Der Bürgerverein Strausberger Altstadt hat den geplanten Neubau für den Entsorgungsbetrieb Märkisch-Oderland (EMO) in der Klosterstraße neben der Außenstelle des Landratsamtes kritisiert. Das Vorhaben widerspreche dem Rahmenplan der Altstadt und der Sanierungssatzung, moniert der Verein.
Er setzt sich stattdessen für Wohnbebauung im Stadtzentrum ein und sehe sich darin mit der lokalen Agenda einig. Zudem wird die Frage aufgeworfen, ob alternative Standorte wie das Gewerbegebiet Nord, Liegenschaften des Bundes im Mühlenweg oder zur Disposition stehende Objekte der Bundeswehr geeignet sind. Nicht zuletzt wird nach der Finanzierung gefragt - ob Müllgebühren oder die Kreisumlage erhöht werden. Andere vermuteten gar, dass künftig Müllfahrzeuge von der Klosterstraße aus auf Tour gehen.
EMO-Chefin Angela Friesse verweist darauf, dass es sich beim EMO um eine Behörde handele, den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger. "Im Entsorgungsbetrieb arbeiten ausschließlich Verwaltungsangestellte des Landkreises MOL, wie im Jugend- oder Bauordnungsamt", sagt Angela Friesse. Müllfahrzeuge hingegen werden dort nicht stationiert: "Sie verbleiben, wie jetzt auch, bei den beauftragten Unternehmen."
Am Standort in der Klosterstraße solle eine Behörden- bzw. Verwaltungskonzentration stattfinden. Schließlich liege der "Abfall- und Bevölkerungsschwerpunkt" von Märkisch-Oderland in Strausberg und westlich davon. Publikumsverkehr bringe auch eine Belebung für Strausberg.
Was die Kosten angeht, versicherte die Werkleiterin, dass der Entscheidung eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung vorangestellt war. Derzeit sei der EMO in angemieteten Räumen ansässig und zahle Miete. Langfristig in ein kreiseigenes Objekt zu investieren, sei wirtschaftlicher. Die Kreisumlage, die mit den Abfallgebühren nichts zu tun habe, werde "auf keinen Fall deswegen" erhöht. Eine Abfallgebührenerhöhung infolge des Neubaus schloss sie ebenfalls aus.
Bei der Planung habe der EMO mit dem Architekten versucht, die Aspekte der Altstadtsanierung zu berücksichtigen. Es werde zum einen nicht die gesamte Lücke zugebaut und zum anderen der Baukörper in zwei Teile gegliedert, die den Größen benachbarter Häuser nahe kommen. Durch die verzerrte Perspektive bei der in der MOZ veröffentlichten Montage habe der Komplex größer gewirkt als vorgesehen, bestätigte Architekt Thorsten Schubert. Mit dem Neubau würden zudem Parkflächen für Mitarbeiter und Besucher entstehen, das bisherige ungeordnete Bild verschwinden, ergänzte die EMO-Chefin.
Auch Uwe Schieferdecker vom Sanierungsträger Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft beurteilt das Vorhaben positiv. Es passe sich gut in die Umgebung ein, der Verwaltungsstandort werde aufgewertet. Dass an der Stelle ein Wohnbaustandort vergeben werde, bezweifelt er: Nicht umsonst sei dort bislang nichts passiert, obwohl Planungen vorgelegen hätten. Lange Zeit wollte der Bauträger NCC dort Häuser entstehen lassen.