Ins Gespräch brachte die Beschwerde Sibylle Bock, Vorsitzende der SPD-Fraktion. Auch sie hatte den Brief erhalten, der unterschrieben ist mit „Genervte und belastete, insbesondere besorgte Bürger“. In dem Schreiben wird starke Kritik an dem Festival mit elektronischer Musik geäußert, vor allem am durch Bässe verursachten Lärmpegel, der selbst die Scheiben von Lärmschutzfenstern zum Schwingen bringe. „Das Traurige ist dabei, dass alle 14 Tage diese Art von Veranstaltungen stattfinden. Für eine grüne Stadt am Straussee eine Schweinerei“, heißt es in dem Brief. Wer ihn verfasst hat, bleibt offen, er ist anonym.
Ein Umstand, den im Ausschuss und danach nicht nur die stellvertretende Bürgermeisterin Gudrun Wolf kritisierte. Sie sagte: „Schade, so kann man gar nicht reagieren.“ Gudrun Wolf und Thomas Frenzel (grün, liberal, bürgernah) haben seit dem vergangenen Jahr mehrere Gespräche mit Anwohnern und Veranstaltern geführt, nachdem es zuvor Beschwerden über Lärm aus dem Park gegeben hatte. Um die Situation zu verbessern, wurden mehrere Maßnahmen vereinbart. So kam zum Beispiel beim Cirque de la Lune Festival ein Lärmmessgerät vom Landesamt für Umwelt zum Einsatz, wie Gudrun Wolf berichtete. Es soll bei weiteren Veranstaltungen aufgestellt werden. „Wenn die letzte im September vorbei ist, werden die Ergebnisse ausgewertet, dann sehen wir, wie es weitergeht “, sagte sie. Sie selbst habe um 22 Uhr, als es etwas lauter gewesen sei, die Veranstalter der Strausberger Event-Agentur Fabrikneu angerufen, und die hätten umgehend reagiert. Thomas Frenzel erzählte, dass er zu Leuten in die Straße Seeblick neben dem Veranstaltungsgelände eingeladen war, um zu sehen, wie sich der Abend gestaltet. „Wir saßen auf der Terrasse und konnten uns gut unterhalten“, sagte er. Nun müsse man die Ergebnisse der Messungen abwarten, vor allem am neuralgischen Punkt, einem Haus direkt hinter dem Veranstaltungszelt. „Ich bin schon der Meinung, dass es große Veranstaltungen geben sollte, aber man muss auch die Anwohner schützen.“
Oliver Haller, Chef von Fabrikneu, erklärte, dass er vor diesem Sommer ein neues Immissionsschutzkonzept für das Festival und das Drachenbootrennen im Juli, das die Agentur auch veranstaltete, erarbeitet habe. So seien beim Festival unter anderem die Bühnen anders ausgerichtet gewesen – weg von den Anwohnern – und eine neue Boxen-Technik eingesetzt worden. „Wir hatten außerdem eine Technikfirma im Einsatz, die vor allem zwischen den Bands immer wieder die Einstellungen neu justiert hat. Aus unserer Sicht lief es ganz gut, zumal die Spitzen in der Lautstärke relativ schnell behoben werden konnten.“ Die Firma habe auch die Lärmwerte gemessen. „Es waren die gleichen, wei beim Drachenbootrennen, wo sich niemand beschwert hat. Aber vielleicht lag es diesmal an den Bässen, Lärm ist immer auch ein subjektives Empfinden.“ Auf alle Fälle sei den ganzen Nachmittag über nur eine von drei Bühnen bespielt worden und die anderen beiden am Abend jeweils eine Stunde später als im vergangenen Jahr.
Gudrun Wolf erklärte, dass außer dieser seit Beginn des Veranstaltungssommers keine Beschwerden eingegangen seien. Sibylle Bock sagte, sie sei bei diesem Thema zwiegespalten. „Einerseits können wir über jede Veranstaltung froh sein, damit die Menschen gerne in Strausberg wohnen. Andererseits bin ich auch immer für einen Interessenausgleich. Schade, dass der Brief anonym ist, so kommt man nicht ins Gespräch.“