Fußballweisheiten gibt es derer viele. So heißt es, dass, wer „seine Chancen nicht nutzt“ stets „bestraft wird“. Für Oberligaspitzenreiter Lichtenberg 47 scheint dieses Sprichwort derzeit allerdings nicht zu gelten, denn die Schützlinge von 47-Übungsleiter Uwe Lehmann ließen am Sonnabend in der Berliner in der Howoge-Arena „Hans Zoschke“ gegen eine junge Strausberger Truppe reichlich Chancen ungenutzt liegen. Und siegten am Ende doch hochverdient mit 2:0.
Denn der Tabellenführer nutzte seine erste Möglichkeit zum 1:0, als Philipp Grüneberg einen schönen Spielzug über Christian Gawe geschickt aus 14 Metern flach links unten verwandelte. Danach begann jedoch ein bis in die Schlussphase der Partie hinziehendes Lichtenberger Chancenfestival. Philipp Kulecki (Kopfball, 13.) scheiterte am großartig reagierenden FCS-Keeper Marvin Jäschke, Thomas Brechler (26.) verzog knapp. Und als Philipp Grüneberg dann Jäschke schon bezwungen hatte, schlug Yannick Mastalerz kurz vor der Linie die Kugel noch über den Kasten (30.). In dem Kampfspiel schenkten sich beide im Zweikampf nichts, zuweilen ging es bis an die Grenze des Erlaubten. Strausbergs Kenan Günaydin musste nach Gelicio Banzes Tritt verletzt vom Platz (17.). Mit Verdacht auf Fußprellung wird Günaydin wohl zwei Wochen pausieren müssen. Erst nach einer halben Stunde kamen die Strausberger etwas besser ins Spiel. Eine Flanke von FCS-Kapitän Alexander Sobeck fischte Lichtenbergs Niklas Wollert weg (36.) und Tino Istvanic blieb bei einem guten Konteransatz im letzten Moment hängen (40.).
Nach der Pause setzten die Hausherren ihre fahrlässige Chancenverwertung fort. Thomas Brechler (50./58.), Philipp Grüneberg (65.) und Joker Patrick Jahn (90.) scheiterten am starken Strausberger Torsteher Marvin Jäschke. Dazu landete ein Freistoß von Christian Gawe am Aluminium (52.). Auch Linksverteidiger Philip Einsiedel versemmelte mehrfach (76.), indes zweimal mit dem schwächeren rechten Fuß (89., Nachschuss 90.). Danach packte Thomas Brechler gegen die aufgerückte Strausberger Abwehr mit dem 2:0 doch den Deckel drauf, als er nach erneuter Vorarbeit von Christian Gawe flach aus sieben Metern einlochte. Das war gleichzeitig der Schlusspunkt.
Die FCS-Elf hatte sich zuvor zwar gemüht, kam aber bis Tino Istvanics Kopfball (84.) und zwei Versuche von Ilhan Sariboga (86./90.+2) kaum zum Lichtenberger Kasten durch.
Für FCS-Coach Christof Reimann war es eine Reise in die Vergangenheit, da er in der Jugend in Lichtenberg mit dem Fußball anfing. Nach der Pleite zog er dennoch ein positives Fazit: „Das, was wir uns vorgenommen hatten, hat in oftmals geklappt. Lichtenberg ist aktuell nur schwer zu bezwingen. Aber wir machen hier immer gute Spiele. Unsere Qualität reichte heute, um die Partie lange offen zu halten. Wir hatten genügend Aktionen und Ballbesitz.“ Einzig die mangelnde Durchschlagskraft wurmte Reimann. „Wenn der Gegner soviel liegen lässt, können wir mit Glück auch das 1:1 machen. Das zweite Gegentor tut dann nicht mehr so weh. Jetzt müssen wir nächste Woche (gegen Wismar) drei Punkte holen, dann sind wir voll im Soll.“
„Wir haben zu selten den letzten Pass gespielt, daher fehlten uns Abschlüsse“, befand Strausbergs Kapitän Alexander Sobeck.  Stürmer Martin Kemter bemerkte: „Man hat gesehen wie abgezockt Lichtenberg ist, das war richtiger Männerfußball. Hier ist über Jahre etwas gewachsen.“
Die Einschätzung von Lichtenbergs Trainer Uwe Lehmann lautete: „So ein Spiel kann locker 6:0 ausgehen. Mit der Chancenverwertung bin ich überhaupt nicht zufrieden. Im Normalfall frisst du noch dann einen. Heute waren wir qualitativ nicht in der Lage, das eine oder andere Tor mehr zu machen. Mit dem 2:0 bin ich aber sehr zufrieden.“
Lobende Worte fand Lehmann für die Strausberger: „Das ist eine der jüngsten Mannschaften und zeigt doch, dass auch in der Oberliga mit jungen Spielern etwas nachhaltig aufgebaut werden kann.“