Mieter, Kunden und auch alle anderen Bürger hatten die beiden städtischen Gesellschaften anlässlich ihres Jubiläums bereits Anfang September zum Hoffest eingeladen. Am letzten Arbeitstag von Hartmut Ehrlich und wenige Tage vor dem eigentlichen Geburtstag am 15. November wurde nun im Volkshaus Strausberg-Nord im engeren Kreis gefeiert, sofern man bei rund 250 Gästen - Geschäftspartner, Kommunalpolitiker, Vertreter der Aufsichtsgremien sowie Mitarbeiter - davon sprechen kann.
Bei einem "Geburtstagstalk" mit Uwe Madel vom rbb-Fernsehen beleuchteten Jürgen Schmitz, der als Nachwende-Bürgermeister die Gründung der Gesellschaften befördert hatte, die jetzige Amtsinhaberin Elke Stadeler sowie die drei Geschäftsführer Andreas Gagel, Hartmut Ehrlich und Mathias Wegner-Repke die Zeit von den Anfängen bis heute. Es sei damals auch um eine Perspektive für seine ehemaligen Kollegen im VEB Gebäudewirtschaft gegangen, berichtete Schmitz. Er hob zudem hervor, dass im Vorfeld im Kreistag Strausberg "genug gebaggert" worden sei, so dass auch dort eine Mehrheit zustande kam. Es hatte aufwendiger Recherchen, bergeweise Papier und auch juristischer Schritte bedurft, das kommunale Eigentum in die Hände zu bekommen. Das Stammkapital hätten sich die Unternehmen damals "borgen" müssen, denn die Stadt hatte es nicht. Und er bescheinigte den "Machern", dass sie es "gekonnt" und "ihre Sache gut gemacht" hätten.
Einen Masterplan hatte es damals zunächst nicht gegeben. "Den brauchten wir auch nicht. Wir hatten einen Versorgungsauftrag, mussten erst mal weiter heizen." Zudem habe man eine "funktionierende Einheit" gehabt, mit der sich Geld verdienen ließ, so Gagel. Und Ehrlich, der im April 1991 als Geschäftsführer gestartet war, formulierte: "Wir hatten den guten Willen, nach vorn zu kommen, sind richtige Schritte zum richtigen Zeitpunkt gegangen." Einiges wäre indes heute angesichts ausgeprägter Regulierung nicht mehr möglich.
Bürgermeisterin Elke Stadeler, vor ihrer Zeit auf dem Chefsessel im Rathaus als Finanzerin eingebunden, sprach von "mutigen Entscheidungen" auf einer guten Basis und einem Vertrauensverhältnis, als es bei der SWG beispielsweise um die Zukäufe ehemaliger Armeewohnungen gegangen sei.
Nach der Sanierung des Bestandes stieg das Unternehmen zunehmend in den Neubau ein. Erinnert sei an das Blau-Weiß in der Vorstadt oder vor allem das Haus am See am Fichteplatz. "Es wurde lange auf einen großen Investor gewartet, der war dann die SWG", so Ehrlich.
Bei den Stadtwerken kamen zur Wärmeversorgung Mitte der 1990er-Jahre Stromerzeugung und -lieferung hinzu. Später übernahm die Geschäftsführung zugleich Verantwortung für Flugplatz, Strausberger Eisenbahn und zuletzt auch den Sport- und Erholungspark. Ulrich Müller von der EWE, Chef der IHK Ostbrandenburg, würdigte das "glückliche Händchen" und lobte, dass in Strausberg die Politik stets auch wirtschaftlich gedacht habe.
Die Bürgermeisterin würdigte die Rolle der Töchtergesellschaften nicht nur für gutes Wohnen und Energie, sondern auch für Kultur und Vereinsleben in der Stadt. "Und die 775-Jahr-Feier wäre ohne sie nie so schön geworden", war sie überzeugt. Auf Erreichtem lasse sich gut aufbauen, und es biete sich die Möglichkeit, Neues zu schaffen, blickte Wegner-Repke voraus. Angesichts der aktuellen "Herausforderungen" mit Flüchtlingen appellierten alle an Besonnenheit, Sachlichkeit und Kommunikation. "Wenn die Möglichkeiten aktiv genutzt werden, schaffen wir das", befand Ehrlich und sein Nachfolger glaubt, man habe die Zeit, alles zu meistern.
Magier Wolfgang Moser aus Österreich kann dabei trotz seiner Kräfte eher nicht helfen. Der Vizeweltmeister begeisterte aber mit unglaublichen Tricks. Auch die Musik von Ines Weber (Saxophon) und Joachim Dette (Bass) sowie das Tanztheater Strausberg kamen gut an. Dessen heutiges Domizil in der Parkstraße war eines der ersten gemeinsamen Projekte von SWG und SSG, das Jüngste ist die im Bau befindliche Polizeiinspektion.
Einige gemeinsame Momente sind in einem Fotobuch festgehalten, das Gagel seinem Chefkollegen überreichte. Und die abschließende Lasershow hatte neben der 775-jährigen Stadtgeschichte eine persönliche Ergänzung zu Ehrlich erfahren. Nicht zuletzt dadurch gesellten sich am Ende zu aller Sachlichkeit auch Emotionen ...