Kneipp-Heilbad zu werden, sieht Dr. Volker Melchert als mittelfristiges Ziel für Buckow. Der 1. Vorsitzende des Kneipp- und Heimatvereins Märkische Schweiz, der überdies als einer von bundesweit etwa einem Dutzend den in Bad Wörishofen erlangten Titel Diplom-Kneipparzt führt, freut sich über jene Art neuer Herausforderung.
Ganz praktisch sieht der Verein jene nicht getrennt in städtische, institutionelle und Vereinsbestrebungen, sondern eng verzahnt - so, wie sich eigentlich alles in Sachen Kneipp in einem Kneipp-Kurort durchdringen und ergänzen sollte. Die ständige Mitarbeit von Vereinsmitgliedern im Kurort-Ausschuss der Stadtverordnetenversammlung zum Beispiel. Das Zusammenspiel mit anderen Vereinen.
Die eigens auf das Modul Kräuter und Heilpflanzen ausgerichtete Beratung und Schaufensterwerbung durch Apothekerin Dagmar Katzorke. Das bemerkenswerte Babysitter-Angebot, um Frauen, die in der Mutter-Kind-Klinik verschiedene Anwendungen wahrnehmen, zu helfen. Vor wenigen Tagen wurde gerade der Vertrag darüber bis 2017 verlängert.
Ein anderes Beispiel sind die beliebten Neujahrs-, Frühjahrs-, Herbstwanderungen, geführt durch Vereinsmitglied Doris Rüdiger. "Immer wieder lässt sie sich dafür etwas einfallen", lobt Helga Bachert, Melcherts Stellvertreterin. "Und sie kann auch extra gebucht werden." Für Gäste, Besucher, Patienten Grund, wiederzukommen.
Überdies sind da die stark nachgefragten Wassergymnastik-Kurse des Vereins, die ohne die Becken in den beiden Kurkliniken undenkbar wären. Dazu bieten die Kneippianer Seniorentanz und Nordic Walking an, was Einheimische und Gäste sowie Interessenten aus der Umgebung sehr zu schätzen wissen.
Ein solches Ziel bedeute aber auch, "bestimmte Dinge in Kauf zu nehmen", wie es der Vereinsvorsitzende nennt: dass hier nicht alles aufs Bequemste ausgerichtet ist, auf mancherlei Städtisches verzichtet werden muss, nicht überall gebaut werden kann. "Wir haben hier keine Therme, keine Saline oder Bergluft wie in 2000 Metern Höhe. Wir haben hier Natur!"
Kneipp-Heilbad zu werden, habe daher eine Menge mit Heimatverbundenheit und Schutz der Natur zu tun. Heimatliebe auch dergestalt, dass Kneipp-Philosophie von den Bürgern selbst gelebt und gezeigt, mit Stolz darauf verwiesen wird, lautet eine Anregung aus dem Kneipp- und Heimatverein. "Im Einklang mit Kneipp sein", so Dr. Melchert, der selbst täglich fünf bis zehn Kilometer mit Hund läuft.
Das ist längst nicht alles, was den vor 20 Jahren gegründeten Verein in seinem Jubiläumsjahr auch über die Stadt hinaus bekannt gemacht hat und beschäftigt. Besitzt er doch brandenburgweit 240 Mitglieder - in 14 Kitas, Schule, Hort verankert. Sie wurden vor Jahren "infiziert" durch den 1995 ins Leben gerufenen Verein, von der ersten Kneipp-Kita in Buckow, vor allem indes von der Philosophie Sebastian Kneipps.
Diesen Weg zur Kneipp-zertifizierten Einrichtung will nach Kita und Schule nun das Seniorenzentrum "Am Wald" einschlagen, verweist Melchert auf weitere Faktoren, die vom Verein begleitet werden können, während es an den beiden Kliniken weiter ausbaufähige Kneipp-Anwendungen gebe.
Da setzt auch die Fortbildung an, die der Verein sehr ernst nimmt - seien es die Aktivitäten im Kinder- und Jugendbeirat jener Einrichtungen, die Mitglied im Verein sind, die vielen Anregungen und Ansätze zum jährlichen Gesundheitstag oder die eigene Weiterbildung. Zur 5. Kneipp-Gesundheitswoche kommt erneut ganz praktisches Erleben dazu. Mitglieder des Vereins wie Helga Bachert fungieren darüber hinaus für andere Einrichtungen als Auditoren und sind geprüfte Kneipp-Referenten.
Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter und innere Ordnung - "Mit den Kneipp-Verfahren haben wir eine eigenständige Therapie, die sich mehr als ein Jahrhundert auch stets moderneren Formen geöffnet hat", weist Dr. Melchert noch auf den medizinischen Stellenwert hin.
"Wenn Kneipp Bewegung sagte, konnte das auch Holzhacken sein. Heute fließen beispielsweise fundierte krankengymnastische Behandlungen mit ein." Und alle fünf grundlegenden Säulen, besonders aber die Hydrotherapie, seien an der Münchner Maximilian-Universität zudem begleitend klinisch getestet worden, unterstreicht er.