"Nichts ist eines Kulturvolkes unwürdiger, als sich ohne Widerstand von einer verantwortungslosen und dunklen Trieben ergebenen Herrscherclique regieren zu lassen", war auf dem ersten Flugblatt vom Juli 1942 zu lesen, das die Münchner Studenten-Widerstandsgruppe "Weiße Rose" gegen den Nationalsozialismus verfasste. Hans und Sophie Scholl, die Anfang 1943 beim Verteilen gefasst und am 22. Februar dafür hingerichtet wurden, sind zu Symbolfiguren des Widerstands gegen Hitler geworden. Ihre Namen und das Todesdatum stehen auf der kleinen Plakette, die unterhalb des Straßenschilds angebracht ist. Dazu eine weiße Rose.
Dahinter liegt die Grünanlage mit dem Gedenkstein "Den Opfern der Kriege" - ein Stück Erinnerungskultur, wie sie Waldsieversdorf versteht und zu bewahren sucht. "Ohne ideologische Vorbehalte", betont der stellvertretende Bürgermeister Günter Schachler am Donnerstag in einer kurzen Rede.
Respektieren, erinnern, das Anliegen bewahren. So wie 500 Meter weiter am Volkstrauertag auf dem Friedhof oder 20 Kilometer entfernt an den Seelower Höhen. Schachler flicht eine persönliche Episode ein, da er genau in den Apriltagen 1943 geboren wurde. Weshalb sie ihren Sohn nicht Adolf genannt habe, sei seine Mutter noch im Wochenbett gefragt worden ...
Junge Leute aus den Gästehäusern des CVJM laufen ohne einen Blick vorbei. Hermann Zwerschke setzt die Trompete an die Lippen. Einige Bürger und Heimatvereinsmitglieder haben weiße Rosen mitgebracht. Von der Gemeinde wird eine Pflanzschale mit weißen Rosen auf die Stufen des Gedenksteins "Den Opfern der Kriege" gestellt. Man müsste "... und von Gewaltherrschaft" hinzusetzen, sinniert Otfried Schröck, "dann wären wir aktuell".