Ein Überschalljagdflugzeug zu bauen, ist eine, ein Passagierflugzeug stundenlang auf der doppelten Schallgeschwindigkeit zu halten, eine ganz andere Herausforderung: Der Treibstoff beginnt zu kochen, die Fahrgastzelle dehnt sich spürbar aus ... „Der Supercruise erfordert eine aerodynamische Qualität, die Militärflugzeuge nie erreicht hatten“, sagte Ulrich Unger bei seinem Vortrag in der Cafeteria des Strausberger Flugplatz-Towers mit einer Leidenschaft, die auch Jahrzehnte nach Einstellung des Entwicklungsprogramms am Überschallpassagierflugzeug Tupolew Tu-144 nicht nachgelassen zu haben scheint.

Monatlicher Fliegerstammtisch

Der eher zierliche Flugkapitän außer Dienst, promovierter Diplomingenier des Flugwesens, gab vor mehreren Dutzend Teilnehmern des allmonatlichen Fliegerstammtisches einen detaillierten und hoch informativen Überblick über die Geschichte des größten Überschallpassagierflugzeuges der Welt. Er scheut auch den direkten Vergleich mit der britisch-französischen Concorde nicht, spart die teils hanebüchenen Spionage-Räuberpistolen nicht aus und beantwortet anschließend viele Fragen auch von anderen Flugkapitänen zur Konstruktionsweise.

Weltrekorde

Wie so oft im Flugwesen lagen bei der Tu-144 Glanz und Tragik eng beieinander. Sie hält heute noch Weltrekorde, so flog sie mit 30 Tonnen Last über 2000 Kilometer weit in einer Geschwindigkeit von 2012 Kilometer pro Stunde und einer Höhe von 18.200 Metern. Andererseits zerbrach ein Prototyp bei Flugvorführungen auf der Flugschau von Le Bourget in Paris 1973 und riss 14 Menschen in den Tod. Auf Nachfrage der Zeitung ging Unger auch auf Umweltaspekte und die Relation von Geschwindigkeit, Passagierzahlen und Treibstoffverbrauch ein.