Das Duo Christoph Jungmann und Björn Harras vom Ensemble des Berliner Improvisationstheaters „Die Gorillas“ waren neben den etwa 60 bis 70 Teilnehmern als spezieller Gast dabei. Es lieferte mit seinen speziellen künstlerischen Mitteln einen Impuls für die Workshoparbeit am Nachmittag und griff bei einem weiteren Auftritt in unterschiedlichen Szenen und mit aktiver Einbindung des Publikums während der Diskussionen gefallene Äußerungen wie „Demokratie braucht Demokraten“ oder „Es gibt keine Patentrezepte“ auf. Ein auflockernder Zwerchfellkitzel zwischen der hochkonzentrierten, engagierten Arbeit erst in den drei Teilgruppen und schließlich der abschließenden Diskussionsrunde mit den Gästen aus der Kreispolitik.
Ein Workskop unter Leitung von Annekatrin Friedrich vom Landesjugendring sammelte – auch mit Beteiligung mehrerer Jugendlicher – einen ersten Fragenkatalog für den künftigen Wahl-O-Mat zur Kreistagswahl. Wie Kinder und Jugendliche bei Kreisentscheidungen besser beteiligt werden können, wie und wo es mehr Jugendveranstaltungen nach 20 Uhr geben kann, bezahlbarer Wohnraum und allgemein Freizeitangebote waren unter den 15 zusammengetragenen Punkten.
Gruppe zwei unter Leitung von Ilona Tkocz vom Bildungszentrum Schloss Trebnitz und Robin Kendon vom Mobilen Beratungsteam ging der Frage nach, wie sich mit Meinungsverschiedenheiten umgehen, eine politische Streitkultur pflegen und auf Situationen reagieren lässt – gerade in der Auseinandersetzung mit Stimmungsmache aus rechtspopulistischen Kreisen. Speziell auf den Umgang mit Hassbotschaften im Netz hatte sich der dritte Workshop, geleitet vom Politikwissenschaftler Serge Embacher, fokussiert. Was sind soziale Medien eigentlich, wie lassen sie sich positiv zur Stärkung der Demokratie nutzen und wo liegen da ihre Grenzen? „Direkter, tiefgründiger Austausch mit Populisten ist online nicht möglich“, so eine von dieser Gruppe erarbeitete These – eine direkte, persönliche Auseinandersetzung sei nötig.
All dies griff die finale Diskussionsrunde noch einmal auf. Gleich mehrfach war auch da von Diskurs-Kultur und notwendigen Lernprozessen die Rede. Zugleich würdigten mehrere Redner, welch starke Zivilgesellschaft, ablesbar auch bei der Teilnahme an dieser Konferenz, es in Märkisch-Oderland gebe. Diese Vielzahl engagierter Menschen sei eine wichtige Basis, auf der man weiter aufbauen müsse, merkte Friedemann Hanke (CDU), Erster Beigeordneter des Landrats Gernot Schmidt (SPD), an. „Jeder Bürger hat Rechte und berechtigte Interessen, und die müssen in der Gesellschaft ausbalanciert werden“, betonte Letzterer. Schmidt und Hanke verwiesen aber auch kritisch auf institutionell geschaffene Beteiligungsformate wie Beiräte, die aber zuweilen nicht mit konkreten Mitentscheidungskompetenzen unterlegt seien und dann wenig Sinn machten.
Jan Sommer, grüner Kreistagsabgeordneter aus Müncheberg, verwies auf den Dreiklang von Information, Beteiligung und Wirkung. Bei vielen Themen müssten die Bürger längerfristig stärker mitgenommen werden. Sein CDU-Kollege Frank Schütz, zudem Bürgermeister von Golzow, betonte: „Ja, wir haben Gestaltungsmöglichkeiten“, man müsse sie nur ausschöpfen. Der in seinem Ort gepflegte Runde Tisch alle zwei Monate sei ein erfolgreicher lokaler Ansatz, mehr zu erreichen. Den Willen vieler, sich zivilgesellschaftlich zu engagieren, sieht auch Anna Spangenberg. So sei das Aktionsbündnis Brandenburg von 24 Mitgliedern bei seiner Gründung 1997 auf 79 angewachsen. Das damalige Anliegen Kampf gegen rechten Hass bleibe weiter aktuell.