Etwa 200 Interessierte - 2000 waren eingeladen worden - kamen Mittwoch zum Infoabend rund um das Musikfestival Lollapalooza, das am 9./10. September auf der Rennbahn Hoppegarten gefeiert werden soll. An beiden Tagen werden insgesamt rund 170 000 Gäste erwartet.
In mehrere Komplexe teilte sich das Interesse der unmittelbaren Nachbarn, von Gemeindevertretern und Naturschützern aus Hoppegarten und Neuenhagen. Die Festivalleitung und die Fachleute gaben einen Überblick und standen später bei der offenen Fragerunde Rede und Antwort. Nicht jeder Gast ging zufrieden nach Hause. Alle aber mit viel mehr Informationen als zuvor.
Die Fakten: Es werden an beiden Tagen je 85 000 Gäste erwartet. Die Türen zur Rennbahn öffnen sich je 10 Uhr, die Musik beginnt gegen 12 Uhr. Es gibt vier Bühnen. Auf den Hauptbühnen, die abwechselnd bespielt werden, ist an beiden Abenden 22 Uhr Schluss. Die Nebenbühnen beenden ihre Programme am Sonnabend um 23.30 Uhr und am Sonntag um 23.15 Uhr. Das hat den Effekt, dass sich das Innenoval der Rennbahn nach und nach leert und nicht mit einem Schlag alle Gäste gleichzeitig zu den vier Ausgängen drängen. Das hat auch Auswirkungen auf den Schall. Denn noch vor Mitternacht hören alle Bands auf, zu spielen. Irritationen gab es unter den Gekommenen, als Jörg Kepper vom Akustikbüro Dahms die Schallausbreitungskarte zeigte. Es gab eine Verwechslung. So glaubten die Gäste, zu sehen, dass auf die Häuser Schallwerte von mehr als 100 Dezibel donnern. Doch die waren nur in einer ähnlich blauen Farbe markiert wie die Schallwerte. Dieses optische Problem erklärte der Fachmann souverän. In 50 Metern Entfernung von den Bühnen, lautete eine Antwort, sind zwischen 96 und 98 Dezibel zu hören.
Bodo Schwieger, der für alles rund um den Verkehr und die An- und Abfahrt der Gäste zuständig ist, kümmerte sich aber auch um die Wünsche und Sorgen der Anwohner. Immer wieder versprach er, Lösungen für Einzelprobleme - Pflegedienste, Rettungskräfte, Notdienste, Tierärzte, die zu ihren Patienten kommen müssen -, zu finden. Folgendes ist bislang geplant: Voll gesperrt für den Verkehr sind die Bereiche Lindenallee/Jahnstraße, An der Zoche, Am Sportplatz, Rennbahnallee, Winterquartier, Median-Klinik, Goetheallee, Post-, Clubstraße, Trainerweg, Am Güterbahnhof, Kiefernallee, Grün-, Buchen- und Berliner Straße. Ausgenommen sind Anwohner und deren Gäste. Sie sollen, so wurde es versprochen, bis spätestens 31. August Einfahrtsgenehmigungen zugeschickt bekommen.
Auf der Rennbahnallee fahren Shuttlebusse, die Gäste u. a. vom U-Bahnhof Elsterwerdaer Platz zum Festivalgelände fahren, am Kreisel in die Lindenallee abbiegen und von dort zur B 1 fahren. In der Spitzenzeit zwischen 21 und 24 Uhr werden alle 45 Sekunden Busse rollen. Der Bereich zwischen Goetheallee und Lindenallee wird voll gesperrt. Dort fahren nur die Busse und werden Menschen, von der S-Bahn Hoppegarten kommend, zu den nördlichen Eingängen geleitet. Rewe und Aldi sind an besagtem Wochenende mit dem Auto nicht erreichbar. Halteverbote für Autos sollen u. a. in der Niederheidenstraße und Münchehofer Straße aufgestellt werden, zudem werden Zufahrten zu Wohngebieten abgesperrt. Die Anwohner können passieren, nicht aber Festivalgäste. 50 bis 100 Reisebusse werden über den Bollensdorfer Weg geleitet, biegen hinter Pflanzenkölle ab und parken unweit der B 1/5. Die Zufahrt zur Schwerstpflegeeinrichtung wird nicht beeinträchtigt. Während des Aufbaus der Bühnen - Start ist am 25. August - wird es keine Verkehrseinschränkungen geben. Die Anlieferung mit schweren Trucks erfolgt über die Goetheallee, das sei aus Platzgründen nicht anders möglich. Dort soll Tempo 20 ausgewiesen werden.
In der Nacht zum 8. September wird es eine Umleitung auf der B 1/5 geben. Dann wird dort eine Fußgängerbrücke aufgebaut. Darüber sollen die mit dem Auto anreisenden Gäste sicher vom Parkplatz (ein Acker bei Münchehofe) über die Bundesstraße aufs Festivalgelände geleitet werden. Genau da hakten Naturschützer ein. Denn dafür werde, so die Naturfreunde, extra ein Weg durchs Naturschutzgebiet genutzt. Was das denn bitte mit grüner Nachhaltigkeit zu tun habe, wollten sie wissen. "Dieser Weg ist uns von der Unteren Naturschutzbehörde vorgeschlagen worden", reagierte Schwieger.
Weitere Themen, die die Menschen berühren, war die vermutliche Zerstörung des Trockenrasens auf dem Innenoval der Rennbahn sowie zusammenbrechende Handynetze, wenn gleichzeitig viele Menschen Hilfe brauchten. "Um da Abhilfe zu schaffen, wird wie schon zum Brandenburg-Tag ein Extra-Funkmast aufgebaut", versicherte Bürgermeister Karsten Knobbe.
Mehrere Anwohner - darunter der 15-jährige Marius - zweifelten an, ob Hoppegarten für ein Festival dieser Größe der richtige Ort sei. Andere, wie der Neuenhagener Links-Fraktionschef Sven Kindervater, verwiesen darauf, dass sich viele Menschen überrannt fühlten. "Die Leute, die hier rausgezogen sind, wollen am Wochenende in Ruhe ihr Würstchen grillen. Wenn sie was erleben wollen, fahren sie nach Berlin."
Vielleicht wird das aber in den kommenden Jahren anders herum sein. Veranstalter und Rennbahnleitung gehen davon aus, dass sich Lollapalooza in Hoppegarten etablieren wird. Nach dem 10. September wird dies entschieden. "Geben Sie uns eine Chance. Ich bitte Sie um Unterstützung und Verständnis, dass wir uns nach vorn entwickeln können", appellierte Peter Hoeck Domig von der Rennbahnleitung.