Viele kennen den Unternehmer aus Hennickendorf nur unter seinem Spitznamen Bruno. "Das ist eine eigenwillige Geschichte", erzählt der heute 44-Jährige mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht. "Ich sollte tatsächlich Bruno heißen, aber meine Mutter hat damals in der Aufregung der Geburt den Namen Steffen gewählt." Aber das nur am Rande.
Eine große Sportkarriere hat Steffen Hinze nicht hinter sich und trotzdem, sportlich aktiv war er immer. "Ein wenig Tischtennis und Laufen, das war mir schon wichtig." Und er gehört seit vielen Jahren zu einem Stamm von Aktiven, der bei den heimischen Stienitzsee-Open an den Start geht. Und wie das manchmal so ist, aus einer Wette heraus wurde die Idee geboren, den Strausberg-Marathon zu laufen.
"Wenn ich etwas mache, dann richtig oder gar nicht", sagt er heute und schildert die ersten Wochen seines Projekts. "Die waren besonders hart. Ich habe mein Leben komplett umgestellt und schließlich auch 13 Kilogramm abgenommen." Dazu gehörten umfangreiche Ernährungspläne, Aufbauprogramme und ein Buch von Herbert Steffny (Lauffibel).
Hinze berichtet, dass ein großer Moment der Zeitpunkt war, als sich auch sein Körper auf den Sport eingestellt hatte. Musste man anfänglich aufpassen, dass man es mit der Belastung (Puls) nicht übertreibt, kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem der Körper regelrecht danach ruft, mehr zu machen. Auch die benötigten Erholungsphasen wurden kürzer. "Früher, nach einem Lauf von knapp zehn Kilometern, hätte ich auch den Tag beendet. Heute kann ich locker noch ein paar Stunden Gartenarbeit ranschieben. Aber, einen Marathon bekommt man eben nicht geschenkt."
Schwer war es aber auch für seine Familie. Seine Frau Melitta und Sohn Willy mussten Rücksicht nehmen, denn es gab mehrere mentale Höhen, aber auch Tiefen. "Mehr will ich dazu auch gar nicht sagen und mich lieber bei ihnen für ihr Verständnis bedanken." In den vergangenen Wochen kam noch dazu, dass Hinze seinen Tagesablauf umstellte. "Jeden Tag früh um vier aufstehen und ab zum Training. Das muss sein, denn der Marathon am Sonntag beginnt schon um acht Uhr." Schließlich muss auch sein Unternehmen weiter-geführt werden
"Akribische Vorbereitung, ich denke, das muss sein. Ich habe einige Zeit als Mechaniker bei einem Rallyeteam gearbeitet. Motorsport und präzise Vorbereitung gehören ganz eng zusammen. Ich habe mir das bis heute zur Lebensphilosophie gemacht. Gute Vorbereitung ist Grundlage für den Erfolg und das gilt auch für dieses Vorhaben." Hinze spricht davon, dass er lange nach perfekter Kleidung gesucht hat - "vier Paar Schuhe habe ich getestet". Er will sich auch selbst mit Getränken und Energieriegeln beim Lauf versorgen. "Ich habe zwar drei Kilo Gepäck auf dem Rücken, aber ich will mich da auf nichts verlassen." Ausprobiert hat er auch das.
Trotzdem bleibt bis zum Sonntag eine gewisse Unruhe. "Ein echter Knackpunkt beim Lauf wird sich so bei Kilometer 30 ergeben", sagt er und erläutert auch, dass er einen kompletten Marathon noch nicht gelaufen ist. "Hoffentlich fehlt mir am Ende nicht die Erfahrung."
Sein Ziel ist es, die Strecke in einer Zeit von etwa drei Stunden und 30 Minuten zu bewältigen. "Es ist machbar", sagt er optimistisch.
Etwas irritiert hat ihn der Blick in die Anmeldungsunterlagen. "Da steht doch tatsächlich, dass es aufgrund der Verkehrssituationen an Ampelkreuzungen in Berlin zu kurzzeitigen Stopps kommen kann."
Und was ist mit der Wette? "Das hat sich in der Zwischen- zeit erledigt. Mein Wettpartner hat hingeschmissen. Ich bin ihm da auch gar nicht böse und werde alles trotzdem auch ohne Wetteinsatz verwirklichen." Hinze ist ziemlich sicher, dass er sich einen solchen Gewaltakt nicht noch einmal antun wird. "Denn eigentlich habe ich auch mit den Knien gesundheitliche Probleme", und erzählt von Schwierigkeiten mit dem Meniskus.
Aber es wird alles gut gehen. Er darf nicht vergessen, seinen rechten Strumpf zuerst anzuziehen. "Das ist eine Marotte von mir.Ein bisschen Aberglaube gehört nun mal mit dazu."
Start am Sonntag ist um 8 Uhr.