Das "echt" betont Bürgermeister Reiner Donath gleich mehrfach: Zwei "echte" Bürgerwindanlagen wurden im bestehenden Windfeld eingeweiht, und echt sind sie, weil sie zu hundert Prozent der Betreibergesellschaft gehören, die zu hundert Prozent Tochter der Genossenschaft Rehfelde-EigenEnergie ist. "Heute können wir stolz sein, die größte Investition eines Rehfelder Betriebes im Jahr 2017 geleistet zu haben", sagt Donath. Nicht so ganz echt ist die Inbetriebnahme, denn die war schon zwei Monate vorher, im Juli. Und die beiden 2,4-Megawatt-Windkraftanlagen haben in dieser Zeit schon 1,9 Millionen Kilowattstunden in das öffentliche Stromnetz eingespeist.
Reiner Donath ordnet den Tag der offiziellen Inbetriebnahme historisch ein: "Dieser heutige Tag, der 15. September 2017, wird in unsere Geschichte, die der Gemeinde und die der Genossenschaft, eingehen. Und Sie haben das Glück, dabei gewesen zu sein", ruft er den rund 100 Menschen zu, die sich auf den beschwerlichen, weil unbefestigten und kilometerlangen Weg zu den beiden riesigen Windrädern gemacht haben. Das "Gastgebende" steht still, weil es heute befahren wird. Das heißt, unter den angemeldeten Gästen des Festes werden drei Auffahrten verlost. Dazu geht es im Inneren mächtig in die Höhe. Die Masten der Nordex-Anlagen sind 140 Meter hoch. In dieser Höhe tragen sie die Nabe, auf der die Rotoren mit einem Durchmesser von 117 Metern befestigt sind. Steht ein Rotorblatt senkrecht in die Höhe, bringt es die Anlage auf 199 Meter.
Reiner Donath dankte dem Vorstand der REE, insonderheit dem Vorsitzenden Bernd Bechly sowie Helmut Grützbach und Dietrich von der Türk-Koblig. Vorsitzender Bechly erinnert an die Anfänge: Die ersten Dokumente datierten von 2011, 2012 wurde die Genossenschaft gegründet. Jeden zweiten Freitag trifft sich der Arbeitskreis Erneuerbare Energie. "Ich habe mal zusammengerechnet: Wir haben rund 4000 Stunden zusammengesessen - sehr zur Freude unserer Frauen", scherzt Bechly und zieht den Kopf ein, weil seine Frau hinter ihm im Festzelt sitzt.
Heinz Kuflewski vom Aufsichtsrat erzählt am Rande, dass die erste Aktion des Arbeitskreises, der sich aus der Bürgerinitiative gegen die geplante CO2-Verpressung gebildet hatte, die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Grundschule war. "Da hat die Gemeinde umweltfreundlichen Strom, der einen Teil des Bedarfs der Schule deckte, und die Einnahmen aus der Vermietung, da haben die gemerkt, das rechnet sich." Das nächste Projekt waren die beiden Windräder, die, wie Bernd Bechly betont, im Windfeld 26 auf der von Zinndorf abgewandten Seite stehen und deshalb der Optik keinen großen Abbruch tun.
Unauffällig unters Publikum gemischt hatte sich auch der Geschäftsführer der Stadtwerke Strausberg, Andreas Gagel. Mit ihm suchen die Genossenschafter noch einen beiderseits vorteilhaften Weg, um den Rehfelder Bürger-Windstrom als regionale Marke greifbar zu vermarkten. Derzeit fließt die Energie ins große Netz und wird an der Leipziger Strombörse gehandelt. Das ist den Lokalpatrioten von der REE aber zu anonym.