Was da gegenwärtig in der besonderen Galerie mit den mächtigen Feldsteinwänden St. Mariens zu sehen ist, sei im doppelten Sinne eine Jubiläumsausstellung, sagte Juliane Grützmacher, Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft Stadtpfarrkirche, zur Vernissage. Denn nicht markieren die Arbeiten unter dem Stichwort „Augenblicke“ einen gewissen Streifzug durch das Schaffen des Fotozirkels Windrose, der nun zehn Jahre besteht. Sondern es sei auch die 90. Ausstellung, die vom ehrenamtlichen Helfer Siegfried Krüger gehängt wurde. Auch dazu gehört ein waches Auge, ein spezieller Blick, um alles immer wieder so schön an den Kirchenwänden in Szene zu setzen.

Mitglieder in drei Ländern auf zwei Kontinenten

Nicht alle der Ausstellenden hatten an diesem Abend anreisen können. Schließlich sind die Windrose-Mitglieder in drei Ländern auf zwei Kontinenten zu Hause, einige in Südkorea und China, selbst die Deutschen nicht nur in Brandenburg, sondern ebenso in Bayern. Verbindung ist der von dort stammende, seit Jahren in Obersdorf lebende und immer wieder auch nach Ostasien reisende Gerd Jungwirth, der eine wechselnde Schar Gleichgesinnter um sich versammelt hat. Ihre Art der Fotografie in Technik und Blickwinkel ist unterschiedlich, ebenso die Vorliebe für bestimmte Motive. Aber gerade diese Vielfalt, dennoch in Mottos, Titeln und Themen zusammenfassbar, macht bei Ausstellungen – in St. Marien ist es schon die dritte – immer wieder den Reiz aus.

Plattform für anregenden Austausch

„Eine Plattform, um sich auszutauschen“ sei der Fotozirkel, hatte Juliane Grützmacher zwischen den Querflöten-Klängen von Ulrich Roloff aus Berlin in ihrer Laudatio gesagt. Gerade das schätzt auch Eva Pause-Bora. Die Rentnerin aus Waldsieversdorf ist als Neuzugang erst seit rund einem Jahr Teil der Gruppe. „Ich betrachte mich nicht als Profi oder Künstlerin. Wenn wir uns treffen und über Bilder sprechen, lässt sich immer noch etwas lernen“, sagt sie. Ähnlich anregend findet diesen Austauschprozess Johann Bachinger, der schon seit seiner Jugend auf Bilderpirsch ist, aber erst seit seinem 50. Geburtstag vor zwölf Jahren mit der digitalen Spiegelreflexkamera noch mehr technische Finessen auskostet, um gerade Landschaftsmotive und Naturphänomene einzufangen.

Technik und Motivwahl sehr verschieden

Die einzigen Menschen in der Ausstellung finden sich bei Sabine Fritsch, das Spatzenkonzert von Eva Pause-Bora sind die einzigen Tiere, Architektonisches, moderne Formen oder ein alter Tempel, finden sich bei Clare Lin Li und Jing Jing Li aus China, während Jungwirth experimentelle Spiele mit Farben und Formen zeigt, die die mit Laserpointer und einer Kugel aus Glas entstanden sind. Auch die Leinwände seien besonders, auf die die Fotos gedruckt sind, hob Juliane Grützmacher hervor: „Diese Technik gibt es nicht hier“, aus Korea hat der Windrose-Gründer sie mitgebracht.