Wer sich in den vergangenen Tagen Schloss Trebnitz näherte, dem sollten die Ohren geklungen haben. Musik drang aus allen Räumen - ein Tongewirr, das im ersten Moment alles andere als harmonisch klang.
77 Musikschüler aus allen Teilen des Landkreises - quasi von Zäckericker Loose an der Oder bis zum Berliner Rand, unabhängig von Alter, Fertigkeiten am Instrument und Geldbeutel der Eltern, wie der Leiter des mittlerweile 30. Orchestercamps der Kreis-Musikschule Märkisch-Oderland Frank Finsch betont - haben sich für vier Tage in den Räumlichkeiten des Bildungs- und Begegnungszentrums einquartiert.
Hier proben Mitglieder des Sinfonieorchesters Strausberg und des Streicherensembles konzentriert, studieren Neues, aber nicht zu Schwieriges ein und erweitern ihr Repertoire, geben am Ende ein Konzert. Abwechslung liefern Unternehmungen wie Töpfern, Wandern oder Bogenschützen-Vorführungen. Kino, Basteln und Malen mit Jüngeren sowie für alle ein Konzert mit der Gruppe Spilwut samt Erläuterungen zu deren mittelalterlichen Instrumenten standen diesmal im Plan.
Zunächst sind auf dem Gelände Blechblasinstrumente nicht zu überhören. Die Lautstärke strapaziert die Ohren von Neugierigen im Raum. Wieder und wieder unterbricht Kristian Meißner, mitten unter seinen Schülern sitzend, macht auf Fehler im Tempo aufmerksam, lobt an anderer Stelle, lässt erneut bei Takt 25 einsetzen.
Plötzlich, auf wundersame Weise, schält sich aus Hörnerklang und gestrichenem Kontrabass ein bekanntes Motiv heraus. "The James Bond Theme" liest es sich über dem Blatt auf den Notenständern. "Wir wollen die Eltern dieses Jahr mal mit Filmmusiken aus ihrer Zeit überraschen", erklärt Meißner, zugleich Leiter des Sinfonieorchesters Strausberg.
Nebenan sind "die Flöten", in einem weiteren Schlosszimmer "die Klarinetten" bei der Registerprobe. Hier wie bei anderen Gruppen von Musikschülern unterstützen ehemalige Schüler, teils inzwischen selbst Musiker oder Honorarlehrer wie Mandy Bellmann. Auch Eltern sind in die Betreuung involviert.
Das ist eines der Kennzeichen des bereits zu DDR-Zeiten unter dem damaligen Strausberger Musikschulleiter Eckehard Berhold begründeten Orchestercamps: Ob achtjährige Streicher-Elevin, betreuender älterer Schüler oder gestandener Lehrer - Musizieren funktioniert und motiviert nur im Miteinander. "Wir sind Gleichgesinnte in Sachen Musik", lautet dafür die Formel.
Das wird gelehrt, gelernt, gelebt. Seit mehr als 30 Jahren. Anfangs in Hermersdorf-Obersdorf, im Schullandheim, einmal sogar in Rheinsberg oder seit Mitte der 1990er-Jahre in Trebnitz. Nur um die Wende habe es wohl ein Jahr kein Orchestercamp gegeben, erinnert sich Finsch.
Er gehört wie seine Kollegen Elke Nawrotzky und Kristian Meißner zu den jungen Lehrern die damals jenen Versuch des Zusammenbringens von Bläsern und Streichern in einem Camp unternahmen und bis heute mit großem Engagement fortführen, denn an Camp-Willigen hat es noch in keinem Jahr gefehlt.
Immer wieder gibt es dabei Erlebnisse, die ihre Arbeit bestätigen und die Motivation der Schüler, ihre "Lust auf Orchester" heben. Das elektronische Schlagzeug, das die Musikschule kaufen konnte, habe die sechs Nachwuchsschlagzeuger nach dem Frühstück Schlange stehen lassen, wird berichtet.
In dem Zusammenhang heben die Lehrer die große Unterstützung durch die Kreissparkasse hervor. So kamen in vergangenen Jahren mal eine teure Orchestergeige, ein guter Kontrabass, eine schöne Tuba in den Bestand und dürfen von Schülern auch einmal gespielt werden - zusätzlicher Motivationsschub.