"Mich interessiert eigentlich nur, wo die neue Bibliothek hinkommt und ob ich sie zu Fuß erreiche." Auf diese Frage, die die meisten Besucher der Informationsveranstaltung bewegte, gab es am Mittwochabend erwartungsgemäß noch keine Antwort.
Aber es ging ein Stück weiter voran auf dem Weg zu einer interkommunalen Bibliothek für beide Gemeinden. Eingeladen hatten zu diesem Interessenaustausch die Bürgermeister Uwe Klett (Linke) aus Fredersdorf-Vogelsdorf und Olaf Borchardt (parteilos) aus Petershagen-Eggersdorf. Mit fachlichen Ausführungen und Sachkunde unterstützten die beiden Bauamtsleiter Edda Oelschlägel und Ulrich Daut, die Bibliothekarinnen Ingrid Böhlmann und Gerlinde Henkys sowie Lutz Sanne von der Landesstelle Bibliothekare und Archive. Detlef Klementz von der MOZ-Lokalredaktion leitete die Debatte in der Turnhalle Tieckstraße, in die fast 140 Bürger gekommen waren. Die weitaus meisten aus Fredersdorf-Vogelsdorf.
Beiden benachbarten Gemeinden ist gemeinsam, dass sie in absehbarer Zeit neue Bibliotheken brauchen. Die Angestammten sind zu klein, marode, erfüllen die Wünsche der Nutzer nicht mehr oder sind nicht für die Zukunft als Kommunikationszentrum ausgelegt.
Im Doppeldorf arbeitet man seit fünf Jahren an Planung und Finanzierung einer modernen Bibliothek am Petershagener Dorfanger. In Fredersdorf-Vogelsdorf beginnt die Debatte dazu erst jetzt in der Öffentlichkeit. Dennoch sprachen sich in der Tieckstraße an diesem Abend die meisten Redner schon für eine gemeinsame Bibliothek aus. Die Ausführungen der Fachleute zu Größe und Ansprüchen an eine 750 Quadratmeter große Einrichtung hatten sie offensichtlich überzeugt. Auch, dass die Kosten von rund 1,5 Millionen Euro gemeinsam besser zu schultern wären, waren sich alle einig. So warb Peter Berger für einen gemeinsamen Neubau. "Das braucht etwas Mühe, wäre aber ein beispielgebendes, lohnendes Projekt für die interkommunale Zusammenarbeit", sagte er. Ein Bürger aus Fredersdorf-Nord gab aber zu bedenken, dass die "Bücher doch zentral im eigenen Ort für alle erreichbar bleiben sollten". Vor allem für die Schulen dürften die Wege nicht zu weit sein. Katja Leese-Petzold aus Fredersdorf würde dem südlichen Bereich in Fredersdorf den Vorzug geben. Aber dann gebe es immer noch die Probleme der Erreichbarkeit für andere Ortsteile. "Die Busanbindungen müssen angesichts der beiden großen Flächengemeinden sowieso optimiert werden", sagte sie. Ein Eggersdorfer Bürger erinnerte an die Gemeindegebietsreform: "So wie die Gemeinden sich jetzt darstellten, das hätte auch anders kommen können." Dann gebe es das Thema so gar nicht, wenn es ein Ort wäre. Horst Bartel aus Petershagen wünschte den beiden Gemeindevertretungen, dass sie "mutig ans Problem herangehen" sollten. Wenn jede Gemeinde ihre eigene Bibliothek bauen würde, wäre das unendlich teurer. "Man könnte dann kleinere Ausleihen in den Ortsteilen organisieren", schlug er vor. Susanne Ewert, seit zwölf Jahren begeisterte Leserin in Fredersdorf, hofft, dass "ein moderner Neubau nicht die geliebte Atmosphäre, die Buchkultur, das Sinnliche, zerstört".
Die beiden Bürgermeister wollen den Meinungstrend für eine gemeinsame Bibliothek in den weiteren Entscheidungsprozess einfließen lassen.