Die Mitglieder des nach der Kommunalwahl neu gegründeten Ausschusses für Klima und Umwelt mussten bei ihrer Sitzung in der vergangenen Woche eine herbe Niederlage einstecken. Vorgesehen war, dass Henner Haferkorn, Vorsteher des Wasserverbandes Strausberg-Erkner (WSE), und Karsten Knobbe, Vorsitzender der Verbandsversammlung des WSE, über Aufbau, Aufgaben, Arbeitsweise und aktuelle Arbeitsthemen berichten sollten. Im Vorfeld hatten beide außerdem diverse Fragen zur Debatte rund um den Wasserhaushalt und den sinkenden Strausseepegel erhalten (siehe Infokasten), aber auch zur Altanschließer-Problematik. Die Ausschussmitglieder wollten so mehr Transparenz herstellen, doch sowohl Haferkorn als auch Knobbe hatten dem Ausschussvorsitzenden Steffen Schuster (UfW Pro Strauberg) kurz zuvor schriftlich abgesagt und keine der Fragen beantwortet.
Vorsitzender enttäuscht
Haferkorn nannte terminliche Gründe und zeigte sich verwundert über den "angefragten Inhalt zur Arbeit des Verbandes". Der WSE bestehe seit 28 Jahren, seit Gründung des Verbandes arbeite die Stadt Strausberg im Vorstand mit, Bürgermeisterin Elke Stadeler seit 2010. Sie sei bestens über die Details der Arbeit informiert. Aktuelle Themen der Verbandsarbeit würden bei der Verbandsversammlung am 27. November eine Rolle spielen, stellte Haferkorn in Aussicht. Auch Knobbe verwies auf Elke Stadeler als seine Stellvertreterin. Er gehe davon aus, dass sie alle auftretenden Fragen "genauso kompetent beantworten kann, wie ich es könnte". Die rechtlichen Grundlagen der Arbeit des WSE seien außerdem auf der Internetseite des Verbandes "sehr gut zu entnehmen".
"Frau Stadelers Sicht auf die Dinge haben wir im vergangenen Ausschuss gehört", sagte Steffen Schuster. "Ich finde das Schreiben bemerkenswert, um nichts anderes zu sagen", kommentierte er Haferkorns Absage. "Wenn der Verbandsvorsteher terminliche Probleme hat, dann ist das eine Variante. Aber er hat auch Stellvertreter. Und wenn es sogar in seinem Urlaub Vorstandssitzungen gibt, die die Stellvertreter ohne ihn durchführen, wäre es aus meiner Sicht sicherlich möglich gewesen, einen geeigneten Vertreter hierher zu schicken, um mit uns in den Dialog zu treten." Doch das sei offensichtlich nicht gewollt. Zumal die Fragen auch schriftlich hätten beantwortet werden können. Die Zuschauer im Sitzungsraum ermunterte er, nun in die Verbandsversammlung zu kommen und die Einwohnerfragestunde zu nutzen. Die Absage von Karsten Knobbe habe ihn enttäuscht, sagte Schuster. "Das gewählte Bürgermeister sich in der Art und Weise aus ihrer Verantwortung stehlen, ist ein starkes Stück." Die Absagen sorgten auch bei anderen Mitgliedern für großes Unverständnis. Das Antwortschreiben des WSE sehe er "als Nichtachtung des Ausschusses und als herausfordernde Frechheit", sagte Frank Weber (sachkundiger Einwohner), immerhin sei Strausberg die größte Gemeinde im Verbandsgebiet.
Schuldfrage zu Wasserverlust
"Die Fragen werden aufgrund der Intransparenz des WSE gestellt", betonte er. Matthias Michel sagte, es sei schade, "dass Vertreter des WSE nicht davon Gebrauch gemacht haben, die Wogen zu glätten", warnte aber wie Jens Knoblich (beide Zusammen für Strausberg) davor, den WSE für den Wasserverlust im Straussee verantwortlich zu machen, solange die Ergebnisse des Gutachtens noch nicht vorliegen. "Ich bin für eine Versachlichung der Debatte, sonst ist es immer ein Gegenei­nander."
Angela Friesse (sachkundige Einwohnerin) sagte: "Die Informationspolitik des WSE bringt uns zur Raserei." Sie brachte sogar einen Austritt der Stadt aus dem Wasserverband ins Gespräch. Dieses Ansinnen habe es schon einmal gegeben, erklärte Elke Stadeler. "Ich sehe dafür keine Möglichkeit, wir haben das auch schon mal juristisch prüfen lassen."

Auszug aus dem Fragenkatalog an WSE:


1.) Wie sieht das Konzept des WSE aus, die zukünftige Trinkwasserversorgung im Verbandsgebiet bei einem weiter steigenden Bedarf unter Einhaltung der Förderhöchstgrenzen insbesondere im Wasserwerk Spitzmühle sicherzustellen?

2.) Wie bewertet der WSE die Entwicklung des qualitativen und mengenmäßigen Zustands des Grundwasserleiters, aus dem die Wasserwerke Bötzsee und Strausberg Grundwasser fördern (letzte 10 Jahre im Vergleich zum Ist-Zustand)?

3.) Wurde mit den Berliner Wasserbetrieben über einen Zukauf von Trinkwasser gesprochen? red