"Dona nobis pacem" schallte es aus der erhabenen St.-Annen-Feldsteinkirche im Ortsteil Zinndorf, "Kein schöner Land" oder "Das Heideröslein".Da hatten jene, die sich wandernd vom Buchsbaum-Notenschlüssel am Tourismuspavillon/Bahnhofsstation Rehfelde auf den gerade fünf Jahre alten Liederweg gemacht hatten, schon einige Kilometer und etliche Lieder an Liedersteinen unterwegs hinter sich.
An die 60 Wanderfreudige konnte die stellvertretende Bürgermeisterin Heidrun Mora am Startpunkt der Jubiläumswanderung zum 12. Rehfelder Wandertag herzlich willkommen heißen, darunter Chorfreunde vom Deutschen Liederweg aus Pulsnitz-Oberlichtenau und von der polnischen Partnerstadt Zwierzyn den kleinen, feinen Chor aus Drezdenko sowie weitere Gäste und Akteure rund um das touristisch-musikalische Projekt Liederweg.
Sie hatten die Brandenburg-Hymne angestimmt, die Buchsbaum-Zisterzienserlilie an Werders Kirche begutachtet, hatten Notenschlüssel-Kekse gekostet, die Gitarre erklingen lassen und "Hej, Reiter" geschmettert. Dann waren die Wandersleute auf Geburtstagskind Nr. 2 gestoßen, den jetzt 30 Jahre alten Rehfelder Sängerkreis, der geradewegs aus seinem Proben-Wochenende in die Zinndorfer Kirche eingerückt war und als erstes Ensemble Kostproben seines Repertoires bot.
Selbst aus Berlin und Beeskowhatten sich Sänger unters Publikum gemischt, die man möglicherweise bald einmal auch in größerer Formation auf dem Liederweg treffen könne, hoffte Ingelore Jung vom Rehfelder Sängerkreis in ihrer Moderation, bevor aus mehr als 80 Kehlen im Kirchenschiff ein flottes Medley erschallte.
Während die Sänger aus Oberlichtenau ihr Repertoire an diesem Tage zuvörderst auf Wanderlieder ausgerichtet hatten, begeisterte der polnische Chor stimmgewaltig und leidenschaftlich mit einem Lied für die Mutter, einem Ave Maria und ließ bei einer bekannten Bach-Melodie alle in ein textloses, aber klangvolles "dum, dum, dum, dum" einstimmen.
Derart motiviert, wurde der Wander-Rastplatz am Ortsausgang Zinndorf angesteuert, der erneut ein echtes Gemeinschaftswerk darstellt. Initiiert von Arbeitskreis Rehfelder Tourismus (ART) und Rehfelder Sängerkreis mit dem Ehepaar Jung an der Spitze hatten Zinndorfer Bürgerverein, Arbeitsfördergesellschaft Rehfelde, der Zinndorfer Landwirtschaftsbetrieb Lück, Helmut Lattwin von der Galerie Bauernfluch, Gemeinde, Amt sowie Wasser- und Bodenverband ihre Hände im Spiel. Das Kooperationsprogramm Interreg V A und der Klein-Projekte-Fonds der Euroregion Pro Europa Viadrina boten finanzielle Unterstützung und auf Täfelchen an Liederstein, rustikaler Sitzgruppe und überdachter Sitzgarnitur finden sich überdies der Förderverein zur kommunalen Entwicklung Rehfeldes und die Berliner Sangesfreundin Gudrun Barth.
Wenn er sich nach 14 Jahren Rehfelder Tourismus-Bestrebungen etwas wünschen würde, sagte Bürgermeister Reiner Donath, dann die Schlagzeile: "Wieder haben aktive Menschen eine kühne Idee verwirklicht: einen Platz, wo man gemeinsam vom Wandern ausruhen, essen und singen kann." Bevor Wanderer, Sänger und Gäste genau das taten, auf den von der Zinndorfer Feuerwehr aufgestellten Bierzeltgarnituren Platz nahmen und Gulaschsuppe von der Gaststätte "Zur alten Linde" löffelten, war indes erst noch sängerischer Einsatz gefragt. "Vogelhochzeit" und ein polnisches Lied über Liebesfreud und -leid erklangen, wiederzufinden auf den zwei neuen Liedtafeln an dem gewaltigen Liederstein.
"Singen wir gemeinsam gegen diejenigen, die die geistigen Mauern wieder wachsen lassen", hieß es im Grußwort der Pulsnitzer Bürgermeisterin - ein Grundton, auf dem sich an diesem Tag alle trafen.