Nur ein paar wenige "normale" Tage gab es noch, als sie zum 1. März an der Seite von Pfarrerin Karin Bertheau in Müncheberg loslegte. Dann schlug die Corona-Krise mit voller Wucht zu: Weitgehende Lahmlegung des öffentlichen Lebens selbst mit den üblichen kirchlichen Veranstaltungen, zwangsweise soziale Distanz, schließlich die verschärften Begegnungsverbote. Dabei hatte sie sich gerade auf eine Vielzahl von Kontakten, intensives persönliches Kennenlernen besonders gefreut, wie sie betont. Das ist nun vorerst nur eingeschränkt und alternativ möglich, sie selbst in ihrem Tatendrang ein wenig ausgebremst.
Juliane Bach ist 32, geboren unmittelbar nach Weihnachten 1987 in Berlin-Pankow. Und aufgewachsen in einer Familie, die schon seit zwei Generationen die Bindung an die Kirche verloren hatte, wie zu erfahren ist. Wie kommt ausgerechnet die Tochter aus solch einem Elternhaus dazu, sich nicht nur am 27. Dezember 2007, ihrem 20. Geburtstag, taufen zu lassen und schließlich sogar den Weg zu beschreiten, um Pfarrerin zu werden? Schlüsselerlebnis war 2007 ein Praktikum: Bei einer Veranstaltung im Buckower Brecht-Weigel-Haus kam sie in Kontakt mit der Künstlergemeinschaft KÖzwölf, schrieb mehrere Anfragen an Mitglieder, bis sie schließlich als Praktikantin bei Peter Scholte-Reh in der Niederlausitz landete. Künstlerisch war das vielfältig, auch mit der Kettensäge probierte sie sich aus, doch noch mehr faszinierte die junge Frau, die während dieser Zeit auch im Pfarrhaus bei dem Paar wohnte, die Arbeit von Scholte-Rehs Ehefrau Angelika als Pfarrerin.
Beziehungsarbeit mit Menschen, stellte Juliane Bach fest, ist das, was ihr am meisten liegt, sie führte intensive Gespräche mit ihrer Gastgeberin, erlebte vieles mit. Und der Wunsch wuchs, selbst diesen Weg einzuschlagen. Die Taufe war der erste Schritt, im folgenden Sommer begann sie ihr Theologiestudium – erst vier Jahre in Halle, dann zwei Auslandssemester in Norwegen, die sie ebenfalls sehr geprägt hätten, wie sie am Telefon erzählt. Da waren nicht nur viele ausländische Studenten als internationale Gemeinschaft an der vergleichsweise kleinen Hochschule, sondern auch eine andere Kultur sowie eine herrliche Landschaft und Natur, von denen sie bis heute schwärmt.
Sohn Amil, der 2013 zur Welt kam, ist inzwischen sechs, wird im Spätsommer eingeschult, und nach der letzten Phase ihres Studiums in Berlin sowie bisher weiten Teilen ihres Lebens in größeren Städten sei es ein sehr bewusster Wunsch gewesen, zum Vikariat aufs Land zu kommen, wo sich in den kleineren Strukturen viele Aufgaben noch eher miteinander mischen. Erste Einblicke hat sie in Müncheberg schon gewinnen können, mit der Umsetzung bestimmter Ideen, die sie schon hat, muss sie sich durch Corona nun aber noch ein wenig in Geduld üben.