Die Reparatur war erledigt, der „Störfall“ Kabelklau auf der Ostbahnstrecke Berlin–Kostrzyn am Donnerstagvormittag beseitigt. Doch am Freitag verkehrt wiederum kein einziger Zug zwischen Strausberg und Müncheberg. Nur die beiden Abschnitte Strausberg–Berlin-Lichtenberg und Müncheberg–Kostrzyn können bedient werden. Nach dem Mittag betrifft die Sperrung überdies die Strecke zwischen Müncheberg und Seelow-Gusow.
Nach dem Kabelklau in der Nacht zum Mittwoch und der Reparatur durch die DB Netz waren die Kabeldiebe in der Nacht zum Freitag abermals unterwegs. „Diesmal ist in dem Segment zwischen Strausberg und Müncheberg zugeschlagen worden, während es zwei Nächte zuvor  bei Alt Rosenthal der Fall war“, sagte NEB-Pressesprecher Holger Reimann der MOZ.
Die Bundespolizei hat am Freitag um 2.30 Uhr die Information von der Bahn bekommen, dass es erneut einen Defekt gegeben hat, informiert Matthias Lehmann von der Bundespolizeidirektion Berlin. Man habe den näheren Tatbereich zwischen Rehfelde und Müncheberg abgesucht. Dabei kam auch ein Polizeihubschrauber zum Einsatz.
Weder dieser noch die Nachsuche am Boden konnten zu den Tätern führen. Die Ermittler der Bundespolizei seien aber dabei, Beweise zu sichern und auszuwerten. Ähnlich verhalte es sich bei dem Kabeldiebstahl vom Mittwoch. Wie dort, so wurde auch diesmal Kabel gestohlen. Wie viel und welches Material, das gehöre zu den Daten der laufenden Ermittlung. Angesichts der zum Teil kaum zugänglichen Bahnstrecke könne es trotz stärkerer Streifentätigkeit nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Taten erfolgen, so Lehmann.
Derweil haben NEB und Fahrgäste am Freitag mit den Folgen der wiederholten Diebstähle zu kämpfen. Am zeitigen Morgen habe man zunächst einen Ersatzbus einsetzen können, um wartende Fahrgäste einzusammeln, inzwischen sei die NEB mit drei Bussen unterwegs, sagte NEB-Pressesprecher Reimann auf Nachfrage am Vormittag.
Die regulären Fahrtzeiten könnten unter diesen Umständen nicht eingehalten werden, bedauert er und bittet um Verständnis. „Wir haben auch noch keine Informationen darüber, wie lange die Reparatur durch die Deutsche Bahn dauert.“
Das wissen die Fahrgäste, die am Freitagmittag vom Bahnhof Rehfelde mit der Oderlandbahn Richtung Berlin fahren wollen, auch nicht. Sie haben maximal die in Endlosschleife laufende digitale Fahrgast-Information am Bahnsteig gelesen: „Information zur Linie RB 26 heute zwischen Müncheberg und Strausberg sowie Gegenrichtung. Ersatzverkehr durch Bus. Grund dafür ist eine technische Störung auf der Strecke. Wir bitten um Entschuldigung. Bitte informieren Sie sich.“
Das mit der digitalen Anzeige funktioniere gut, bestätigt eine Frau, die inzwischen vom Bahnsteig an die gegenüberliegende Bushaltestelle gewechselt ist. Was nichts am Tatbestand ändere, dass man sich auf die Bahn nicht verlassen könne. Sie habe schon eine Stunde zusätzlich als Karenzzeit eingeplant, weil sie einen wichtigen Arzttermin in Berlin habe, sagt sie. Sie hofft, den zu schaffen, wenn sie in Strausberg umsteigen kann.
Strausberg ist für eine junge Frau, die ebenfalls auf den Bus wartet, der neuralgische Punkt. Schön, wenn wenigstens die Verbindung Lichtenberg–Strausberg klappt, doch wenn man anschließend eineinhalb Stunden auf den Bus warten muss, um nach Rehfelde zu kommen, dann könne keine Freude aufkommen – zumal der Bus quasi wenige Minuten zuvor abgefahren sei und nicht gewartet habe ...
Diese beiden berührt der stetige Zugausfall deutlich mehr als den jungen Mann, der auf dem Weg zum Kaffee mit einer Bekannten ist, oder den Studenten, der sich zur freien Arbeit in der Studiengruppe verabredet hat. Schön aber sind die ungeplanten Verspätungen für keinen. Eine gute Viertelstunde nach der regulären Abfahrtszeit sammelt ein Gliederbus die inzwischen fünf Wartenden ein. Ein Zweiter hält kurz darauf.
„Sicherheit geht vor“, sagt DB-Netz-Pressesprecher Burkhard Ahlert zu dem unerfreulichen Tatbestand. Wenn der Fahrdienstleiter aufgrund nicht intakter Signalkabel keinen Überblick über die Strecke besitze, am Pult im Stellwerk nicht wisse, ob die Weichen und Signale richtig gestellt und angezeigt seien, dann „können wir in dem Bereich nicht fahren und müssen erst reparieren“, sagt er. Es bleibt zu hoffen, dass Verursacher gefunden und dingfest gemacht werden können.