Im Inneren des ältesten Altlandsberger Gebäudes aber sind Bauleute, Restauratoren, Techniker, Akustiker am Wirbeln. Drei Tage vor dem bereits ausverkauften Weihnachtsoratoriums-Nachmittag müssen Schiff und Chor so hergerichtet sein, dass die Musiker und Sänger an diesem Freitag hier ihre Probe absolvieren können, das Publikum am Sonntag den fast fertig sanierten Innenraum erobern kann.
Denn noch ist das Gotteshaus eine Baustelle oder genauer, wird es nach der Weihnachtszeit auch wieder sein. Für Ende März ist die Übergabe angesagt. "Die Empore muss beispielsweise noch neu gefasst werden", erklärt der Expertentrupp vom Restaurierungs-Atelier Tom Zimmermann. An vielen Stellen fehle noch die Feinjustierung, heißt es vom Architekten. Oberflächen sind noch nachzuarbeiten, die Toiletten im Turm neu zu bauen, die Orgel ...
Auch der Fußboden zeigt sich im unfertigen Ziegelfarbton, die Endreinigung erfolgt später. Immerhin steht auch die Möblierung noch aus. Aus der Erlengrundhalle jedoch sind die bequemen Stapelstühle ersatzweise ins Kirchenschiff transportiert worden und harren der fleißigen Hände von Familie Koht. "Die übernimmt am Sonnabend das Aufstellen", erklärt Kirchenältester Frank Drusche und verweist da-rauf, dass die Stadt die Mitnutzung kostenlos ermöglicht.
Währenddessen werden an den Eingangstüren die Scheiben geputzt, die Matten zum bodenschonenden Arbeiten zusammengerollt und hinausgetragen, an allen Ecken Besen geschwungen. Der Altarsockel erhält gerade eine schützende Lasur und im Eingangsbereich fügt Johnny Lange mit Umsicht, Akribie und seinen "Zauber-Händen" den Feststeller für einen Türflügel ein.
Immer wieder wechselt die Beleuchtung, die Lichtsteuerung wird ausprobiert. Mal 50, mal 100 Prozent Lichtstärke, nur die Seitenschiffe oder der Kronleuchter. "Hauptsache, wir können unsere Noten am Sonntag lesen", bangt Frank Drusche, der dem Konzert an seiner Pauke entsprechende Wucht verleihen kann.
Muss er nicht unbedingt, denn die Männer von Elektroakustik Neuenhagen sind gerade bei der Abnahme ihrer Anlage. 14 elegant wirkende Lautsprecher sind an Pfeilern und Wand befestigt. Für den guten Ton bei Menschen, die Hörgeräte tragen, sorgt eine linker Hand unter den Fußboden gelegte sogenannte "Schwerhörigen-Schleife". Durch die ebenfalls in Abständen eingelassenen Bodentanks mit Buchsen entfalle künftig auch lästiger Kabelsalat, sagt Christian Henze von der Neuenhagener Firma.
Erstbespielung der sanierten Stadtkirche nennt Frank Drusche den sonntäglichen Auftakt zur winterlichen Konzertreihe musikalische Residenzen", die bisher neben der Residenzstadt Potsdam mit ihrer Kammerakademie und Musikern der Staatskapelle aus der Residenz Berlin nun auch Instrumentalisten und Sänger dieser Region in der einstigen Sommerresidenzstadt Friedrich I., Altlandsberg, zusammenbringt.
Historische Besetzung im Blick
Dass das Residenz-Auftaktkonzert nicht wie üblich in der Schlosskirche stattfindet, hat auch mit dem direkten Neben- und einem guten Miteinander Kirche–Kommune–Schlossgut zu tun. Vor drei Jahren war mit dem Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche begonnen und dank der guten Resonanz an die Etablierung dieser Bach-Kantaten in der Adventszeit gedacht worden.
Während der zwei Jahre laufenden Innensanierung der Stadtkirche musste zunächst auf die Schlosskirche ausgewichen werden. Beim Konzert im Vorjahr sei die Nachfrage erneut so groß gewesen, sagt Drusche, dass nun versucht wird, mit einer reduzierten Besetzung, die der historisch Belegten nahe ist, wieder in die Stadtkirche einzuziehen. Diesmal eben mit dem Residenz-Konzert.