Die neuesten LED-Lampen an der Thälmannstraße sind gerade einmal wenige Monate in Betrieb, doch manche anderen haben schon 50 Jahre auf dem Buckel. Etwa die Hälfte der exakt 2837 "Lichtpunkte" stand bereits vor 1990, und mehr als 800 müssen sowieso ersetzt werden, weil sie noch mit Quecksilberdampflampen bestückt sind, die ab 2015 nicht mehr betrieben werden dürfen. Nicht zuletzt schluckt die Straßenbeleuchtung derzeit jedes Jahr mehr als 1,5 Millionen Kilowattstunden, haben ein Anwalts- und ein Sachverständigenbüro mit Hilfe von Stadtwerken und Verwaltung ermittelt.
Sie haben im vergangenen Jahr den Zustand der vorhandenen Anlagen analysiert, nötige Investitionen abgeleitet, ein Energieeffizienzkonzept entworfen und den Finanzbedarf für Substanzerhaltung ermittelt sowie einen Betriebsführungsvertrag mit Leistungsverzeichnissen entworfen. Die Vorarbeiten für eine Neuvergabe seien damit abgeschlossen, berichteten ihre Vertreter in den Ausschüssen.
Nach ihrer Übersicht müs sten mehr als eine Million Euro in die Beleuchtung investiert werden, allein mehr als die Hälfte in den nächsten fünf Jahren zur Umsetzung des Effizienzkonzepts. Das sieht bis Ende 2017 knapp 1300 neue Leuchten vor, wodurch der Energieverbrauch um etwa ein Viertel sinkt und rechnerisch 238 Tonnen Treibhausgas eingespart werden. Überdies soll einem künftigen Betreiber auferlegt werden, dass die Komponenten der Straßenbeleuchtung innerhalb der Vertragslaufzeit ein bestimmtes Durchschnittsalter nicht überschreiten, also alles auf einem ordentlichen Stand gebracht und gehalten wird. Denn gemeinhin rechnet man mit 30 Jahren Lebensdauer bei Leuchten und 50 bei Trägersystemen. In Fünf-Jahres-Schritten soll dies kontrolliert werden. Dem künftigen Betreiber obliege ferner die Reparatur bei Schäden oder Ausfällen. Und die sollen nach dem jetzigen Entwurf binnen drei Tagen behoben sein, im Gefahrenfall auch schneller.
Da der künftige Vertragspartner zunächst erheblich in die Tasche greifen und die Investitionen über Energieeinsparung und eine "lichtpunktbezogene Pauschalvergütung" refinanzieren soll, wird eine längere Laufzeit angeboten. Im Gespräch sind 20 Jahre. Als Kostensatz pro Lichtpunkt und Jahr haben die Berater knapp 200 Euro ermittelt. Damit kommt rechnerisch eine Summe von knapp 560 000 Euro pro Jahr zustande. "Da muss man erst mal schlucken", fand Rudolf Patzer (Linke), denn dies liegt über den jetzigen Ausgaben. Zumal es Anpassungsklauseln nach Entwicklung von Energiepreisen und Löhnen gibt. Patzers Kollege Steffen Schulter (UfW/offene Fraktion) erinnerte daran, dass eine Erneuerung des Bestandes mit abgedeckt sei.
Vorgesehen ist nun, eine europaweite Ausschreibung zu starten. Die Unterlagen seien fertig, hieß es. Geschätzte Verfahrensdauer: neun Monate. In der Regel beteiligten sich vier bis fünf Anbieter, hieß es. Die Stadtwerke würden "die Herausforderung annehmen", kündigte deren Chef Andreas Gagel an.