"Ist interessant, mal zu sehen, was andere machen. Viele Brieftaubenausstellungen gibt es ja nicht mehr", sagt Lutz Dähne. Der Eggersdorfer gehörte zu den ersten Besuchern am Sonnabend im Märkischen Hof. Er selbst züchtet seit mehr als 20 Jahren Rassetauben, hat mit seinen Texanern sogar schon einen Deutschen Meistertitel geholt. Willi Schulz aus Hennickendorf hingegen war gekommen, um ein paar Tiere mitzunehmen. Er selbst sei "Halter, nicht Züchter", erklärt er, habe nur einige Exemplare. "Ich habe Tauben schon seit ich laufen kann", erzählt er. Sie bleiben bei ihm in einer Voliere. "Sonst holt sie der Habicht", nennt er den Grund.
Probleme mit Greifvögeln sind auch Wolfgang Heß aus Rüdersdorf nicht fremd. Er war unter anderem deshalb vor einigen Jahren von Reisetauben, die weite Strecken fliegen, auf Schönheitstauben umgestiegen, hat seitdem bereits über 40 Preise eingeheimst. "Vor zwei Jahren hatte ich hier den besten Jungvogel, voriges Jahr den besten alten und diesmal das beste Weibchen", erzählt der 77-Jährige erfreut. "Wir hatten diesmal Preisrichter, die mehr auf große Vögel stehen", fügt er hinzu. Da passte sein "Blauspieß" offenbar gut ins Bild, erhielt mit 94 Zählern die beste Wertung.
Die Spitzenpunktzahl wurde für eine ganze Reihe der 70 Tiere im oberen Saal verteilt. "Keine Taube hatte unter 93 Punkte. Wir wissen halt, was wir tun, wir sind ja schon alle über 20 Jahre dabei", bemerkte denn auch Vereinsvorsitzender Ulrich Krüger aus Kagel bei der Siegerehrung. Heß sieht den Brieftaubensport allerdings "am Aussterben": "Es gibt kaum noch Leute unter 60", begründet er.
Markus Vorbau aus Rehfelde sticht mit 41 da deutlich heraus. Er ist Vereinschef in Fredersdorf. "Bei uns sind mehr die etwas Jüngeren, auch aus Strausberg, Müncheberg, Neuenhagen, Hennickendorf, Rehfelde ...", berichtete er. Er selbst ist seit 1996 Züchter, hat die Passion vom Vater übernommen. Nach einer Pause war er 2009 wieder eingestiegen - erfolgreicher als zuvor. "Der Schlag war vorher zu kalt. Da sind die Tauben nicht geworden", erklärt er. In dem neuen Bau nach "mediterraner Art" mit Fußbodenheizung und Tageslichtlampen fänden die rund 50 Vögel nun beste Bedingungen. Ein Weibchen schaffte es in der bundesweiten Rangliste schon auf Platz 31, erzählt er.
Vorbau ist fasziniert von der Leistung der kleinen Tiere, die nach dem Auflassen hunderte Kilometer ohne Pause fliegen, um schnellstmöglich nach Hause zu kommen. Dass sie bei den Wertungsflügen, die in die Ranglisten eingehen, schnelle Zeiten erreichen, erfordere aber auch einen ziemlichen Aufwand, gibt er zu. Weil bei der Schau in Rehfelde-Dorf anderer Kriterien galten als im Bundesvergleich, wurde sein Tier dort auf Platz acht gesetzt. "Voriges Jahr hatte ich den ersten", fügt er deshalb hinzu.
Das beste Weibchen von mehr als 100 Tieren aus sechs Vereinigungen des Regionalverbandes zwischen Oberhavel und Königs Wusterhausen stammt aus dem Schlag von Angela Targatz aus Eberswalde, der beste Täuber aus der Startgemeinschaft Elsner aus Rüdersdorf. Ines, Roger und Lothar Elsner holten sich zugleich den Mannschaftssieg.
Ob es im nächsten Jahr wieder so ein großes Treffen in Rehfelde-Dorf gibt, bei dem sich mehr Züchter besser kennen lernen, konnte Mitorganisator Gerhard Lang aus Lichtenow noch nicht sagen. Es sei zum einen eine Kostenfrage und "es hängt ja auch ne Menge Arbeit dran", sagte er.