Eine Augenweide ist der denkmalgeschützte Kaiserbahnhof am S-Bahnhof Hoppegarten derzeit nicht mehr. Höchste Zeit, dass etwas passiert, bevor die einstige Schönheit komplett in sich zusammenfällt oder ihr Vandalen den Rest geben.
Die Fachausschüsse hatten sich im Vorfeld der Gemeindevertretersitzung mit mehreren Varianten der Nutzung des Gebäudes vertraut gemacht. Zur Auswahl und zur Entscheidung hatten gleich vier Konzepte vorgelegen.
Eine qualifizierte und gründliche Vorarbeit hatten die Studenten des Masterstudiengangs Fachgebiet Historische Bauforschung der TU Berlin geleistet. Bis zu 30 Studenten waren daran beteiligt, die ihre Forschungs- und Untersuchungsergebnisse im Juni vorigen Jahres in aller Öffentlichkeit vor rund 150 Interessenten präsentiert hatten. Neben der Bauforschung, der Baubeschreibung, einem Blick in die damaligen Bauabläufe legten sie auch eine Sanierungsvorplanung vor und stellten Überlegungen zur künftigen Nutzung an. Um die geht es nun.
Vier Konzepte stehen den Gemeindevertretern zur Auswahl. Das erste Nutzungskonzept teilt den Kaiserbahnhof, der Ende des 19. Jahrhunderts im Zusammenhang mit der florierenden Galopprennbahn errichtet wurde, in zwei voneinander unabhängige Bereiche mit Restaurant einerseits und Ausstellungs- sowie Informationszentrum andererseits. Das zweite Konzept ist ähnlich, auch hier könnten sich die Studenten eine Gaststätte, einen Backshop und Tourismusinformation sowie öffentliche Toiletten vorstellen. Eine weitere Möglichkeit wäre, den westlichen teil mit dem ehemaligen Fürstenzimmer für Information und Ausstellungen zu nutzen und im übrigen Gebäudeteil die denkmalgeschützte Substanz freizulegen und gesichert in eine Art saisonale Gastronomienutzung einzubetten. Die vierte Vorschlag sieht vor, einen Investor zu finden, der die Tourismusnutzung einbeziehen sollte.
Eine Entscheidung, wie es weitergehen soll, wird auch deshalb nötig, weil ansonsten keine Fördermittel beantragt werden könnten, worauf die Verwaltung hinwies. Als Tendenz wurde im Bauausschuss deutlich, dass man für diesen Ort auf eine gastronomische Einrichtung hoffe, obwohl die wirtschaftliche Situation anderer Gaststätten dagegen spräche, wie zu bedenken gegeben wurde. Jörg Schultchen (FDP/FW/Bü. 90/Grüne) erinnerte daran, dass ein früherer Besitzer des Bahnhofs sich aus den Einnahmen fünf Villen habe bauen können. Ruth Schaefer argumentierte mit dem Gegenbeispiel des Logierhauses, in dem es nur noch Wohnungen geben werde, "weil es sich eben nicht mehr rechnet". Einig war man sich indessen, dass man eine Tourismusinformation haben wolle, öffentliche Toiletten wichtig seien und ein Restaurant das Ziel aller Wünsche wäre. "Eigentum verpflichtet und ein Denkmal erst recht", sagte Stefan Radach (BfH), womit die entsprechenden Varianten favorisiert wurden.