Nach zwei Jahren intensiver Vorbereitung war es am Dienstag soweit. In Rüdersdorf wurde der Gemeindepsychiatrische Verbund zwischen den Landkreisen MOL und LOS, der Immanuel Klinik Rüdersdorf und einem Dutzend Leistungsträgern von den Beteiligten per Unterschrift besiegelt.
Beim Start des ersten Gemeindepsychiatrischen Verbundes im ganzen Land Brandenburg dabei zu sein - das ließ sich selbst Gesundheitsministerin Anita Tack nicht nehmen. Sie dankte allen Beteiligten "für die Idee, die Entschlossenheit und den Mut", wobei sie auch betonte, dass die eigentliche Arbeit jetzt erst losginge. MOL-Amtsarzt Steffen Hampel, der von der Idee bis zur Unterschrift dabei war, moderierte die Veranstaltung.
Die Immanuel Klinik Rüdersdorf hat zusammen mit dem Landkreis Märkisch-Oderland seit 2011 Ideen zusammengetragen, um im Einzugsgebiet der Abteilung für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, welche auch Gebiete des Landkreises Oder-Spree umfasst, einen Gemeindepsychiatrischen Verbund zu gründen.
Im neuen Verbund soll es nun möglich sein, die Zusammenarbeit zwischen der Klinik und deren Partnern im Interesse der Patienten mit schweren psychischen Erkrankungen wie Schizophrenie, schweren Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen "verbindlicher zu gestalten", hieß es. "Es geht darum, die Behandlung und Betreuung der Patientinnen und Patienten mit den Betroffenen selbst festzulegen, abzustimmen und die optimalen Bedingungen für sie zu schaffen", erklärte Chefarzt Prof. Dr. Martin Heinze.
Das gehe nur mit den Partnern, niedergelassenen Ärzten, Krankenkassen, Sozialarbeitern, Hilfsvereinen und Einrichtungen, die sich um das soziale Netzwerk kümmern - Wohnen, Arbeiten, Freizeitgestaltung -, eben die weitestmögliche Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft, erläuterte Gesundheitsdezernentin Ilona Weser. "Wir haben frühzeitig das Potenzial erkannt, das in dieser Idee steckt", sagte Lutz Amsel, 1. Beigeordneter des Landrats MOL. Mit Beschlüssen des Kreistags auf kommunalpolitischer Ebene sei eine politische Grundlage geschaffen worden.
Im Jahr gibt es durchschnittlich 20 Fälle, in denen eine schwere psychiatrische Erkrankung mit Beeinträchtigung der Teilhabefähigkeiten neu diagnostiziert wird. Das bedeutet die Zusammenführung der regionalen Fachkompetenz zur Förderung einer personenbezogene Hilfeleistung für Menschen mit psychischen Erkrankungen bzw. seelischen Behinderungen bei Entscheidungen im Einzelfall und benennt eine koordinierende Bezugsperson. Dazu nahm Peter Grollich, Sprecher der Patienten und Angehörigen, das Wort. Für die Initiative dankte er, wies auch auf die Gefahr hin, dass "Patienten und betriebswirtschaftliche Belange oft im Widerspruch stehen".
Sinn der Vereinbarung, die dann von den Verwaltungen und den Leistungsträgern unterschrieben wurde, ist, dass eine einrichtungs- und leistungsübergreifende Abstimmung bezüglich der Hilfen erfolgt. Der Verbund ist dazu ein verbindlicher, vertraglich fixierter Zusammenschluss der wesentlichen Leistungsträger und -erbringer psychiatrischer Hilfen in der Versorgungsregion in MOL und LOS.