere sind zu sehen - solche Bilder entstehen in Spanien. "Manchmal muss ich mich zwingen, andere Farben als blau und rot zu nutzen", gesteht Ingrid Achsel eine kleine Schwäche. Dann entstehen zarte Aquarelle vom Erpetal oder aber auch auf dünnem Seidenpapier mit Feder und Sepia gemalte Weiden.
Bis 30. April, wochentags von 8 bis 13 Uhr, sind ihre Bilder zu sehen und können auch gekauft werden im Altlandsberger Haus der Generationen, Berliner Allee 18.