Clemens Rosner hat eine Menge Vorschläge, wie man Strausberg fahrradfreundlicher machen könnte. „Wir haben vier S-Bahn-Stationen im Stadtgebiet, was ein großes Geschenk ist. Es wäre doch toll, wenn man in diesem Bereich sein Fahrrad kostenlos mitnehmen könnte“, sagt der Sprecher der Strausberger ADFC-Ortsgruppe. Die Stadt müsse sich nur mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg über einen Zuschuss einigen. Außerdem sollte es Rosners Ansicht nach deutlich mehr Fahrradstellplätze an den Bahnhöfen geben. „Zu den Stoßzeiten reichen sie nicht aus“, sagt er. Und er spricht sich für breitere Radwege aus, um den Fahrkomfort zu erhöhen.
Einer seiner Mitstreiter beim Strausberger ADFC, Marcel Bobzin, fordert bessere, vor allem schwellenfreie Untergründe auf den Wegen, um älteren Menschen und Eltern mit Kleinkindern das Radfahren zu erleichtern. Außerdem denkt er an Wärmebildscanner an Ampeln, die Radfahrer in einer bestimmten Entfernung erkennen und auf Grün schalten, um den Verkehrsfluss zu verbessern. Zusätzlich wünscht er sich Bügel, auf denen man bei Ampelstopps die Füße abstellen kann, um nicht absteigen zu müssen. „Mit solchen Akzenten würden wir für Alleinstellungsmerkmale in Brandenburg sorgen und könnten Anziehungspunkt für Fahrradtouristen werden“, unterstützt ihn Clemens Rosner bei seinen Ideen und fügt an, dass es für solche Leuchtturmprojekte auch Fördergeld gebe.
Sowohl für Clemens Rosner als auch für Marcel Bobzin steht fest, dass Strausberg seine Potenziale im Radverkehr bisher nicht annähernd ausschöpft. Ein Grund dafür sei auch, dass in der Stadtverordnetenversammlung „nur wenige ambitionierte Radfahrer sitzen“, wie Rosner feststellt. „Von dort kommen zu wenige innovative Forderungen in diesem Bereich.“ Einen Schritt nach vorne könnte die Stadt machen, wenn sie der „AG Fahrradfreundliche Kommunen Brandenburg“ beitrete, um darüber von einem Erfahrungsaustausch in der Radverkehrsplanung zu profitieren. „Außerdem wäre es toll, wenn wir in der Verwaltung einen Fahrradbeauftragten hätten, der die Aufgaben in diesem Bereich koordiniert“, sagt Clemens Rosner.
Lobend erwähnen er und Marcel Bobzin, dass die Stadt derzeit unter breiter Beteiligung verschiedener Akteure und Interessenvertreter wie ihrer Ortsgruppe ein Konzept erarbeitet, das die Grundlage zur Gestaltung der Radwegeinfrastruktur für die nächsten Jahre bilden soll. In dem Entwurf findet sich auch der Bau eines Radwegs, mit dem einer der großen Kritikpunkte Rosners und Bobzins entkräftet werden könnte: nämlich, dass die Hauptradwege in der Stadt vor allem an den Hauptstraßen entlangführen. „Das ist falsch geplant in Strausberg. Radfahren soll vor allem Spaß machen. Und den hat man nicht, wenn man die ganze Zeit neben einer zweispurigen Straße fährt“, sagt Marcel Bobzin.
Der Weg, um den es geht, verläuft bisher von der Landhausstraße in der Vorstadt entlang der Gustav-Kurtze-Promenade bis zur Garzauer Straße und soll laut Planungen entlang der alten Bahntrasse über die Goethestraße, Am Hasengrund und Walkmühlenstraße bis zur Altstadt verlängert werden. „Wir haben in Strausberg die schöne Möglichkeit, einen Radweg von der Vor- bis zur Altstadt zu bauen, der nicht an einer Hauptverkehrsstraße langläuft“, sagt Clemens Rosner. „Das müssen wir nutzen.“ Zumal man diesen Weg durchfahren könnte, ohne groß stoppen zu müssen. Ganz im Gegenteil zur jetzigen Alternative entlang der Ernst-Thälmann-, Berliner und August-Bebel-Straße. Marcel Bobzin, der diesen Weg regelmäßig fährt, hat hier zwölf Straßenübergänge gezählt – Stellen mit und ohne Ampeln, an denen er, je nach Verkehrslage, halten und absteigen muss. Die neue Wegführung sei eine Möglichkeit, mehr Menschen auf das Rad zu bekommen. „Das ist nicht nur gesünder für jeden, der umsteigt, das entlastet auch den Straßenverkehr und reduziert den Lärm“, sagt er. Clemens Rosner findet, dass in Strausberg ein Umdenken stattfinden muss. „Rad- und Fußwege sollten nicht länger ein Abfallprodukt von Straßenplanung sein.“

Umfrage zum Fahrradklima

Ab sofort läuft die Umfrage zum großen ADFC-Fahrradklima-Test 2018. Die Ortsgruppe des ADFC Strausberg bittet die Bürgerinnen und Bürger um zahlreiche Teilnahme.  Jetzt geht es um die Fragen: Kommen die Verbesserungen auch bei den Bürgerinnen und Bürgern an? Was läuft schon gut – was nicht?

Bei der Online-Umfrage werden 32 Fragen zur Fahrradfreundlichkeit gestellt – beispielsweise, ob das Radfahren Spaß oder Stress bedeutet, ob Radwege von Falschparkern freigehalten werden und ob sich das Radfahren auf für Familien mit Kindern sicher anfühlt.

119 Bürgerinnen und Bürger haben 2016 mitgemacht und die Situation in Strausberg beurteilt. Strausberg schloss beim letzten ADFC-Fahrradklima-Test mit der Note 3,8 ab. Die Bewertungen: www.fahrradklima-test.de/karte – Klick auf Strausberg.

Die Umfrage findet zwischen 1. September und 30. November 2018 über die Internetseite www.fahrradklima-test.de statt. Die Ergebnisse werden im Frühjahr 2019 präsentiert.