Behutsam. Das ist das Wort, das Ansgar Scharnke benutzt, wenn er über das Bevölkerungswachstum spricht. Der ungebremste Zuzug, der bereite ihm Sorge. In der gesamten Amtszeit von Jürgen Henze seien 1500 Neuenhagener hinzugekommen. So viele, wie allein im Gruscheweg und Am Holländer jetzt in kürzerer Zeit hinzukommen. Mit ihm, so betont der Rechtsanwalt, wird es keine neuen Eigenheimgebiete geben. Weder auf den Feldern in Richtung Hönow noch an der Schöneicher Allee. Einführen möchte er Bebauungsgrenzen. Es sei ein Unterschied, ob man auf einem 800 Quadratmeter großen Grundstück drei Eigenheime baue oder ein Mehrfamilienhaus. "Neuenhagen soll eine Gartenstadt bleiben und nicht zugebaut werden. Ich habe Sorge, wenn nichts unternommen wird, das Letzteres passiert", sagt der Vater von Erin (11) und Paul (8).
Kritisch sieht er die Schulentwicklung. Die sei in den vergangenen Jahren verschlafen worden. Es dauere mindestens bis 2022, ehe die neue Grundschule steht. Geht es nach der Verwaltung, dann wird zuerst am Gruscheweg gebaut. Heißt der neue Bürgermeister Ansgar Scharnke, dann würde er versuchen, die Gemeindevertreter zu überzeugen, zuerst eine neue Grundschule in Nord zu bauen. Ob auf dem Reichelt-Dreieck oder in der Parkstraße - das lässt der Katholik offen. Alle drei Standorte hätten den gleichen planerischen Stand. "Die neue Grundschule wäre für mich Chefsache im ersten Jahr. Wir können uns keine Zeitverluste mehr erlauben", betont er. Im Gruscheweg hätte er gern eine weiterführende Schule. Da sieht er den Landkreis in der Pflicht. Auch die Qualität der Bildung ist ihm wichtig. Er möchte als Bürgermeister eine Initiative unterstützen, dass schon Grundschüler das Programmieren lernen. Das sei die Zukunft, an der niemand vorbei käme.
Die Entwicklung des Verkehrs stünde im direkten Zusammenhang mit der Bevölkerungsentwicklung. Geht das im Speckgürtel so weiter, komme schon bald der Zehn-Minuten-Takt der S-Bahn. Der Autoverkehr käme aber in Neuenhagen zum Erliegen. "Bis dahin brauchen wir Lösungen. Die Entlastungsstraße ist ein drängendes Thema", sagt der Kandidat der Wählergemeinschaft Die Parteilosen.
Mehr Transparenz im Rathaus - das ist ein Thema, das auch Ansgar Scharnke anspricht. Und macht es ganz konkret: Er will eine Informationsfreiheitssatzung einführen. Damit hätte jeder Bürger einen Anspruch darauf, Informationen zu erhalten und beispielsweise auch Gutachten einsehen zu dürfen. Solche Satzungen gibt es bereits in mehreren deutschen Städten.
Einbringen will sich Ansgar Scharnke, der acht Jahre im Ausland - u. a. in England und Südkorea - lebte und arbeitete, für den Erhalt der Alleen. Mit ihm als Bürgermeister hätte es die Fällungen im Westring nicht gegeben. "Ich bin überzeugt davon, dass es Lösungen gibt, die in Brandenburg geschützten Alleen zu erhalten und dennoch Straßen bauen zu können." Auch das Thema Trainierbahn spricht er an. Dies sei das letzte große Naherholungsgebiet in Neuenhagen. "Ich verstehe mich gegenüber dem Eigentümer klar als Anwalt der Neuenhagener. In der Kommunikation ist da einiges schief gelaufen. Kompromisse sind da möglich", sagt er.
Ansgar Scharnke ist parteilos und empfindet dies als ein Pfund bei der Wahl zum Bürgermeister. Denn er könne frei von Parteidisziplin agieren. Seit fast dreieinhalb Jahren ist er Mitglied der Gemeindevertretung und Vorsitzender des Finanzausschusses. Dass er gut rechnen kann, ihm die Mathematik liegt, darauf verweist seine Zeit am mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Gauß-Gymnasium in Frankfurt (Oder) und seine Arbeit in London bei namhaften Großbanken. Seit 2011 lebt Ansgar Scharnke mit seiner Familie in Neuenhagen. Unweit der Jahnstraße, in der er aufgewachsen ist.
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