In dem Anwohnerschreiben, das laut Pressesprecher Tommy Nick an rund 500 Haushalte verteilt wurde, werden die Hoppegartener informiert, dass die Gemeindeverwaltung nun beschieden hat, dass das Festival stattfinden kann.Der Immissionsschutzbescheid enthält Auflagen, gegen die der Veranstalter ankündigt, gerichtlich vorzugehen.
Darin wird die Festivalleitung verpflichtet, den betroffenen Anwohnern eine Ersatzunterkunft oder Kompensationszahlungen anzubieten. "Aufgrund der Kürze der vom Amt geforderten Frist, hierfür Sorge zu tragen (1. 9. 2017) und der aktuellen Auslastungen für Hotels in diesem Zeitraum, können wir die geforderte Organisation dieser Unterkünfte jedoch nicht gewährleisten und bieten Ihnen an, dass Sie diese Unterkünfte frei wählen können", heißt es in der Anwohnerinformation. Bis 1. September, 12 Uhr, sollte die Festivalleitung konkret benennen, in welches Hotel oder welche Pension die Betroffenen ausweichen könnten. Dazu sah sich Lollapalooza zeitlich nicht mehr in der Lage.
Weiterhin werden die Anwohner vorsorglich darauf hingewiesen, dass die Festivalleitung gegen den Bescheid Widerspruch einlegen und gegebenenfalls klagen wird. "Solange die Rechtslage hierzu nicht abschließend geklärt ist, übernehmen wir keinerlei Erstattungen der anfallenden Kosten", heißt es im Anwohnerschreiben. "Das bedeutet aber nicht, dass die Anwohner, die tatsächlich während des Festivals in eine Pension, Hotel oder eine andere adäquate Unterkunft ziehen, auf diesen Kosten sitzen bleiben", versichert Tommy Nick. Diese bedeute nur, dass vor Gericht geklärt werden muss, wer zahlt. Lollapalooza oder die Gemeinde Hoppegarten. Einer wird es tun müssen. Entspannt reagiert Bürgermeister Karsten Knobbe. Auf der Homepage der Verwaltung ist zu lesen: "Wir gehen davon aus, dass der Bescheid ... einer gerichtlichen Überprüfung standhalten wird. Das bedeutet für Sie konkret, dass Sie sich eine Ersatzunterkunft suchen können, da der Veranstalter es in dem Anwohnerschreiben ... abgelehnt hat, der Auflage ... nachzukommen. Der Veranstalter hat dies zu bezahlen. Sollte ein Gericht eine ganz oder teilweise abweichende Auffassung vertreten, hat der Veranstalter einen Schadensersatzanspruch gegenüber der Gemeinde."
Die Bürger haben zu dem Anschreiben auch noch einen Auszug aus den Auflagen erhalten, in denen klar geregelt ist, welche Art von Ersatzunterkunft genutzt werden könnte. So heißt es: "Angemessen ist eine Unterbringung in einer der zu verlassenen Wohnung entsprechend ausgestatteten Ferienwohnung bzw. mindestens in einem Drei-Sterne-Hotel (in Vollverpflegung). Pro zwei Bewohner ... ist ein Doppelzimmer angemessen, bei ungerader Bewohnerzahl ist ein weiteres Einzelzimmer ausreichend. Sind auf Grund der Personenanzahl mehrere Zimmer notwendig, sind diese in derselben Einrichtung bereitzustellen ..."
Und was dürfte eine Ersatzunterkunft kosten? Die Verwaltung geht von 100 Euro für ein Doppelzimmer und 80 Euro für ein Einzelzimmer mit Vollverpflegung pro Nacht aus. Diese Zahlen werden auch für ein pauschale Entschädigung zugrunde gelegt. Dann müsse der Veranstalter 75 Prozent dieser Übernachtungskosten tragen. Das wären demnach 75 bzw. 60 Euro pro Nacht. Festgelegt ist, wer überhaupt als Betroffener gilt. Das sind alle Wohnungen und Häuser, bei denen einen halben Meter vor der Mitte des geöffneten Fensters ein voraussichtlicher Pegel von 70 dB (A) einwirkt.
Der Lollapalooza-Anwohnerservice ist unter der Rufnummer 0174 4214058 sowie per E-Mail: nachbarschaft@lollapaloozade.com wochentags von 9 bis 18 Uhr erreichbar. Mehr Informatinen gibt es: www.lollapaloozade.com/anwohnerservice