So, wie Corinna Fritzsche-Schnick (CDU) es im zeitweiligen Ausschuss erzählt, war es offensichtlich gar nicht so schwierig, viele der Ideen, die es seit Jahren für die Entwicklung der Eisenbahnstraße gibt, in einem neuen Entwurf unter einen Hut zu bekommen. Demnach hatten sich nach der letzten 2015er-Gemeindevertretersitzung Gabriele Zink-Ehlert (Grüne/B 90), Marianne Hitzges (SPD), Ilka Goetz (Linke/Gemeindevertretervorsteherin/Ausschussvorsitzende) und Corinna Fritzsche-Schnick (CDU) sowie Janina Meyer-Klepsch vom Baufachbereich der Gemeindeverwaltung an einem Tisch zusammengefunden und "die bisherigen Vorschläge übereinander gelegt".
Dabei stellte die interfraktionelle Frauenrunde fest, dass in den bisherigen Vorschlägen bereits viele Gemeinsamkeiten enthalten waren, von der gewünschten Kleinteiligkeit bis zur Drogerie als Anziehungspunkt und sogenannter Anker - wenn das Verkehrsproblem gelöst werden könnte. Sie erkannten, dass vieles sehr viel besser unter einen Hut zu bekommen wäre, wenn man auf das alte Eisenbahnerhaus verzichten und einen Gebäudekomplex in L-Form errichten würde. Einen ähnlichen Vorschlag hatte es schon gegeben. Eine aus dem Gespräch heraus entstandene Skizze war nun Grundlage der Diskussion im zeitweiligen Ausschuss. Die Rahmenplanzahlen von Geschossfläche bis Stellplatzanzahl entsprächen den Vorgaben, erläuterte Corinna Fritzsche-Schnick. Ilka Goetz erklärte, wie man sich die Verkehrsbeziehungen vorstellen könnte.
Nämlich als Ausfahrt zwischen dem neuen Gebäude und der S-Bahnlinie nur für Rechtsabbieger. Die Eisenbahnstraße selbst könnte dann zwischen Hauptstraße und Wolterstraße zur Fußgängerzone ausgebaut werden. Zudem entstünde ein größerer - auch stark nachgefragter - Marktplatz mit Möglichkeiten für die kleinen Geschäfte, für Dönerladen oder Imbiss, die Tische und Stühle nach draußen stellen könnten.
Und auch an die nostalgischen Gefühle der Neuenhagener in Bezug auf die Eisenbahnerhaus-Optik hatte man eine Lösung parat. "Das Erscheinungsbild könnte man in der Fassadengestaltung zur Hauptstraße hin wieder aufleben lassen", hieß es. "Echt clever", nannte Fachfrau Janina Meyer-Klepsch den neuen Vorschlag. Auch, dass man den Drogeriemarkt "unauffällig" im Gebäude verstecken wolle, sei eine gute Lösung für den städtebaulichen Anspruch, sagte sie. In der Verwaltung sei man den gleichen Weg gegangen, indem man die vorhandenen Entwürfe verglichen und auf Gemeinsamkeiten hin geprüft hatte.
Holst City Projekte - mit der man beim Bau des Rewe-Marktes in der Ernst-Thälmann-Straße und auch bei der inzwischen geplanten Erweiterung gute Erfahrungen in der Zusammenarbeit gemacht hatte - war als letzter von drei möglichen Investoren für dieses Areal übrig geblieben. Holst war bereit, die Skizze weiter zu überarbeiten. Der Vertreter erklärte, dass ihm eine "verbindliche Anmietvereinbarung über 630 Quadratmeter und Nebenflächen von Rossmann" vorliege. Eine weitere gastronomische Einrichtung würde den Platz ebenfalls beleben.
"Bauchschmerzen" meldete hingegen Sven Kindervater (Linke) an. Ihm ging es zum einen darum, dass Holst damit die Mehrheit der Läden im Neuenhagener Zentrum hätte. Zum anderen bezweifelte er, dass es auch für Anwohner genügend Parkplätze gebe. Kindervater monierte zudem die Gebäudelänge von über 90 Metern parallel zur S-Bahn.
Diese Kritik untersetzte Dagmar Schultz (Die Parteilosen) auf mitgebrachten Plänen, auf denen sie zum Beispiel auch die Versiegelung eingetragen hatte, die nach ihren Berechnungen 92 Prozent betragen würde. Sie erinnerte an ihren Entwurf als Planerin, der "nur ein Drittel der Fläche - 3150 Quadratmeter gegenüber der nun vorgestellten 4220 Quadratmeter - vorsah". Sie sei nach wie vor dafür, den Drogeriemarkt im Rosa-Luxemburg-Damm anzusiedeln, wofür es inzwischen auch eine genehmigte Zufahrt geben würde.
Janina Meyer-Klepsch verwies darauf, dass man die Stellplatzsatzung natürlich einhalten würde - je 90 Quadratmeter Wohnfläche ein Parkplatz. 43 Stellplätze, einschließlich für Kunden, seien daher ausreichend. Man sei auch auf der sicheren Seite bei den Planänderungen und Erarbeitungen.
Mehrheitlich erteilte der Ausschuss dem Vorschlag seine Zustimmung, der wird nun weiter diskutiert werden.