Der 31-jährige Kindervater begründete diesen Schritt u. a. damit, dass er immer öfter zur Zielscheibe von pauschaler Kritik wurde. Er mache nach den vielen Jahren in der Kommunalpolitik den Weg frei für unverbrauchte neue Leute. „Ich hoffe sehr, dass sich viele finden, die das Gefühl haben, jetzt in die Bütt zu müssen und dies auch tun. Wer das Gefühl hat, dass er im Miteinander soziale Politik vorantreiben will, der soll sich jetzt bei den Linken melden“, so Kindervater. Er weist deutlich die Unterstellung zurück, dass er Bürgermeister Ansgar Scharnke deshalb so massiv kritisiert, weil er selbst den Bürgermeisterwahlkampf nicht gewonnen hat. „Ein Gemeindevertreter, der nie zu Kompromissen bereit war, ist nun Bürgermeister und setzt einfach durch, was er will, das ist kritikwürdig“, betont Kindervater.
In dieser Woche soll es noch eine Fraktionssitzung geben, auf der entschieden wird, wer neuer Fraktionschef wird. Kindervater selbst will neue berufliche Wege einschlagen.
Für Dagmar Schultz, Fraktionschefin der Parteilosen, kam der Rücktritt völlig überraschend. Sie habe an Kindervater geschätzt, dass er mit ihrer Fraktion immer wieder versucht habe, ins Gespräch zu kommen. Die Zusammenarbeit zwischen ihrer und der Linksfraktion sei bei sachlich guten Gründen auch in Zukunft möglich.
Für CDU-Fraktionschefin Corinna Fritzsche-Schnick gleicht der Rückzug einem Trauertag. Sie habe in den vergangenen zehn Jahren sehr gut mit „dem klugen Kopf und verlässlichen Partner“ zusammengearbeitet und so manches gemeinsam gestemmt. Sie erinnerte an die Schulentwicklung und an das Bauvorhaben an der Eisenbahnstraße. Da seien immer gute Kompromisse gefunden worden. „Seine Sacharbeit war hervorragend. Doch Sven Kindervater und Bürgermeister Scharnke waren nicht die besten Partner“, sagte sie.
Marianne Hitzges (SPD) bedauert, dass er die Legislaturperiode nicht zu Ende gebracht habe. Doch sie habe auch Verständnis, denn die Arbeit in der Gemeindevertretung habe sich seit dem Amtsantritt von Bürgermeister Ansgar Scharnke stark verändert. „Denn der scheint ja doch ignorant zu sein, was die Umsetzung bestehender Beschlüsse angeht“, so Marianne Hitzges. Sven Kindervater, der als Provokateur oft den Anstoß für gute Debatten gegeben habe, werde ihr sehr fehlen.
Helmut May von der Fraktion May/Jäger meinte lapidar, dass er nun eine Stunde früher nach Hause käme, wenn die Gemeindevertretung tage. Er sei nicht traurig. Vielmehr beschäftige ihn der Rücktritt von Angela Kann, mit der er immer gut klarkam.
Georg Stockburger, der die Fraktion B 90/Grüne führt meinte, Kindervater werde sicher nicht nur ihm fehlen. Oft waren sie unterschiedlicher Meinung. Im Gegensatz zu Kindervater spitze er bei Debatten nicht zu. „Aber, es braucht auch Leute, die zuspitzen“, sagte Stockburger. Denn es sei Aufgabe von Gemeindevertretern, abzuwägen, Vor- und Nachteile zu gewichten. Und da jemanden zu haben, der auch einmal die andere Seite zeige, sei und war oft hilfreich. Auch künftig kann sich Stockburger eine Zusammenarbeit mit den Linken vorstellen. Denn es gebe keinen Fraktionszwang, wie die Abstimmung zum Bau einer erweiterten Schule auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung gezeigt habe, als auch die Linken dem gemeinsamen Vorschlag von B 90/Grüne, SPD und CDU zustimmten. „Ich habe an ihm geschätzt, dass er kontroverse Positionen klar formulieren konnte“, so Stockburger.(mei)