Der sich gegenwärtig bildende Stadtkonzern Strausberg soll von einer kollektiven Führung gelenkt werden. So beschlossen es die Stadtverordneten in ihrer jüngsten Sitzung.
Die Mehrheit war am Ende dann doch deutlicher, als es zuvor zu vermuten war: Nur die SPD-Fraktionsvorsitzende Sibylle Bock stimmte noch dagegen, drei CDU-Stadtverordnete enthielten sich der Stimme und 20 stimmten für die Beschlussvorlage der UfW/Pro Strausberg-Fraktion. Unter dem Betreff „Führungsstruktur des künftigen Stadtkonzerns“ heißt es dort: „Die Bürgermeisterin wird beauftragt, als Vertreterin der Stadt Strausberg (Gesellschafterin) in der Strausberger Eisenbahn GmbH, bis zum 1. Januar 2019 eine mehrköpfige Geschäftsführer(innen)struktur einzuführen.“ Aus dem Kommunalpolitikerdeutsch übersetzt, heißt das: Der Multigeschäftsführer Andreas Gagel (Strausberger Eisenbahn GmbH, Flugplatz Strausberg GmbH, Strausberger Stadtwerke GmbH, Sport und Erholungspark GmbH und Mitgeschäftsführer der Strausberger Wohnungbaugesellschaft mbH) wird sich die Führungsverantwortung für den künftigen Stadtkonzern Strausberg mit einem oder mehreren gleichrangigen Managern teilen müssen. Das Dach des Konzerns, die sogenannte Holding, wird die Strausberger Eisenbahn GmbH sein, zu der heute schon nicht nur die Fähre, sondern auch der Flugplatz gehören. In die Struktur eingebunden sind auch die Stadtwerke und die Strausberger Wohnungsbaugesellschaft, beides Töchter der Stadt, die, wie Alt-Bürgermeister Jürgen Schmitz (Die Fraktion: grün, liberal, bürgernah) in der Diskussion anmerkte, „das Vermögen der Stadt immer gut verwaltet und gemehrt haben“.
Sonja Zeymer von der Fraktion UfW/Pro Strausberg sagte in der Begründung der Vorlage: „Wir haben nach vielen Debatten und Fragen den Stadtkonzern vor einem Jahr auf den Weg gebracht und den Beteiligungsausschuss gegründet. Die städtischen Gesellschaften haben eine Eigendynamik entfaltet, da wollten wir mit dem Beschluss einen Stopp signalisieren.“ Die Vorlage sei bewusst neutral gehalten und biete Spielraum für die Ausgestaltung, aber sie sei konsequent auf eine kollektive Führung ausgerichtet. „Wohnen und Energie müssen sich in der Spitze widerspiegeln und vertreten sein“, sagte Sonja Zeymer und: „Wir müssen wieder stärker Verantwortung für unsere Gesellschaften übernehmen.“
Die Stadtverordneten debattierten, wie sie Einfluss auf Firmenstrategie und unternehmerische Entscheidungen nehmen können. Ronny Kühn (Linke) sieht diesen Einfluss durch die Bürgermeisterin als Vertreterin des Hauptgesellschafters Stadt gegeben: „Ihr müssen wir als Politik die Vorgaben machen.“ Die Aufsichtsräte seien Begleitungsgremien im Interesse der Tochtergesellschaften, auch der Beteiligungsausschuss hat keine beschließende, sondern nur beratende Funktion. Kühn griff den Vorschlag auf, eine Unternehmensberatung mit einer Studie zur Führungsstruktur des Stadtkonzerns zu beauftragen: „Da müssen wir der Firma rechts und links Pflöcke einschlagen, damit sie eine Orientierung hat.“
Sibylle Bock (SPD) hatte schon im Hauptausschuss gewarnt, es gäbe kein geeignetes Personal für eine kollektive Führung: „Manager können wir nicht einfach ranpfeifen.“