Es waren 32 Fahrzeuge, da sind wir wieder mal ziemlich stolz drauf", sagte ein strahlender Andreas Hauptmann, der die Moderation innehatte, in Garzin namens des gastgebenden Bürgervereins über den Umzug zum Auftakt. Während einige Teilnehmer unmittelbar nach Ankunft auf dem Dorfplatz schon wieder heimwärts tuckerten, blieben die meisten noch eine ganze Weile in der Runde stehen, so dass alle Gäste – einschließlich der später Gekommenen – noch ausgiebig die liebevoll dekorierten Trecker und Wagen bewundern konnten. Die Freunde alter Landtechnik Märkische Schweiz zeigten einmal mehr sichtbar Präsenz.
René Schmidt hatte seinen Traktor schon bald an eine spezielle Position geholt. Denn der diente als Antrieb für den großen Dreschkasten. Schnell noch mal die Standposition des Treckers anpassen, dann den Übertragungsriemen, der einmal runtergerutscht war, etwas besser spannen – und dann lief das gute Stück aus dem Jahr 1953, das über eine Fünffach-Schüttelwelle verfügt, wie das Publikum erklärt bekam. Da die Ernte diesmal nicht so toll war, wie René Schmidt sagte, hatte ein Nachbar mit dem Getreide für die Vorführung ausgeholfen.

Treffen der Leute aus dem Dorf

Natürlich schaute auch Garzau-Garzins Bürgermeister Stefan Fröbrich beim Festtreiben in diesem Ortsteil vorbei, wo später die Hennickendorfer Blasmusik aufspielte und abends noch die Gruppe Assassions Beat, eine spezielle Formation des Weltmeister-Fanfarenzugs Strausberg, für Stimmung sorgte. Es war das 13. Herbstfest, die wichtigste Veranstaltung des Bürgervereins, wie Hauptmann unterstrich. "Vor allem für die Leute aus dem Dorf eine Gelegenheit, sich zu treffen, gerade die Älteren kommen da mal raus."
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Vom noch einmal herrlichem Spätsommerwetter an diesem Tag profitierten wenige Kilometer entfernt ebenso die Reichenberger bei ihrem Erntedankfest. Dort war es Mandy Wavschiniak, die die Position am Mikrofon übernahm und allen dankte, die sich in die Vorbereitung und Gestaltung des Tages eingebracht hatten: "Freiwilligkeit ist eine wichtige Säule unseres Sozialsystems, ist der Kitt, der uns zusammenhält", betonte sie. So stärke es nicht zuletzt die ganze Dorfgemeinschaft, dass sich immer Helfer finden, die beim Zeltaufbau zupacken, Kuchen backen, sich schon ab Jahresanfang planerisch Gedanken machen oder später zum Sammeln von Spenden von Haus zu Haus ziehen. Und vielerlei Beiträge mehr, die nicht unbedingt jeder sieht.
Unübersehbar war hingegen die diesmal auch nach ihrem eigenen Empfinden besonders schöne Erntekrone von Hannelore Born, die im Kremser an der Spitze des Umzugs zum Festplatz gefahren und von Vizebürgermeister Kai-Uwe Krenz und Reno Schurke aufgerichtet wurde. Sofort flatterten die angehängten bunten Bänder im Wind. Das Binden ist eine alte, nicht ganz einfache Kunst, erklärte die Expertin gegenüber dieser Zeitung: "Wenn die Zeit ran ist, muss ich ein paar Mal raus aufs Feld, um mir ein Bild zu machen. Denn wenn das Getreide zu reif ist, bricht es schnell." Ein zu früher Erntezeitpunkt des Materials für die Erntekrone darf aber genauso wenig sein: "Dann welkt es, das hatte ich auch schon mal in einem Jahr."
Spaß macht es ihr jedoch immer wieder: "Man freut sich ja, für alle etwas Gutes zu tun"  – ganz besonders, wenn es so viele Festbesucher wie diesmal gebe. Gern würde sie ihre Fertigkeiten auch an Jüngere weitergeben, weshalb Mandy Wavschiniak am Mikro schon mal anmerkte, dass 2020 auch Erntekronenbinder-Nachwuchs willkommen sei.
Der Reichenberger Umzug zählte im 16. Festjahr übrigens 19 Fahrzeuge. Dass der hintere Anteil von den Feuerwehren aus allen drei Ortsteilen sowie Ihlow bestritten wird, hat schon Tradition – vorneweg fuhr der neue MTW, jüngster Zugang im Fuhrpark des Brandschutzes für die ganze Gemeinde. Von lebenden Pferdestärken gezogen waren ein paar der Wagen, bei anderen übernahmen das mehr oder weniger leistungsstarke Motoren. Ein ganz besonderer Hingucker war der große Fendt 924 mit Doppelbereifung – ein wahrer Trecker-Gigant, der sich da als Vertreter der Moderne neben betagten Exemplaren eingereiht hatte.
Erntedankfest 2019 in Reichenberg

Bildergalerie Erntedankfest 2019 in Reichenberg

Zum Glück ist der ehemalige Gutshof in Prädikow ausreichend groß – trotz des noch einmal größeren Andrangs war beim Hof- und Dorffest damit genügend Platz für alle da, ohne dass Gedränge entstand. So hatten die vielen Kinder nicht nur auf der Hüpfburg ihren Spaß, sondern versuchten sich auch einige Mädchen auf der Slagline zu halten, einem zwischen zwei Bäumen gespannten Doppelseil. Nebenan die Stände mit den kulinarischen Angeboten von Kaffee und Kuchen über Erbsensuppe aus dem großen Topf bis zu Grillwurst.
Die Begrüßung hatten Ortsvorsteher Andreas Behnen sowie Julia Paaß für die gastgebende Hofgemeinschaft vorgenommen. Es ist nun das dritte Mal, dass diese und der Verein Prädikower Kultur und Landleben ihre Kräfte gebündelt und gemeinsam an dieser Stelle eingeladen hatten. Nicht zuletzt abermals ein starkes Signal der Verbundenheit zwischen allen Alteingesessenen und den Neubürgern, mögen diese vereinzelt schon hier wohnen oder vorerst noch mit einem Bein in Berlin verankert sein.

Eine Bürgermeisterin dirigiert

Simona Koß, nunmehr auch Prötzeler Bürgermeisterin, traf wenig später nach ihrem Pflicht-Abstecher zum Sternebecker-Harnekoper Erntefest ein, um ihres zusätzlichen Amtes als Dirigentin der Prädikower Sangesfreunde zu walten. Dieser kleine Hobbychor, der sich alle zwei Wochen zum Proben trifft, hat sich vor allem den alten Volksliedern verschrieben. "Es zogen auf sonnigen Wegen", "Das Wandern ist des Müllers Lust" und ein paar weitere erklangen nun auf der Bühne im ehemaligen Eckspeicher. Mittendrin, musikalisch damit ganz passend eingerahmt, eine Passage aus den "Wanderungen" Fontanes. Der nun 200-Jährige hatte damals auch in Prädikow Station eingelegt, schrieb von der alten Ulmenallee, die die lange das Dorf prägenden Gutsherren von Barfus angelegt hatten, und natürlich der Kirche.
Mit einem vielbeklatschten Auftritt brachten sich ebenfalls die Prädikower Kinder ein. Erst ließen sie die Affenbande auf der Suche nach der Kokosnuss durch den Wald rasen, danach bahnte sich zum nächsten Tanzlied ein gebastelter Papp-Flieger seinen Weg über die Bühne.