Geladen war die Stimmung am späten Mittwochabend im Kultur- und Sozialausschuss. Der Verwaltung wurde gar Possenspiel vorgeworfen. Der Hintergrund: Im Hochsommer gab es eine erste Lesung zur Schulentwicklungskonzeption. Wenig später, so Marianne Hitzges (SPD), wurde die fraktionsübergreifende Idee geboren, die Verwaltung zu beauftragen, für die Fallada-Grundschule einen neuen Standort zu finden, an dem sie zweizügig ausgebaut werden kann.
"Wir haben auf Bitten der Verwaltung extra nicht das Reichelt-Dreieck in den Antrag geschrieben und ihn allgemein gehalten", sagte sie. Und fühlte sich gemeinsam mit Corinna Fritsche-Schnick (CDU) veralbert. Denn klar sei, dass einzig das Reichelt-Dreieck der beste Standort dafür ist. Dieses Areal befindet sich an der Lindenstraße neben einem Discounter und einem Getränkemarkt und heißt deshalb so, weil dort mal Reichelt angesiedelt war. "Wir sollten den konkreten Platz nicht benennen, um die Landpreise nicht in die Höhe zu treiben", betonte Marianne Hitzges. Empört war sie vor allem darüber, dass die Verwaltung - Bürgermeister Jürgen Henze zog später die vorliegende Schulkonzeption mit dem Hinweis, es sei nur eine zweite Lesung und sie müsse weiter überarbeitet werden, zurück - das Reichelt-Dreieck nun ausschließt und stattdessen auf die Vorhaltefläche am Gruscheweg reflektiert.
Georg Stockburger (Grüne/B 90) zitierte mehrfach den Bürgermeister, der zum Arche-Geburtstag betont hatte, dass die Schule (die heutige Arche) damals genau da gebaut worden sei, wo sie gebraucht wurde, nämlich mitten im Ort. Ebenso war es mit der Goethe-Schule, die mitten in die damalige Siedlungserweiterung zur Ostbahn gestellt wurde.
"Und deshalb muss die neue Fallada-Grundschule eben nicht irgendwohin, sondern nach Neuenhagen-Nord. Da, wo die Kinder sind. Am besten ist das Reichelt-Dreieck geeignet", argumentierte er. Steffen Napieraj (WG Die Parteilosen) brachte sich damit ein, doch zu empfehlen, die neue Fallada-Schule gleich dreizügig zu bauen, dann bräuchte die Goethe-Grundschule keinen Anbau. "Der Gruscheweg ist 3,2 bis 2,9 Kilometer weg, das ist nicht zumutbar. Wir sind für kurze Wege für kurze Beine", argumentierte Corinna Fritsche-Schnick.
Als lächerlich empfand diese Aussage Ute Schönthal (Linke). Die ehemalige Schulleiterin der Fallada-Grundschule lud alle ein, sich morgens ein Bild über angeblich zur Schule laufende Kinder zu machen. "Drei Viertel aller Schüler werden mit dem Auto gebracht", sagte sie. Außerdem können man über einen Schülertransport in der Gemeinde nachdenken.
Fraktionskollege Sven Kindervater argumentierte ganz deutlich für den Gruscheweg. "Wir haben kein Finanzkonzept, keine Bauidee, das Areal gehört uns noch nicht einmal", sagte er. Und, es werde wohl auch hier der Fall sein, dass sich Bürger zu Wort melden und nicht alle froh sind, wenn mitten in ein vorhandenes Wohngebiet eine Schule gebaut wird. Besser wäre der Gruscheweg.
Das vorgesehene Areal gehöre der Gemeinde und könne bebaut werden, was auch ein Argument der Verwaltung ist. "Wenn jemand dort hinzieht und ein Problem hat, war die Schule eher da", sagt er.
Später platzte ihm der Kragen. Er konnte nicht mehr an sich halten, als Georg Stockburger ankündigte, zur Gemeindevertretersitzung am 13. Oktober einen Antrag einzureichen. Dieser soll beinhalten, dass die Gemeinde einen Bebauungsplan für das Reichelt-Dreieck erarbeitet. Das Gelände soll auf diese Weise Gemeindebedarfsfläche werden.
Das Problematische daran ist, dass die Gemeinde Neuenhagen wohl an die zehn Jahre die Möglichkeit hatte, dieses Gelände zu kaufen. Allerdings soll sie nicht bereit gewesen sein, die vom Eigentümer geforderte Summe auf den Tisch zu legen. Das aber hat vor Kurzem die NIC GmbH getan, die für das Gelände eine sechsstellige Summe ausgegeben haben soll. Altengerechte Wohnungen will sie dort errichten. Mit dem Bebauungsplan würde dies verhindert werden.
Zum Schluss stimmte der Ausschuss einstimmig dafür, dass der Bürgermeister für die Fallada-Grundschule einen neuen Standort sucht, ohne den konkret zu benennen.
Abgestimmt wurde auch über das Sanierungskonzept für die Goethe-Grundschule. Da hatte es am Montag im Bauausschuss eine kuriose Abstimmung gegeben. Niemand stimmte mit ja, zwei stimmten mit nein und der Rest enthielt sich. Somit wurde das Sanierungskonzept de facto vom Ausschuss abgelehnt. Der Sozialausschuss stimmte allerdings zu, nachdem Jörg Hübner, Leiter Serviceeinheit, noch einmal ganz klar betonte, dass die Arbeiten unabhängig von einem eventuell angedachten Anbau erledigt werden müssen. Sie werden auch so ausgeführt, dass, sollten sich die Gemeindevertreter irgendwann entscheiden, dort einen Anbau zu beauftragen, der an den Altbau angeschlossen werden kann. Doch am Mittwoch war der Anbau kein Thema mehr.