In jedem Frühjahr veranstaltet der Förderkreis für künstlerische Jugendarbeit mit Sitz in Berlin in der Strausberger Altstadt ein zweitägiges Kinder- und Jugendfestival. Er bietet damit Kinder-und Jugendgruppen eine große Bühne, um ihre künstlerischen Ensemble- oder Einzelleistungen zu präsentieren. Im Oktober 2020 beantragte Geschäftsführerin Heike-Doreen Klein erneut die Förderung aus dem Fonds Kinder- und Jugendarbeit der Stadt für das diesjährige Festival, das am 5. und 6. Juni auf dem Platz vor der Sparkasse stattfinden solle.

Sozialer, integrativer und inklusiver Grundgedanke

Der Grundgedanke des Festivals ist sozial, integrativ und inklusiv ausgerichtet: Kinder und Jugendliche jeglicher sozialer Herkunft sollen eine Auftrittsmöglichkeit erhalten, um ihr Talent zu zeigen. Gerade Gruppen mit ausländischer Beteiligung waren in vorangegangenen Festivals in Strausberg gut vertreten. Aber auch behinderte Kinder und Jugendliche will der Förderkreis einbeziehen. Sie sollen dabei gleichberechtigte Gewinnchancen im Wettbewerb bekommen, weil in diesen Festivals gewissermaßen alle Teilnehmer gewinnen und mit Preisen bedacht werden. „Gerade während oder nach der Pandemie ist die Vereinsamung der Kinder und Jugendlichen und somit eine gewisse Orientierungslosigkeit gut zu beobachten“, weiß Heike-Doreen Klein. Dabei fühle sie sich vom Bereich Prävention der Polizei bestätigt. Dessen Leiter in der Polizeiinspektion Märkisch-Oderland, Jürgen Schirrmeister, gehört von Anfang an zur Jury, von der es im Förderantrag heißt: „Die Teilnehmer für das Festival in Strausberg kommen aus Kitas, Schulen, Horten, Vereinen, Tanzschulen, und freien Gruppen. Alle Gruppen treten vor einer wohlwollenden Jury, differenziert nach Altersstufen und Leistungsvermögen, auf und erhalten vor einer großen Öffentlichkeit ihre Urkunden und Pokale.“ Es gebe keine Verlierer, alle erhielten ihre Anerkennung, deshalb sei das Festival so beliebt. Der Förderkreis gibt sich überzeugt, dass gerade nach der Pandemie die Teilnehmerzahl noch steigen werde, und rechnet mit 500 Zuschauern. Er verweist darauf, dass er in enger Abstimmung mit dem Gesundheitsämtern im vergangenen Jahr bereits unter Pandemie-Bedingungen Indoor-Festivals veranstaltet habe. So das letzte seiner Art am 31. Oktober/1. November 2020 im Kulturhaus Rüdersdorf. Dort hätten bereits bei Weitem nicht alle Anmeldungen in den Starterlisten berücksichtigt werden können, hieß es in der Auswertung.

Öffentlichkeitsarbeit in der Sinnkrise

In ihrer Kostenaufstellung haben die Veranstalter Gesamtausgaben von fast 13.000 Euro aufgelistet. Davon wünschten sie sich 4800 Euro von der Stadt Strausberg. Beim Land will der Förderkreis 5000 Euro Förderung beantragen, wenn er von der Stadt eine Zusage erhält. Der Rest soll über Spenden und Sponsoring Dritter eingeworben werden. Die Förderrichtlinie der Stadt für Projekte der Kinder- und Jugendarbeit verlangt die Einbeziehung des Kinder- und Jugendparlaments, bevor der Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung darüber entscheidet. „Sie sind sehr streng im Kinder-und Jugendparlament“, sagte Fachbereichsleiterin Gudrun Wolf in der jüngsten Ausschusssitzung, die über den Antrag entscheiden sollte. In der Stellungnahme steht, dass sich die Förderung sehr schwer gestalte: „Zum Beispiel ist der Kostenplan sehr intransparent, undetailliert und unverhältnismäßig teuer. So beträgt allein der Posten der Öffentlichkeitsarbeit (Radio, Banner, Verteilung, soziale Medien, Drucke, Grafik) 4940 Euro.“ Die Kinder- und Jugendparlamentarier bezweifeln, dass dieser Aufwand gerechtfertigt sei, wo doch an anderer Stelle vom steigenden Zulauf aus Schulen, Kitas und anderen Gruppen die Rede sei. Ihr Vorschlag: Kürzung dieser Position um 2500 Euro auf 2440 Euro.

Einstimmiges Votum für halbe Fördersumme

In der Debatte äußerte Stadtverordneter Thomas Frenzel (Fraktion Zusammen für Strausberg) Zweifel an den Zuschauerzahlen, auch Stadtverordnetenvorsteher Steffen Schuster (UfW/Pro Strausberg) fragte nach, wer denn die Angaben kontrolliere. Bürgermeisterin Elke Stadeler relativierte, dass man diese Maßstäbe dann allerdings auch bei anderen Förderanträgen anlegen müsse. In der Abstimmung folgte der Hauptausschuss einstimmig dem Vorschlag des Kinder- und Jugendparlaments und halbierte den Zuschuss zum Festival. Ob es allerdings Anfang Juni stattfinden kann, wird nicht nur eine finanzielle Frage sein.