In Cottbus bewerben sich 50 Interessenten für eine Wohnung in einem Niedrigstenergiehaus, in dem der Quadratmeter 10,50 Euro Miete kostet. Nicht kalt, sondern warm, inklusive Strom und Strom fürs Elektroauto. Mit fester Miethöhe für die nächsten zehn Jahre. Timo Leukefeld, der an der Bergakademie Freiberg einst studierte und heute lehrt, hat für sich und seinen Geschäftspartner jeweils ein energieautarkes Einfamilienhaus gebaut. Er beziffert die Zusatzkosten für die komplette Selbstversorgung mit Strom und Wärme inklusive Strom fürs Elektroauto mit 100 000 Euro. Er empfehle jedoch, es bei einer Selbstversorgungsquote von 50 Prozent zu belassen. Die Zusatzkosten zwischen 30 000 und 35 000 Euro könne man durch Umschichtungen im Gesamtfinanzierungskonzept leicht lockermachen, sagte der Energiebotschafter der Bundesregierung.
Gleich der erste Vortrag der 9. Energiekonferenz im STIC begeisterte die zahlreichen Zuhörer sichtlich. Der eloquente Visionär überzeugte vor allem durch die Praxisnähe seiner frappierenden Vorschläge. Die Einfamilienhäuser haben eine beheizte Wohnfläche von 161 Quadratmetern, eine Solarthermiefläche auf dem Dach von 46 Quadratmetern, darunter angeordnet eine 8-kW-Photovoltaikanlage, einen schon beim Bau eingefügten Neun-Kubikmeter-Langzeitwärmespeicher über mehrere Stockwerke, ein 58-kWh-Akku im Keller und einen Kaminofen für Stückholz. Ein Stromanschluss ans öffentliche Netz liefert bei Bedarf zu oder lässt auch die Einspeisung zu. "Und das Beste: Sie haben keinerlei Kosten für Strom, Wärme und das Betanken Ihres Elektroautos, gleichgültig, wie viel sie verbrauchen! Das heißt, Sie können verbrauchen, so viel Sie wollen! Deshalb ermuntere ich Sie: Lieber intelligent verschwenden als blöd sparen!" Damit könne man Menschen zum Umdenken motivieren, nicht mit Einschränkungen und Reduzierungen, sondern mit Begeisterung für innovative Lösungen, die ihnen erlauben, guten Gewissens zu verschwenden.
Leukefeld begleitet die Energiewende der Bundesrepublik sehr kritisch. Sie sei eigentlich keine Energie-, sondern nur Stromwende. Dabei sei zu bedenken, dass die Wärme rund 50 Prozent des Energieverbrauchs ausmache und sich Strom und Verkehr die andere Hälfte teilen. Er sieht das Grundproblem darin, dass dann die meiste Solarenergie anfällt, wenn am wenigsten gebraucht wird. Die Lösung sind leistungsfähige Langzeitwärmespeicher und Akkumulatoren: "Künftig werden Sie nicht mit der Stromproduktion Geld verdienen, sondern mit der Bewirtschaftung von Speichern, sagte er den Teilnehmern.
Doch nicht nur Timo Leukefeld verdiente sich den Beifall der Teilnehmer, darunter eine stattliche Gruppe von Schülern des Oberstufenzentrums. Auch sein Nachfolger Joachim Albersmann von der Pricewaterhouse Coopers Wirtschaftsprüfergesellschaft brachte sein Thema "Die Digitalisierung der Energiewende" spannend an die Zuhörer. Leukefelds Kollege Christian Stadler ging noch einmal auf die "Große Solarthermie - eine Chance für regenerative Fernwärme" ein, während Energieberater Chris Werner Praxisberichte vom Mieterstrom darlegte. Den will Strausberg ja demnächst im SWG-Neubau Lindenpromenade 9 praktizieren. Hans-Dieter Nagel, der Vorsitzende des Agenda-Beirates legte die Bemühungen Strausbergs in der Energiewende an Hand der Lokalen Agenda 2030 dar. Und Uwe Fügner, der Fachbereichsleiter Erzeugeranlagen der Stadtwerke, zeigte mit der CO2-Bilanz Strausbergs für 2016 und der Zukunft der Erzeugeranlagen, dass die Stadtwerke ihren Beitrag zur Erreichung der Klimaschutzziele tatsächlich leisten. Denn wie sagte Timo Leukefeld eingangs: "Die Energiewende muss hier, regional, gemacht werden."