Für Ursula Eckert war der Sonnabend ein doppelter Freudentag. Nicht nur, dass sie ihren 79. Geburtstag feierte, mit der Einweihung des Radwegs nach Strausberg erfüllte sich auch ihr großer Traum. Seit den frühen 1990er-Jahren hatte sich die einstige Gielsdorfer Bürgermeisterin und Ortsvorsteherin dafür eingesetzt, ob im Amtsausschuss oder der Stadtverordnetenversammlung. „Immer wenn ich mich bei Haushaltsdebatten oder in Bauausschüssen gemeldet habe, wussten die anderen, dass ich dieses Thema anspreche“, erinnerte sie sich.
Auch der jetzige Ortsvorsteher, Günter Sparchholz, konnte mit seiner Freude nicht hinter dem Berg halten. „Für uns alle ist heute ein Feiertag“, sagte er. Aus diesem Anlass hatte er ein weißes T-Shirt an mit dem Schriftzug „Fahrradweg Gielsdorf/Strausberg – Jetzt – Geschafft“. Das T-Shirt hatte er bereits im Sommer 2014 getragen, als 120 Bürger aus Gielsdorf und Umgebung mit einem Fahrradkorso nach Strausberg und zurück ihrer Forderung nach dem Bau eines Radwegs an der Landesstraße 23 Ausdruck verliehen. Für die Einweihung ließ er nun noch das Wort „Geschafft“ dazudrucken. Der damalige Verkehrsminister Jörg Vogelsänger hatte 2014, sechs Jahre nach Planungsstart, die Zusage gemacht, dass der Weg mit Fördermitteln ausgebaut wird.
Seiner Nachfolgerin im Amt, Kathrin Schneider, oblag es nun, den Weg vor fast 100 froh gestimmten Gielsdorfern, Strausbergern und Gästen aus der Umgebung einzuweihen. „Dass der Radweg notwendig ist, war uns allen schnell klar. Doch wir haben eine lange Ausbauliste und nicht genügend Geld für alle Projekte“, sagte sie. Umso schöner sei es, dass der Weg nun mit Geld aus dem Fonds für regionale Entwicklung, rund 560 000 Euro, und Landesmitteln von 160 000 Euro für insgesamt 720 000 Euro realisiert worden sei. „Doch selbst, wenn man das Geld hat, hat man noch lange kein Baurecht“, sagte die Ministerin. Hier habe der gemeinschaftliche Wille aller Akteure geholfen, insbesondere der beteiligten Städte Altlandsberg und Strausberg und des Landesbetriebs Straßenwesen. Sie hatten eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. „Bauherr war die Stadt Altlandsberg im Auftrag des Landesbetriebs“, erklärte Altlandsbergs Bürgermeister Arno Jaeschke.
In seiner Rede dankte er neben den Verwaltungen und beteiligten Baufirmen besonders den Grundstückseigentümern an dem Weg, mit denen man sich einvernehmlich einigen konnte. „So mussten wir nicht ins Planfeststellungsverfahren gehen mit möglichen Enteignungen und Rechtsstreitigkeiten. Dann wäre der Weg noch nicht in Sicht“, sagte Jaeschke. Strausbergs Bürgermeisterin Elke Stadeler hob die gute Zusammenarbeit zwischen den Verwaltungen hervor. „Ich finde es gut, dass wir das Land so konsequent an seine Pflicht erinnert haben, Radwege zu bauen. Die Region Strausberg und Ostbrandenburg braucht mehr Radwege“, sagte sie.
Genutzt wird der 1,6 Kilometer lange und 2,50 Meter breite Radweg – zu der Maßnahme gehört auch eine Ortseingangsinsel in Gielsdorf mit Querungshilfe – von vielen Radfahrern schon seit Ende Juni. Seitdem ist die Asphaltdecke drauf. „Ein völlig neues Lebensgefühl“, sagte einer von ihnen am Sonnabend im Vorbeigehen zu Arno Jaeschke. Auch die Gielsdorferin Marianne Dräger, Hobbyradfahrerin, ist begeistert. Am Sonnabend fuhr sie die Strecke, die zwei ihrer Enkel – ebenso wie viele andere Grundschüler aus Gielsdorf – nun als Schulweg nach Strausberg nutzen können. Vor allem wegen der Sicherheit für die Kinder sei der Weg wertvoll.