Wer von den vielen Zugezogenen weiß wohl, dass es in Rehfelde vor der politischen Wende große Betriebe zur Kraftfahrzeuginstandsetzung, den Kreisbetrieb für Landtechnik, ein Pellet- und ein Trockenwerk, eine große LPG gab? Gegenwärtig zählt der Ort zwar 322 Gewerbetriebe und Freiberufler, doch diese sind klein und meist familiengeführt. Eigentlich zu wenig für den an Bevölkerung wachsenden Ort mit einer Kaufkraft je Bürger, die Berliner Niveau entspricht.
Statistisch gesehen liegt Rehfelde mit 160 Arbeitsplätzen je 1000 Einwohner (Bewertung durch den Landkreis) damit unter dem Durchschnitt der Gemeinden des ländlichen Raums, der bei 312 steht. Während die Zahl der in Rehfelde wohnenden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zwischen 2000 und 2013 um 30 Prozent zunahm, verringerten sich im Vergleich dazu deren Arbeitsplätze im Ort. Einpendler wurden weniger, Auspendler mehr.
Das und viele andere Fakten enthält das Papier, das die Gemeindevertreter am Dienstag zu ihrer Sitzung einmütig als Handlungsgrundlage für die kommunalen Gremien und die Verwaltung beschlossen haben. Von der Arbeitsgruppe Gewerbe des Finanzausschusses und maßgeblich durch die Gemeindevertreter Gerhard Schwarz (Linke) und Rudolf Heller (FÜR Rehfelde, Werder, Zinndorf) erarbeitet, analysiert es nicht nur Struktur und Verteilung der Flächen im Territorium, die Produktions-, Wettbewerbs- und Standortfaktoren Rehfeldes. Es zeigt vor allem Wege auf, wie auf lange Sicht die gegenwärtige Situation verändert werden soll.
Dazu wurden die anhängenden 14 Schlussfolgerungen als "verbindlich" eingestuft. Ganz oben rangiert das Schaffen von Arbeits- und Ausbildungsplätzen sowie günstigste Bedingungen für Gewerbeerweiterungen bzw. Neuansiedlungen. Dazu sollten u. a. in der Amtsverwaltung eine kompetente Person eine Steuerungsfunktion einnehmen und ein Gewerbeflächen-Monitoring angesiedelt werden.
Um fairen Wettbewerb zu ermöglichen, möchte man als Kommune verlässliche Bedingungen für Gewerbetreibende schaffen, zu denen nicht zuletzt verträgliche Gewerbesteuerhebesätze sowie -mieten und -pachten auf gemeindeeigenen Flächen/in Immobilien gehören. Die Schlussfolgerungen reichen bis zur erneuten Installierung der Sekundarstufe I in der Schule als wichtigem Ausgangsfaktor undVereinbarungen mit Investoren zum Ausbau des Bereichs Seniorenbetreuung und Altenpflege.
Als "sehr reifes Material" schätzte Bürgermeister Reiner Donath das Konzept ein, das vom Hauptausschuss einstimmig zum Beschluss empfohlen worden war. Er hoffe, dass das Landratsamt in geeigneter Weise die Kommune bei der Umsetzung unterstützen werde, sagte er an Jörg Schleinitz vom Wirtschaftsamt des Kreises gewandt, der unter den Gästen saß. Auch Heidrun Mora (BGR) nannte das Papier "zukunftweisend" und dankte für die fleißige Arbeit.
Für die Mitarbeit an dem Gewerbeentwicklungskonzept dankte Rudolf Heller nochmals allen und beschloss die kurze Diskussion mit den Worten: "Das Konzept ist ein Arbeitsauftrag an uns alle."