In kleiner Besetzung haben einige Mädchen und Jungen vom „Kinderstübchen“ erst dieser Tage die Feierlichkeiten zu 125 Jahre Villenkolonie bereichert, stimmten auf dem Festplatz einen bunten Liederreigen an. Solche Auftritte bei größeren Veranstaltungen im Ort haben Tradition. Beispielsweise auch zum alljährlichen Weihnachtsmarkt am WaldKautz dürfen die Steppkes mit einem Programmbeitrag nicht fehlen. Ihre Einrichtung allerdings ist schon länger mit begrenzten Räumlichkeiten an die Kapazitätsgrenzen gestoßen. Derzeit werden insgesamt 60 Kinder mit Sondergenehmigung betreut. Da der Standort Waldsieversdorf aber auch im Kitabedarfsplan des Landkreises regulär mit 60 Plätzen verzeichnet ist, drängt die Zeit, mit einem geplanten Anbau alles baulich und rechtlich auf solide Füße zu stellen.

Erste Anläufe schon vor drei Jahren

Schon 2017/18 hatte der Trägerverein versucht, in Eigenregie die Erweiterung in die Hand zu nehmen, mit der laut den allgemein geltenden Flächenbedarfen ein weiterer Gruppenraum für zehn Kinder entstünde und der Sonderstatus entfallen würde. Die seinerzeitige Hoffnung auf Fördermittel aus dem Leader-Programm zerschlug sich aber am Ende, ruft Bürgermeister Dietmar Ehm die Vorgeschichte in Erinnerung.
Im Laufe des Jahres 2019 nahm sich dann die Gemeinde, der ja die Immobilie sowie der Grund und Boden gehören, des Vorhabens an. Hintergrund war auch, dass es ein neues Förderprogramm gab, das 5000 Euro Zuschuss pro Kind versprach – also eine Gesamtförderung von 50.000 Euro. In den Haushalt wurden darüber hinaus zur Umsetzung 2020/21 weitere 150.000 Euro aus eigenen kommunalen Mitteln eingeplant.

Massive Kostensteigerung

Spätestens seit der jüngsten Gemeindevertretersitzung diese Woche ist klar: Die ursprünglich als ausreichend erachtete Summe wird nicht genügen. Am Ende könnten sogar 320.000 bis 350.000 Euro stehen, fasste der Bürgermeister nach der aktuellen Variantenvorstellung durch Frank Seidel, Geschäftsführer des gleichnamigen Ingenieurbüros aus Neuenhagen, zusammen. Mehrkosten gibt es insbesondere durch einen zusätzlichen Raum von etwa 20 Quadratmetern für die Erzieherinnen, der mit etwa 70.000 Euro zu Buche schlagen würde.
Gerade um dieses Detail, das erst kürzlich als möglicher Zusatz aufgenommen wurde, entspann sich jetzt noch einmal eine Debatte. Eine formelle Abstimmung gab es in der Sache noch nicht, wohl aber ein teilweise positives Stimmungsbild in kleinerer Runde. Das resultiert einerseits aus der Zusicherung seitens der Kämmerei, dass auch die Mehrausgaben bei den Investitionsmaßnahmen im Haushalt noch darstellbar wären. Andererseits aus dem expliziten Hinweis Seidels: „Sollten Sie das Erzieherzimmer überhaupt bauen wollen, wäre es günstig, es jetzt gleich mit zu machen.“ Eine spätere Ergänzung würde in jedem Fall aufwändiger und teurer werden.

Ausschreibung mit Glück etwas billiger

Weitere Kostentreiber in der aktuellen Planung sind außerdem diverse Nebenleistungen oder auch die großen Fensterfronten. Manches sei ein Mehraufwand in der Umsetzung, den die Baufirmen einpreisen würden: „Vielleicht haben Sie ja Glück, dass es in der Ausschreibung hier und da günstiger wird, als jetzt berechnet.“ Gerade wenn sich vielleicht Unternehmen aus dem Ort selbst bewerben, denen das Projekt direkt am Herzen liegt.
Gerade der Bürgermeister machte sich in der Debatte dafür stark, keine halben Sachen zu machen. Dass ein Provisorium mit Sondergenehmigung sich nun schon über fünf Jahre ziehe, nerve ihn persönlich. Kinder wie Erzieher bräuchten zügig das Mehr an Platz für ordentliche Bedingungen. Ähnlich äußerten sich Günter Schachler und Gabriela Rinast-Bertram. Die Mehrkosten seien auch deshalb verschmerzbar, weil die Investition über einen Zeitraum von 80 Jahren abgeschrieben werde. Umbauten im Bad-Bereich sollen erst später erfolgen, wenn auch dafür extra Fördermittel in Aussicht stünden, hieß es.